Starkes Feld bei der Rebenland-Rallye

Von Toni Hoffmann
ORM
Raimund Baumschlager bei seinem Sieg 2017

Raimund Baumschlager bei seinem Sieg 2017

Aus ihrer Vorfreude auf die Rebenland-Rallye machen die Spitzenpiloten kein Geheimnis, nur bei der Frage nach dem Favoriten geht der Fingerzeig jeweils in Richtung der Konkurrenz.

Wenn am kommenden Freitag das erste Fahrzeug auf dem Hauptplatz von Leutschach an der Weinstraße von der Startrampe zur 7. Internationalen Rebenland-Rallye rollt, dann steht zumindest eines fest. Der zweite Rallye-Staatsmeisterschaftslauf der Saison am 16./17. Juni hat keinen Favoriten. Weil nämlich aus allen Piloten, die als solche gehandelt werden, reflexartig ein „Ich bin‘s nicht!“ herausschießt.

Raimund Baumschlager, immerhin 14-facher Staatsmeister und so ganz nebenbei auch fünfmaliger Gewinner der nun sieben Jahre jungen Rebenland-Rallye, geht auch in der Rückschau auf seinen letztjährigen Sieg mit einem Skoda Fabia R5 gegen Gerwald Grössing im Ford Fiesta WRC nicht von seiner Meinung runter: «Im Normalfall hat ein R5 gegen ein World Rally Car keine Chance, also habe ich überhaupt keinen Druck.»

In der Rolle einer wirklichen Nummer 1 sehen sich aber auch die beiden Ford Fiesta WRC-Piloten Gerwald Grössing und Gerhard Aigner nicht: „«Nein, nein», weiß Grössing, «wer den Raimund kennt, der weiß, dass er bereits weit über 1000 Kilometer mit dem neuen Polo R5 abgespult hat. Da ist er gut im Flow, und den wird er auch ins Skoda-Cockpit mitnehmen.» Und der Oberösterreicher Gerhard Aigner glaubt eher an andere, wenn es um den Sieg im Rebenland geht. Aigner: «Da müsste schon bei mir alles gut und bei anderen alles schieflaufen. Ich habe voriges Jahr im Rebenland zum ersten Mal ein WRC gelenkt, sehe mich noch immer in einer Lernphase. Podestplatz vielleicht, Sieg eher nicht.»

Überhaupt zum ersten Mal in Leutschach am Start ist der Jännerrallye-Sieger und somit auch Meisterschaftsführende Johannes Keferböck. Auch der Ford-Fiesta-R5-Pilot aus Pregarten geht bei der Favoriten-Frage in Deckung: «Das kann ich schon auf Grund meiner Premiere im Rebenland gar nicht sein. Da haben andere weit mehr Erfahrung hinsichtlich Streckenkenntnis und vor alle auch mit dem hier berüchtigten Rollsplit. Ich möchte nur möglichst viele Punkte machen und meine Spitzenreiterposition so lange wie möglich halten.»

Erst gar keine Zeit, sich über irgendwelche Favoritenrollen Gedanken zu machen, hatte Niki Mayr-Melnhof. «Ich muss froh sein, dass ich überhaupt dabei bin», sagt der Steirer nach dem Dilemma der plötzlichen Insolvenz seines Sponsors, das auch jegliche Pläne über ein etwaiges WRC-Engagement platzen ließ. Mayr-Melnhof: «Zum Glück ist sich in aller Eile noch ein Start mit einem Ford Fiesta R5 ausgegangen. Jetzt werde ich halt schauen, das Beste daraus zu machen. Das Starterfeld ist aber schon enorm stark.»

Last but not least könnte auch der Tscheche Jan Cerny mitmischen, dessen Rätsel um die Fahrzeugmarke erst vor wenigen Tagen gelöst wurde. Der zweifache 2WD-Europameister präsentierte einen Ford Fiesta R5, mit dem er die Rebenland-Rallye bestreiten wird. Doch allein aus taktischem Kalkül wird auch er einen Grund finden, um sagen zu können: «Já nejsem žádný kandidat na vítěze!» («Ich bin kein Siegerkandidat!»).

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