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Zeitenwende: KTM wird nie mehr die gleiche Firma sein

Beim österreichischen Motorradhersteller KTM muss viel geändert werden, um das Fortbestehen der Firma sichern zu können. Dafür sind schmerzhafte Einschnitte und Hilfe von außen nötig.

MotoGP

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Am 26. November 2024 erreichte uns eine Hiobsbotschaft, die die Motorradindustrie und den Standort Österreich erschütterten. Die KTM AG, welche für 95 Prozent des Umsatzes der Pierer Mobility sorgt, teilte mit: "Das Management geht davon aus, dass es nicht gelingen wird, die notwendige Zwischenfinanzierung zeitgerecht sicherzustellen. Daher hat der Vorstand der KTM AG den Beschluss gefasst, am 29. November 2024 den Antrag auf Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung über das Vermögen der KTM AG und ihrer Tochtergesellschaften KTM Components GmbH und KTM F&E GmbH einzureichen."

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Seither ist viel passiert. Einige Hundert Mitarbeiter mussten entlassen werden, die Produktion steht seit dem 13. Dezember still, laut offizieller Mitteilung des Kreditschutzverbandes von 1870 füllen 130.000 zu viel produzierte Motorräder die Lager. Die Bikes bei den Händlern mitgezählt, dürfte die Anzahl doppelt so hoch sein.

Stand heute soll die Produktion in Mattighofen am 3. März wieder aufgenommen werden, die Arbeiter bleiben während der zwei Monate bis dahin zu Hause und werden wie in einer 30-Stunden-Woche bezahlt. Ob dieser Termin gehalten oder der Produktionsstopp verlängert wird, hängt von der Absatzentwicklung im ersten Quartal ab.

Der erste wegweisende Termin für KTM war am 20. Dezember, als vor dem Gericht in Ried im Innkreis in Oberösterreich bestätigt wurde, dass die Geschäfte der KTM AG fortgeführt werden.

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Sanierungsverwalter Peter Vogl ließ bereits damals durchblicken, dass sich im Hintergrund eine Investorengruppe formiert, welche KTM mit frischem Kapital am Leben halten soll.

Ende Dezember sickerten drei Namen durch: KTM-Teilhaber Bajaj aus Indien hat signalisiert, sich mit mehreren Hundert Millionen Euro zusätzlich einzubringen, dasselbe gilt für CFMOTO aus China. Die Firma ist seit 2018 ein Joint-Venture-Partner der Pierer Mobility. Nummer 3 der Interessenten ist Finanzinvestor Fountainvest aus Hongkong.

Jeder kann sich ausmalen: Wenn Stefan Pierer die Mehrheit an seiner Firma verliert, dann wird sich auch seine zukünftige Rolle ändern. Während einige Gläubiger darauf drängen, dass sich Pierer ganz zurückzieht, haben Teile der Belegschaft sowie Zulieferer weiterhin Vertrauen in Pierer, auch wenn sie erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen – die im Sanierungsverfahren vereinbarte Schuldentilgungsquote liegt lediglich bei 30 Prozent.

Ob der Produktionsstandort Mattighofen mit seinen hohen Löhnen, Lohnneben- und Energiekosten in seiner jetzigen Größenordnung dauerhaft Bestand haben wird, darf bezweifelt werden. Motorräder unter 400 ccm lässt KTM schon heute von Bajaj in Indien produzieren. Um wieder konkurrenzfähig zu werden, muss KTM die Stückkosten deutlich reduzieren, was bei den aus der Politik resultierenden wirtschaftlichen Voraussetzungen in Westeuropa derzeit unmöglich ist.

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In finanziell schwierigen Zeiten wird auch das Thema Sport auf den Prüfstand gestellt – für KTM das wichtigste Marketingvehikel, aber auch ein sehr teures. Die Tageszeitung "Der Standard" hat aus einer Analyse der Boston Consulting Group zitiert, laut derer die Motorsport-Ausgaben bei KTM im Jahr 2023 bei 95 Millionen Euro gelegen haben sollen und für ein Unternehmen dieser Größe "außergewöhnlich hoch" wären.

Um den Fortbestand des Motorsport-Engagements gewährlisten zu können, wurden bei der Pierer-Gruppe seit Sommer 2024 zahlreiche drastische Sparmaßnahmen in die Wege geleitet, Rennchef Pit Beirer sprach im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com von einem 100-Punkte-Plan.

Gleichzeitig erarbeitete der Badener zusammen mit anderen aufgeweckten Köpfen bei KTM eine Strategie, wie die Rennsportkassen gefüllt werden können: "Wir sind nicht nur offen für Sponsoren, wie das bislang der Fall war, sondern auch für Investoren. Dafür müsste man organisatorisch einiges umstellen, das ganze Road-Racing-Programm muss auf eigene Beine gestellt werden. Es gibt großes Interesse von Investoren, wir sind überzeugt, dass wir, bevor die Saison losgeht, interessante Neuigkeiten verbreiten können."

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