Toto Wolff über Ferrari-Strategie: «Keine Ahnung»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Ferrari hat den verbesserten 1,6-Liter-V6-Turbomotor früher auf die Bahn gebracht als ursprünglich geplant. Mercedes-Teamchef Toto Wolff zur Strategie der Italiener: «Keine Ahnung, wieso sie das tun.»

Ferrari gibt alles, um diese verflixten Mercedes endlich zu schlagen. Die Italiener haben sogar den eigentlich für Kanada, also den siebten WM-Lauf geplanten Motor um zwei Rennen vorgezogen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff dazu: «Keine Ahnung, wieso sie das tun. Es ist möglich, dass der neue Motor bessere Rundenzeiten erlaubt, dann wäre der vorgezogene Einsatz sinnvoll. Vielleicht hat jedoch die frühere Einführung dieser Motorspezifikation auch etwas mit der Standfestigkeit zu tun. Dann könnte dieser Schritt bedeuten – Ferrari muss im späteren Verlauf der Saison einen vierten Motor bringen, und das wäre im WM-Kampf ein Nachteil.» Mercedes selbst bleibt beim Einsatzplan wie vorgesehen. Toto Wolff gegenüber der Gazzetta dello Sport: «Wir werden die erste Ausbaustufe nach Kanada bringen.»

Der Wiener hat ein Luxusproblem: Seine zwei Fahrer liegen auf Augenhöhe an der Spitze der WM, Bottas derzeit mit einem Punkt Vorsprung auf Hamilton, es steht 87:86. Da werden besonders in Spanien Erinnerungen wach an den aufreibenden Zweikampf zwischen Nico Rosberg und Hamilton. Toto Wolff meint: «Wir haben über die Jahre definiert, wie die Piloten miteinander umgehen sollen. Wir reden ständig darüber. Wir versuchen, unsere Vorgaben zu perfektionieren. Wir versuchen, für alle Vorkommnisse gerüstet zu sein.»

Bis hin zu einer Stallorder? Toto Wolff: «Stallorder gefällt mir nicht und keinem bei Mercedes. Es ist nicht schön, in einen Zweikampf von aussen einzugreifen. Keiner hier will das. Aber es kann sein, dass im späten Verlauf der WM ein Fahrer besser im Rennen liegt, dann macht eine solche Order Sinn, so wie wir das selber getan haben. Eine Stallorder zu Beginn der Saison hingegen finde ich inakzeptabel, wenn beide Fahrer die Chancen auf den Titel haben. Das macht das Spektakel kaputt, das birgt die Gefahr, auf den falschen Mann zu setzen.»

Wie also schätzt Wolff die Stallorder bei Ferrari ein? Toto bleibt ganz Diplomat: «Ich will da kein Urteil abgeben. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ist ein kluger Mann, das muss er alleine entscheiden.»

Glaubt Toto Wolff, dass Vettel unter der Konkurrenz eines jungen Charles Leclerc leidet? «Ich finde es immer gut, wenn ein Junger in die Formel 1 kommt und gleich sein Talent unter Beweis stellen kann. Ich finde es auch gut, dass sich Seb und Leclerc bei Ferrari anstacheln. Kein richtiger Racer will einen schwachen Teamgefährten. Ein echter Racer will sich mit den Besten messen, auch innerhalb des eigenen Rennstalls. Und von aussen betrachtet wirkt das Verhältnis zwischen Vettel und Leclerc intakt.»

Apropos von aussen betrachtet: Hamilton scheint sich in einem harmonischeren Umfeld zu befinden als Vettel. Könnte ihn ein erstarkter Bottas nun so aus der Ruhe bringen, wie das früher mit Nico Rosberg passiert ist? Toto Wolff meint: «Das ist ein ganz anderer Fall. Lewis ist nun im siebten Jahr mit uns. Wir haben ein Verhältnis des Vertrauens. Wir reden über alles. Die Rivalität mit Bottas ist rein sportlich und gesund, ohne Groll. Aber beide sind Racer und wollen natürlich die Nase vorn haben. Wir müssen für alles offen sein.»

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