Stefan Bradl: Keine Bremse mehr im Hirn?

Von Günther Wiesinger
Stefan Bradl hat beim ersten MotoGP-Test in Sepang den vielversprechenden achten Rang erzielt. Der Forward-Yamaha-Neuling hofft beim zweiten Test (ab Montag) auf eine ähnliche Performance.

Stefan Bradl (25) ist am Samstag in Kuala Lumpur eingetroffen und bemüht sich jetzt, den Temperaturunterschied zu Deutschland wegzustecken und sich an den Zeitunterschied von sieben Stunden zu gewöhnen, ehe am Montag um 10 Uhr Ortszeit (3 Uhr in Europa) auf dem Sepang International Circuit der zweite MotoGP-Test des Jahres beginnt.

Der Moto2-Weltmeister von 2011 dominierte vor zweieinhalb Wochen in Malaysia die Open-Class. In dieser Kategorie muss mit der Einheits-Elektronik von Magneti Marelli gefahren werden, dadurch fehlt dem Deutschen ein Seamless-Getriebe. Aber die Open-Class offenbart auch Vorteile.

Stefan, du hast jetzt die Open-Class-Vorteile, also auch 24 statt 20 Liter Sprit, du kannst zwölf statt fünf Motoren verbrauchen. Dazu kriegst du einen weicheren Hinterreifen als die acht Factory-Fahrer. Wie vorteilhaft ist das?

Das kann ich noch nicht beurteilen. Der zusätzliche Sprit wird keine weltbewegenden Vorteile bringen. Wir werden nicht viel mehr Sprit verbrauchen als die anderen Yamaha-Fahrer.

Du hast nach dem ersten Malaysia-Test erwähnt, dass dir jetzt beim Fahren weniger durch den Kopf geht als in der Saison 2014. Welche Rennen waren im Vorjahr für dich die schwierigsten?

Das waren die Rennen nach Barcelona im Juni und Juli, bei denen Resultate kommen mussten, wenn ich die HRC-Unterstützung nicht verlieren wollte. Da denkst du dir beim Fahrer: «Scheisse, wenn ich jetzt runterfalle, ist alles vorbei.» Das bedeutet automatisch eine Blockade und Bremse im Hirn.
Wenn du unbelastet, freier und lockerer bist, geht dir das Ganze besser von der Hand. Du bist befreiter und hast Spass an der ganzen Geschichte.
Wenn ich diese Phase wieder erreiche, kann ich 2015 wieder 100 Prozent meiner Leistungsfähigkeit abrufen.
Mir wurde bei HRC schon beim letzten Test 2013 in Valencia klar gesagt, dass ich 2014 konstant Podestplätze erzielen muss. So bin ich 2014 vom ersten Rennen an unter Druck gestanden.

Du hast dann beim Saisonauftakt in Katar acht Runden geführt – bis zum Sturz.

Ja, so ist es losgegangen. Nachher waren wir Vierter in Texas und Fünfter in Argentinien. Das waren gute Ergebnisse. Dann kamen zwei schwache Ergebnisse in Jerez und Le Mans, weil ich «arm pump» hatte und mich operieren lassen musste. Nachher sind die Resultate so dahin geplätschert...
Anschliessend ging es mit den Stürzen los. In Mugello drei Stürze, in Assen in der Besichtigungsrunde gestürzt, dann das Startplatzdrama auf dem Sachsenring.

Eskil Suter hat vor einem Jahr gesagt, du hast eine langsamere Lernkurve als Marc Márquez. Er meint, du kannst trotzdem eines Tages auf den höchsten Level kommen. Dovizioso fährt jetzt die siebte Saison, er wird immer besser. Hast du das Gefühl, dass in dir noch Reserven schlummern? Dein Ex-Teamchef Lucio Cecchinello hat das immer vermutet.

Das werden wir bald sehen. Ich habe jetzt zum ersten Mal in der MotoGP-Klasse einen Team- und Motorradwechsel gemacht. Jetzt wird sich herausstellen, ob mir das entgegenkommt.
Wenn sich das bewahrheitet, kannst du automatisch mehr pushen. Dann entwickelt sich einiges zum Positiven.
Wer weiss, was in den nächsten Jahren noch passiert. Ich fühle mich jetzt nicht unbedingt schlechter als in den Jahren zuvor. Eher besser, auch körperlich.
Das Problem, das wir in unserem Sport haben: Das Material spielt immer eine grosse Rolle.
Ich glaube, dass ich für 2015 vernünftiges Material habe, aber kein Material, mit dem ich um Siege mitfahren kann oder um das Podium.
Aber wenn es passt im Team, wenn das Motorradl macht, was ich will und wenn ich gut damit zurechtkomme, dann werde ich im Kopf von mal zu mal stärker, dann tu ich mich leichter, es geht mir lockerer von der Hand.

Du hast zwar nur einen Ein-Jahres-Vertrag bei Forward. Aber du spürst, sie sind zufrieden mit dir, sie wollen dich behalten. Deshalb wird der Druck 2015 geringer sein als im Vorjahr?

Ich war drei Jahre auf der Honda unterwegs. Jetzt habe ich meinen ersten Wechsel in der MotoGP gemacht, da gibt es nichts zu meckern.
Cal Crutchlow hat jetzt drei Jahre lang immer das Fabrikat gewechselt, von Yamaha zu Ducati, dann zu Honda. Drei verschiedene Teams und drei verschiedene Hersteller.
Was sich für 2016 ergibt, das beschäftigt mich jetzt nicht. Das kann bis Ende Juni warten.
Wir werden sehen, was sich bis dahin alles tut. Mein erster Ansprechpartner für 2016 wird sicher Forward-Yamaha sein. 

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