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Bruderduelle: Die Vorgänger von Rossi und Marini

Von Günther Wiesinger
Mit Valentino Rossi und Luca Marini trifft 2021 ein weiteres Brüderpaar in der MotoGP-Klasse aufeinander. Ein Blick in die Statistikbücher der Motorrad-WM – von den Sarrons über die Aoki-Brüder bis zu den Márquez.

Immer wieder sind in den letzten 20 oder 30 Jahren in der Königsklasse Brüder aufeinandergetroffen. Auf Anhieb fallen mir Nobuatsu und Takuma Aoki ein, die zum Beispiel im 500-ccm-GP 1997 in Imola neben Mick Doohan auf dem Podest landeten. Aleix (30) und Pol Espargaró (29) treffen seit 2014 in Königsklasse direkt aufeinander.

Die japanische Familie Aoki bildete sogar eine Besonderheit. Gleich drei Brüder brachten es zu namhaften GP-Erfolgen. Mit Nobuatsu (er blieb bis 2015 Suzuki-MotoGP-Testfahrer), Haruchika (zweifacher 125-ccm-Weltmeister) und Takuma Aoki (querschnittsgelähmt nach Motorradunfall) brachte die Aoki-Familie sogar drei Rennfahrer hervor. In der 500-ccm-Klasse trafen 1997 Takuma und Nobuatsu aufeinander, 1999 waren es Haruchika und Nobuatsu.

2020 traten mit Marc und Alex Márquez sogar erstmals zwei Brüder gemeinsam im Repsol-MotoGP-Werksteam an, allerdings fiel der große Bruder und sechsfache MotoGP-Champion bekanntlich schon beim verspäteten Saisonauftakt im Juli verletzungsbedingt aus. Für 2021 wurde Alex zu LCR transferiert.

Erstmals gemeinsam in einer Klasse mitmischen werden im kommenden Jahr der 41-jährige Valentino Rossi und sein Halbbruder Luca Marini. Der Moto2-Vizeweltmeister bringt auf seiner Ducati zudem die Farben des Rossi-Teams Sky VR46 in die MotoGP-WM.

Aus gegebenem Anlass haben wir in der Statistik gekramt und ein paar Meilensteine herausgesucht.

- Das letzte Mal, dass vor dem Einstieg der Espargarós 2014 zwei Brüder in der MotoGP gegeneinander gefahren sind, war 2010 beim US-GP in Laguna Seca. Damals trat Nicky Hayden für Ducati an, Bruder Roger Lee für als Ersatz für Randy de Puniet bei LCR-Honda. Beide Fahrer holten Punkte: 5. Rang Nicky. 11. Rang Roger Lee.

- Das letzte Mal, dass sich vor 2014 zwei Brüder unter den permanenten MotoGP-Teilnehmern befanden, war 2004, als Kenny und Kurtis Roberts die Proton-KR-V5-Maschine mit 990 ccm fuhren.

- Zusätzlich zu den Roberts-Brüdern 2004 traten andere Brüder «full time» in der Königsklasse an. Nobuatsu und Takuma Aoki 1997, Bernard und Marc Garcia 1994 und 1995, Dominique und Christian Sarron 1989.

- Die zwei letzten Brüder, die gemeinsam auf dem «premier class»-Podest standen, waren Nobuatsu und Takuma Aoki: Sie errangen die Plätze 2 und 3 beim Imola-GP 1997 neben Mick Doohan.

- Die einzige andere Gelegenheit, bei der sich zwei Brüder auf dem Podest in der Königsklasse trafen, war in Argentinien 1962. Juan Salatino gelang damals Rang 2, Bruder Eduardo wurde Dritter.

In den kleineren Klassen traten etwa Alex und William De Angelis aus San Marino 1999 bis 2001 gemeinsam in der 125-ccm-WM an und später Hiroshi und Shuhei Aoyama jahrelang in der 250-ccm-Klasse.

Die Liste von Brüderpaaren, von denen beide zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder in unterschiedlichen Klassen zu GP-Einsätzen kamen, ist aber noch viel länger, sie umfasst insgesamt rund 50 Paare.

