Scheider: «Ans Aufgeben habe ich noch nie gedacht»

Von Andreas Reiners
DTM
Bleibt immer Optimist: Timo Scheider

Bleibt immer Optimist: Timo Scheider

Trotz wechselhafter DTM-Karriere hat Timo Scheider nicht ans Aufhören gedacht. Im SPEEDWEEK.de-Interview sprich er über Schauspielerei, Motivationsprobleme und Änderungen in der DTM.

Herr Scheider, Sie haben kürzlich einen Werbespot für Audi gedreht. Wäre die Schauspielerei etwas für Sie?

Witzig, dass sie das fragen. Ich habe schon oft im Familien- und Freundeskreis gesagt, dass ich mir gut vorstellen kann, nach meiner Motorsport-Karriere etwas in der Schauspielerei zu machen. Ich hab’ auch schon einige Werbespots für Nintendo gedreht, für Hürth und Audi auch. Es fällt mir leicht, mit der Kamera zu spielen und offen zu sein. Aber die Priorität liegt ganz klar im Motorsport. Wenn sich da in Zukunft etwas verbinden lässt, was die Schauspielerei angeht, wäre ich dafür offen.

Wären Sie da eher der Actiontyp oder mehr der Romantiker?

(Er lacht). Dann auf jeden Fall der Actiontyp. Am Valentinstag hat meine Freundin mir gerade erst wieder gesagt, wie unfassbar romantisch ich bin. Das war aber ironisch gemeint. Also die romantische Seite, das wird wohl eher nichts.

Würden Sie sagen, dass die Saison 2012 Ihre schwerste war?

Ja, das würde ich schon sagen. Bis zum siebten Rennen war es eine unfassbar schwere Saison, weil ich keine Antwort gefunden habe, wieso, weshalb und warum es so schlecht lief. Das Wichtige im Motorsport ist, dass man an sich selber glaubt. Wenn man das viele Jahre mitgemacht hat, kann man seine Performance ungefähr einschätzen. Man kann ungefähr abschätzen, welche Mankos man hat. Es war letzte Saison aber umso schwieriger, weil ich das nicht mehr einschätzen konnte. Aber ab dem Rennen in Zandvoort, wo ich auf der Pole-Position stand, war die Leistung wieder da und auch die Performance der Teamkollegen. Das war für mich persönlich das Wichtigste, denn wenn es so weitergelaufen wäre wie in den ersten Rennen, wäre ich mit Motivationsschwierigkeiten in die neue Saison gegangen. Jetzt gehe ich hochmotiviert in die neue Saison. Ich bin in einem sehr frühen, guten Stadium, was die Fitness betrifft und freue mich auf die neue Saison.

Sie haben eine ziemlich wechselhafte DTM-Geschichte. Denkt man da zwischendurch auch mal ans Aufhören oder Aufgeben?

Ans Aufgeben habe ich noch nie gedacht. Es gibt natürlich Momente, in denen man schon mal anfängt an sich selbst zu zweifeln und alles hinterfragt. Das ist aber völlig normal und muss auch so sein. Wenn es nicht läuft, muss man alles selbstkritisch sehen und probieren, es zu analysieren. Natürlich gibt es kurzfristige Momente, wo man keine Antwort mehr hat und extrem gefrustet ist. Aber da bin ich froh, dass ich bei meinem vorherigen Arbeitgeber Opel viele Jahre in der DTM hatte, in denen ich mit unterlegenem Material gekämpft habe. Das hat mir ganz viel gezeigt und ich habe gelernt, wie man kämpft, obwohl man unterlegen ist. Nur durch das Kämpfen bin ich 2006 auch zu Audi gekommen, weil Menschen wie Dr. Ullrich oder auch Norbert Haug damals an mich geglaubt haben. Darum konnte ich zeigen, dass ich doch jemand bin, der DTM-Rennen gewinnen kann. Ich hoffe, es bleibt noch lange so.

Wie kommt man aus so einem Loch heraus?


Als ich am Anfang gar keine Erfolge hatte, war es ganz schwierig. Gerade in den Opel-Jahren am Anfang gab es immer nur den Glauben an sich selbst, sein eigenes Umfeld und an seine eigene Performance. Das sind in diesem Moment aber alles nur Hoffnungen, dass man, wenn man das Material hat, das Können auch zeigen kann. Um aus diesem Loch zu kommen, muss man irgendwann mal wieder den Erfolg spüren. Dann hat Audi mir die Möglichkeit, das Auto und das Team dafür gegeben. Wenn man einmal so einen Erfolg hatte, dann platzt auch oft ein Knoten; dann geht alles mit Leichtigkeit. Gerade wie in den Jahren 2008 und 2009, wo man in einem Auto sitzt, in dem man eigentlich machen kann, was man will trotzdem immer schnell ist. Genauso ist es aber auch umgekehrt. Da gibt es Jahre, wo nichts läuft. Du strengst dich an wie verrückt und findest einfach keine Antwort. Da ist einfach Geduld, Ehrgeiz und wirkliche Detailanalyse gefragt.

Was erwarten Sie jetzt speziell für sich von der neuen Saison
?

So viele Nuller, die ich hatte, waren schon dramatisch. Ich will wieder Rennen gewinnen und nach Möglichkeit wieder um den Titel mitfahren. Wenn man zweimal den Titel gewonnen hat, ist das immer der Massstab. Letztes Jahr ist wirklich ein Katastrophen-Jahr gewesen. Allerdings muss man sagen, dass auch andere Faktoren mitgespielt haben. Aber ich bin ganz sicher, dass wir dieses Jahr wieder ein Kandidat sein werden, der weit vorne ist. Wir werden alles dafür tun. Die Vorbereitungen laufen in die richtige Richtung. Wir hoffen, dass wir die Konkurrenz hier und da in Schach halten und im Vergleich zur Konkurrenz zwei Schritte machen können. Denn das müssen wir.

