Sébastien Ogier: «Die 'Monte' kann kommen»

Von Toni Hoffmann
WRC
Sébastien Ogier beim Test zur Rallye Monte Carlo

Sébastien Ogier beim Test zur Rallye Monte Carlo

Mit einem letzten Test als Vorbereitung auf die Rallye Monte Carlo verabschiedete sich das Volkswagen Motorsport-Team für die Saison 2014.

Das Jahr 2014 neigt sich für Volkswagen Motorsport dem Ende zu. In der dritten Dezember-Woche verbrachte das Team in den französischen Seealpen bei der Vorbereitung auf die Rallye Monte Carlo, den Auftakt der Saison 2015. Sébastien Ogier, Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen testeten jeweils zwei Tage. Weil sich Ogiers Stammbeifahrer Julien Ingrassia jüngst einige Operationsschrauben – Erinnerungen an einen Mountainbike-Unfall vor über einem Jahr – aus dem inzwischen komplett verheilten Schlüsselbein entfernen ließ, übernahm der französische Copilot Gilles de Turckheim vorübergehend den «heißen Sitz» im Polo R WRC des Weltmeisters.

Im Mittelpunkt des Tests standen Abstimmungsarbeiten mit der 2015er-Version des Polo R WRC. Die vielleicht größte Veränderung ist die Schaltung mittels Wippen am Lenkrad, die den konventionellen Schaltknauf ersetzt. «Ich kann beide Hände immer am Lenkrad lassen, außerdem schaltet des System schneller», beschrieb Ogier die Neuerung. Der Franzose testete auf trockenen und leicht feuchten Straße südlich von Grenoble bei Temperaturen um fünf Grad Celsius. Jari-Matti Latvala konnte auch auf leicht verschneiter Fahrbahn die neue Reifengeneration ausprobieren.

Denn bei der 2015er-Ausgabe der Rallye Monte Carlo wird wieder die Reifenwahl eine entscheidende Rolle spielen. Zur Verfügung stehen Slicks in drei Gummimischungen (hart, weich, superweich) und Winterreifen mit und ohne Spikes. Doch eindeutige Straßenverhältnisse sind selten. Schnee, nasser Asphalt und trockener Asphalt, dazu Temperaturunterschiede von zehn Grad innerhalb einer einzigen Wertungsprüfung sind keine Seltenheit.

«Man muss sich fast immer für einen Kompromiss entscheiden», sagte Vorjahressieger Ogier. Der kann auch bedeuten, dass zwei unterschiedliche Reifentypen aufgezogen werden, zum Beispiel zwei Winterreifen mit und zwei ohne Spikes. «Cross-over» lautet der Fachbegriff für derart unorthodoxe Konstellationen. Je nach persönlichen Vorlieben und Fahrstil – sowie dem Vertrauen in die Informationen von Wetter- und Eisspionen – kann sich außerdem die Reifenwahl von Fahrer zu Fahrer unterscheiden.

Weil die Entwicklung bei Reifenpartner Michelin auch nicht stehen geblieben ist, können Fahrer und Ingenieure nur begrenzt auf die Erfahrungen von vergangenen Ausgaben der Rallye Monte Carlo zurückgreifen. «Bei diesem Test ging es vor allem darum, herauszufinden, welcher Reifen für welches Szenario wechselnder Bedingungen der beste ist», erläuterte Gerard Jan de Jongh, Renningenieur von Sébastien Ogier.

Nach Testende verabschiedeten sich die Volkswagen Motorsport-Fahrer in den Weihnachtsurlaub. Sébastien Ogier wird zusammen mit seiner deutschen Ehefrau Andrea Kaiser südliche Sonne genießen, Jari-Matti Latvala will beim Skilaufen im finnischen Winter entspannen und Andreas Mikkelsen pendelt zwischen Norwegen und Spanien. Erst Mitte Januar ziehen alle ihre Overalls wieder an – für den letzten Test vor der Rallye Monte Carlo 2015.  

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