Eines davon bilden Marc und Alex Márquez, die 2014 als erste Brüder im selben Jahr einen Motorrad-WM-Titel (MotoGP und Moto3) einfuhren und so in die GP-Geschichte eingingen. Als Belohnung für den Moto3-Titel durfte Alex Márquez 2014 nach dem Finale in Valencia bereits die MotoGP-Honda RC213V testen. Beide Márquez-Brüder flitzten damals mit Repsol-Honda-Maschinen um die Strecke.

HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto versicherte bereits vor fünf Jahren, dass er sich 2017 ein Repsol-Werksteam mit beiden Márquez-Brüdern vorstellen könne. Doch Alex brauchte fünf Jahre, bis er 2019 endlich die Moto2-WM gewann. Zum zweiten Mal wurde er also im selben Jahr wie Bruder Marc Weltmeister, danach wurde der Repsol-Traum für ihn wahr, wenn auch vorläufig nur für eine Saison.

2015 wollte neben den Espargarós noch ein zweites Brüder-Paar in der MotoGP-Klasse antreten. Superbike-WM-Star Eugene Laverty ging für das Aspar-Team an den Start, doch Bruder Michael Laverty erhielt keinen MotoGPWM-Platz mehr, nachdem sich Paul Bird Motorsport zurückgezogen hatte.

Es wäre eine doppelte Premiere gewesen: Bis dahin waren noch nie in der GP-Geschichte gleichzeitig zwei Brüderpaare als Stammfahrer in der Königsklasse angetreten. Und erstmals wären zwei Brüder nicht für dieselbe Nation gestartet. Die Lavertys stammen aus Nordirland, das zu Großbritannien gehört, Michael fährt unter britischer Flagge. Eugene allerdings besitzt eine irische Lizenz und gilt deshalb als Pilot aus Irland.

Übrigens: Die ersten Brüder, die Motorrad Grands Prix gewonnen haben, waren Christian und Dominique Sarron. Christian gewann insgesamt sieben Grands Prix in der 250-ccm- und 500-ccm-Klasse. Dominique entschied vier 250-ccm-Rennen für sich und schloss die Saison 1986 als WM-Dritter ab.

In den letzten Jahren kreuzen vermehrt Brüder in der GP-Szene auf. Mit den Türken Can und Deniz Öncü sahen wir sogar Zwillinge in der gleichen Klasse (Moto3) am Start. Sie glänzten schon mit dem Gesamträngen 1 und 2 im Red Bull Rookies Cup. Und Can gewann mit 15,5 Jahren gleich sein GP-Debüt in Valencia.

Mit mäßigen Erfolg präsentierte sich Weltmeister-Sohn Axel Pons in der Moto2-WM. Bruder Edgar siegte zwar zweimal in der Moto2-EM, im GP-Sport waren die Schuhe von Papa Sito (250-ccm-Weltmeister 1988 und 1989 auf Honda) auch für ihn zu groß. Nach der Saison 2020 hörte er auf, Edgar kümmert sich nun im familieneigenen Moto2-Team um das Sports Management.

Brüder, die in unterschiedlichen oder gleichen GP-Klassen antraten:

Marc und Alex Márquez
Pol und Aleix Espargaró
Valentino Rossi und Luca Marini (Halbbrüder)
Axel und Edgar Pons
Deniz und Can Öncü
Eugene und Michael Laverty
Brad und Darryn Binder
Nobuatsu, Haruchika Takuma Aoki
Kensuke und Noriyuki Haga
Vesa und Mika Kallio
Giacomo und Felice Agostini
Jacque und Pierre Bolle
Jorge und Raul Kissling
George und Peter Looijesteyn
Matti und Penti Salonen
Patrick und Jürgen van der Goorbergh
Francesco und Walter Villa
Alfred und Gerhard Waibel
Horst und Helmut Kassner

Max und Helmut Bradl fuhren 1986 gemeinsam in der 250-ccm-Europameisterschaft, aber nicht in der Weltmeisterschaft.

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