Was muss man da im Einzelnen besser machen?

Wir haben probiert, das Auto in den Nuancen, die wir ändern durften und konnten, ans Limit zu bringen, die Schwachpunkte auszumerzen und noch detaillierter auf den Punkt zu kommen. Wir wollen nicht zu viel Neues probieren, sondern uns auf das berufen, was wir wirklich wissen. Aus unseren Fehlern haben wir gelernt, und aus Fehlern lernen ist immer noch positiv.

Wer ist Ihr Titelfavorit? Kann man da einen einzelnen Fahrer nennen?

Ich glaube, wir haben mehr als zwei Hände voll Kandidaten, die Rennen gewinnen können. Wenn einer mal in so einen Fluss rein kommt und einen Erfolg einfährt, kann es plötzlich sein, dass ein Underdog zum Meisterschaftskandidaten wird. Demzufolge würde ich mich nie trauen, einen Kandidaten zu nennen. Ich hoffe aber, dass einer davon Timo Scheider heisst.

Was sagen Sie zum neuen Zeitplan der DTM?

Die Situation ist nicht ganz glücklich. Die Fansicht verstehe ich natürlich vollkommen. Auch aus Fahrersicht möchte man natürlich so viel Zeit wie möglich auf der Rennstrecke verbringen und die Möglichkeit nutzen, das Auto abzustimmen. Aber am Ende geht es hier um Kosteneinsparung. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Aspekt, den man nicht aus den Augen verlieren darf. Wir haben 1996 schon mal eine Meisterschaft gehabt, die aufgrund von extremen Entwicklungen und extremen Budgets kaputt gegangen ist. Vielleicht müssen wir uns jetzt ein, zwei Jahre durchbeissen und schauen, dass wir für andere Hersteller die DTM rentabel erscheinen lassen. Da müssen wir vielleicht das eine oder andere verschmerzen, um die DTM langfristig am Leben erhalten zu können. Die Fans kann ich auf der einen Seite verstehen, auf der anderen Seite ist es Part of the Game. Wir probieren alle gemeinsam, die DTM so gut wie möglich auf sichere Füsse zu stellen. Wenn wieder viel Geld ausgegeben wird, zieht ein Hersteller irgendwann wieder den Stecker. Das darf nicht passieren, deswegen rückt man enger zusammen. Ich glaube, auf der Strecke wird es in keiner Form langweilig werden. Denn der Aspekt, dass man im Qualifying bereits das Renn-Setup und kein Warm-Up mehr hat, birgt eine ganze Menge Spannung in sich. Ich bin echt gespannt. Denn ich glaube, dass es mir persönlich liegen wird. Denn je weniger Training, desto besser war es in der Regel. Vielleicht steht jetzt ein bisschen mehr der Fahrer im Vordergrund.

Die Fans kritisieren den Zeitplan und werfen der DTM vor, den Sport kaputt zu machen. Wie schafft man diesen schmalen Grat zwischen Kosten sparen und Attraktivität beibehalten?

Das ist genau das Problem. Es wird immer schnell gemeckert. Dass die Fans nicht immer glücklich sind, muss man akzeptieren und kann man auch teilweise verstehen. Aber wir müssen auch schauen, dass das ganze Thema in der Waage bleibt. Es ist nicht immer leicht, es allen recht zu machen. Aber ich glaube, wir haben eine gute Lösung gefunden, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Wir müssen alle gemeinsam probieren, es jedem so ein bisschen recht zu machen, um langfristig wieder Spass zu haben. Die Rennen werden keinerlei Spannung einbüssen. Ganz im Gegenteil.

Zuletzt gab es ja zahlreiche Änderungen. Wie haben die sich Ihrer Meinung bezahlt gemacht?

Wir haben ein extrem enges Feld bekommen. Ich glaube, dass es hier und da noch Potenziale gab, dass man noch enger zusammen rückt, weil jetzt jeder das Auto noch besser versteht und mehr Erfahrung damit hat. Die Änderungen waren auch wichtig, um weitere Hersteller zu gewinnen. Da hat die DTM alles richtig gemacht. Wir sind sehr glücklich, dass BMW gekommen ist, denn wer weiss, wie die Zukunft der beiden anderen Hersteller ausgesehen hätte. Jetzt haben wir die drei deutschen Premium-Marken am Start und es muss der Kampf bleiben, diese am Start zu halten.

Was würden Sie persönlich noch ändern?


Man müsste schauen, dass der Timo Scheider so oft wie möglich gewinnt (Er lacht). Im Ernst. Jeder hat seine eigenen Ideen und Vorstellungen, was Spannung betrifft. Was mir so ein bisschen fehlt, ist die Stadionatmosphäre wie beim Fussball. Wie man das umsetzt, ist eine andere Frage. Aber die Laola-Wellen und Sprechchöre, die gibt es im Motorsport nicht. Ich würde mich freuen, wenn wir ähnliche Situationen auch bei uns hätten. Mit dem neuen Reglement werden wir Fahrer künftig mehr Zeit haben, um uns noch mehr um die Fans zu kümmern. Ich glaube, das hilft der momentanen Situation ein bisschen und wird den Fans hoffentlich gefallen.

Lesen Sie am Mittwoch Teil 2 des Interviews mit Timo Scheider.

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