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RallyesportKolumne

Michèle Mouton im Audi Quattro: Vom Tag, als der Vulkan ausbrach

Vor 45 Jahren, am 10. Oktober 1981, gewann die junge Französin Michèle Mouton auf Audi Quattro als erste Frau in San Remo einen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft.

Im Artikel erwähnt


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Michèle Mouton mit ihrem Audi Quattro, hier 1983 auf Korsika
Michèle Mouton mit ihrem Audi Quattro, hier 1983 auf Korsika
Foto: XPB
Michèle Mouton mit ihrem Audi Quattro, hier 1983 auf Korsika
© XPB

Es muss schon viel Talent dahinter stecken, wenn ein junges Mädchen, das wohl behütet in einer südfranzösischen Gärtnerei aufwächst und erste Fahrversuche auf einem gerade mal 20 PS starken Citroen 2 CV unternimmt, wenige Jahre später mit einem 500 PS starken Rallye-Boliden gewinnt – vor der gesamten männlichen Welt-Elite.

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So geschehen an jenem denkwürdigen Oktobertag vor 45 Jahren bei der Rallye San Remo. Zwar war das Interesse der Medien erst einmal auf Walter Röhrl gerichtet. Denn der schlaksige Deutsche hatte einen vom Werk vorbereiteten Porsche 911 mitgebracht, den ein französisches Team betreute, gesponsert von einer ebenfalls französischen Unterwäsche-Firma. Doch ein Achsschaden machte schnell jede Hoffnung auf Sieg zunichte, nun schaute die Rallye-Szene auf einen jungen Italiener, auf Michele Cinotto.

Sein Vater hatte dem 22-jährigen Nachwuchs-Crack einen Werks-Audi Quattro finanziert, um im Championat seines Heimatlands anzutreten. Nun traf er hier erstmals auf besagte Michèle Mouton, deren Rallye bis dahin allerdings gar nicht gut verlaufen war: Nach den ersten Sonderprüfungen auf Asphalt lag sie nur an 13. Stelle, sollte aber doch zusammen mit dem Italiener den Weltmeister Ari Vatanen aus Finnland auf einem Werks-Ford Escort jagen, der vorne lag.

Tatsächlich quetschte Cinotto alles aus seinem Allrad-Auto, fuhr zur Freude seiner Landsleute sehr spektakuläre Driftwinkel. Doch irgendwann war’s des Guten zu viel, und trotz Warnungen aus dem Audi-Team warf der Italiener sein Gefährt in die Botanik. Damit war der Weg frei für Vatanen-Jägerin Mouton, die wegen ihrer schwarzen Haare und Augen den Beinamen «schwarzer Vulkan» bekommen hatte.

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Noch nie zuvor hatte die schnelle Französin, die auf einem privaten Renault A 110 Alpine einige Meisterschaftsläufe in ihrer Heimat, fünf Rallyes in der Europameisterschaft und unzählige Damenpokale gewonnen hatte, an zweiter Stelle eines Weltmeisterschaftslaufs gelegen. Nur noch ein Mann, ein schneller Finne, trennte sie von diesem außergewöhnlichen Triumph.

Gegen Vatanen hatte sie auf Schotter zwar mittlerweile über drei Minuten Vorsprung herausgefahren, doch wieder einmal schlug das Pech zu in Form eines Steins, der zwischen Felge und Bremsscheibe eines Rades geraten war. Dadurch brach der Bremssattel, das Rad blockierte, auch die Antriebswelle hatte einen Knacks weg. Die Audi-Mechaniker konnten in kurzer Zeit zwar die Bremse reparieren, aber nicht den Antrieb, zusätzlich hatte Mouton zwei Minuten verloren. Nun lag sie, vor der alles entscheidenden Prüfung, nur noch 34 Sekunden vor dem Ford-Piloten.

Ihre italienische Beifahrerin Fabrizia Pons, die ich in meiner Journalisten-Zeit bei «sport auto» als Redaktionsgast erleben durfte, hat diese Situation einmal hautnah geschildert. «Während alle Fahrer erschöpft vor dem letzten Rallye-Tag in ihre Betten fielen, schnappte sich Michèle ein Auto und wir fuhren nochmals in die Berge, um etwas zu trainieren.»

Dieses Finale sollte es tatsächlich in sich haben: Prickeln lag spürbar in der Luft, tausende Fans säumten die engen Bergstraßen, um beim Duell Vatanen gegen Mouton dabei zu sein. Während sich der Finne im kleineren Escort relativ leichttat, musste die Französin den deutlich größeren Audi durch tausend Kurven wuchten: Das bedeutete Schwerstarbeit, denn über 500 Gangwechsel und rund 700 Bremsvorgänge wollten erledigt sein, damals gab’s noch keine elektronischen Helfer!

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Doch das Glück war bei Mouton und Pons, denn Vatanen verlor wegen eines Reifendefekts jede Chance auf den Sieg. «Vielleicht», so Pons später, «haben uns aber auch die Maskottchen geholfen, zwei Schlumpf-Figuren, die uns ein alter Mann vor der letzten Sonderprüfung überreicht hatte.» So gewann, mit 3,25 Minuten Vorsprung, Michèle Mouton schließlich vor dem Finnen Henri Toivonen in einem Talbot Lotus, überschäumender Jubel erwartete sie im Ziel in San Remo.

«Wir wurden nicht nur mit Blumen bombardiert», erinnert sich ihre Beifahrerin an diese Szenerie, «unsere Mechaniker duschten sich mit allem ab, was es an Flüssigkeiten gab – mit Rotwein, Grappa und Sekt, dasselbe passierte auch mit unserem Auto.»

Mouton schließlich sprang nach der Ehrung zusammen mit ihren Mechanikern, immer noch im schwarzen Overall, in den Hotel-Pool, konnte ihr Glück kaum fassen. Allerdings wurde sie schnell in die harte Realität des Lebens zurückgeholt.

«Am Sonntagabend», so die Siegerin später, «sollte ich viele Interviews geben, auch im deutschen TV. Doch ich musste alles absagen. Denn ich hatte gerade erfahren, dass meine Cousine beim Fallschirmspringen in Los Angeles tödlich abgestürzt war – da war jede Freude plötzlich dahin.»

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Zwar gewann sie 1982 noch die WM-Rallyes in Portugal, Griechenland und Brasilien, musste sich aber am Ende der Saison Walter Röhrl in einem Opel Ascona 400 um nur zwölf Punkte geschlagen geben. Immerhin holte sie aber in jenem Jahr noch die Marken-Weltmeisterschaft für Audi zusammen mit ihren Team-Kollegen Stig Blomqvist und Hannu Mikkola.

Nun wandte sie sich einem nächsten Abenteuer zu, dem legendären Pikes-Peak-Bergrennen in den USA, das sie 1985 in einem Audi Sport Quattro gewann, und 1986 holte sie als bislang einzige Frau, kurz vor ihrem Karriereende, noch den Titel der Deutschen Rallye-Meisterin auf einem Peugeot.

Seit 1988 organisiert die mittlerweile 75-Jährige das Race of Champions, ist seit 2011 offizielle Managerin der Rallye-Weltmeisterschaft, restauriert gerne Möbel in ihrer Heimatstadt Grasse. Sie führt mittlerweile ein ruhiges Leben, erinnert sich aber gerne zurück an jene wilden Tage im Oktober 1981.

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