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Formel 1Kolumne

Der Tod kam in Monza: Vor 65 Jahren starb Wolfgang Graf Berghe von Trips

Kurz vor einem Riesenerfolg endete das Leben des ersten deutschen Formel-1-Werksfahrers bei Ferrari: Eine große Formel-1-Hoffnung starb bei einem Horror-Crash, wurde posthum Vize-Weltmeister.

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Wolfgang Graf Berghe von Trips
Wolfgang Graf Berghe von Trips
Foto: Grand Prix Photo
Wolfgang Graf Berghe von Trips
© Grand Prix Photo

Manche Rennfahrer-Karrieren enden abrupt, nur kurz vor einem hart erkämpften Ziel. So auch bei Wolfgang Alexander Reichsgraf Berghe von Trips: Am 10. September 1961, um 15.04 Uhr, wenige Meter vor der Curva Sud im Autodrom von Monza, verlor ein deutsches Formel-1-Supertalent das Leben, riss 14 Zuschauer mit in den Tod. Bei Tempo 240 war sein Ferrari 156 plötzlich langsamer geworden, der hinter ihm fahrende Jim Clark auf Lotus wollte überholen, als das Auto von Trips nach links kam, die beiden Rennwagen sich berührten.

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Der rote Rennwagen schleuderte, überschlug sich und krachte in einen Drahtzaun, hinter dem dichtgedrängt viele Zuschauer standen. Wäre der Unfall in der zweiten Runde nicht passiert, der Deutsche hätte an jenem Tag Weltmeister werden können – er lag zu diesem Zeitpunkt nur einen einzigen Punkt hinter Teamkollege Phil Hill (USA), der damit das Championat gewann.

Dabei hätte der junge Graf seine 33 Lebensjahre auch ganz anders gestalten können. Er stammte, als letzter Spross, aus einem Adelsgeschlecht, das sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Nach einer wohl behüteten Jugend auf dem Stammsitz Burg Hemmersbach bei Kerpen besuchte der einzige Sohn von Reichsgraf Eduard Berghe von Trips und dessen Frau Johanna Adelheid das Gymnasium, lebte in einem Internat und studierte schließlich den Beruf eines Landwirts, schloss mit Diplom ab. Er ging als Volontär zu einer Münchner Bank, hatte alle Chancen für eine gesicherte Zukunft in seinem niederrheinischen Paradies.

Doch der Bazillus des Motorsports erfasste ihn bereits im Alter von 22 Jahren. Erst fuhr er, obwohl er wegen Krankheiten in seiner Kindheit keine gute körperliche Verfassung hatte, mit einem BMW-Motorrad bei Wettbewerben, bestritt unter dem Pseudonym Axel Linther – «um meine Eltern nicht zu ängstigen» – auf einem VW Käfer kleine Rennen. Schnell kamen erste Erfolge und der erste Porsche 356 A. Damit wurde er 1954 Deutscher Meister der GT-Klasse bis 1600 ccm, schon ein Jahr später war er zum Mercedes-Werksfahrer aufgestiegen, fuhr einen 300 SL.

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Eigentlich war sein weiterer Weg in die höchste Motorsportklasse vorgezeichnet, doch Mercedes stieg aus der Formel 1 aus. Jetzt, 1956, bekam er dafür als erster deutscher Fahrer das Angebot von Enzo Ferrari, für seine Scuderia zu fahren, bestritt zusammen mit dem Italiener Umberto Maglioli das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, wurde prompt Vierter. Auch 1958 trat er hier an, diesmal in einem Ferrari 250 Testa Rossa, holte den dritten Platz.

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1957 allerdings hatte «Count Crash», wie der Graf wegen zahlreicher Crashs schnell genannt wurde, einen Unfall auf der Nordschleife. Beim Anbremsen vor dem Streckenabschnitt Breitscheid verwechselte er in einem Ferrari 250 GT die Pedale – damals war das Gaspedal noch in der Mitte angeordnet. Drei Monate im Gipskorsett waren die schmerzliche Folge für den glücklosen Fahrer.

Nach weiteren Erfolgen bei Sportwagen-Rennen, sowohl auf Ferrari als auch auf Porsche, hatte von Trips am 13. Januar 1957 sein Formel-1-Debüt beim Grand Prix von Argentinien in Buenos Aires. Erste Punkte holte er dann im gleichen Jahr beim Rennen in Monza, als er hinter Stirling Moss und Juan Manuel Fangio Dritter wurde. Nach einem eher schwachen Formel-1-Jahr 1958 und einem Unfall in der ersten Lesmo-Kurve in Monza mit dem BRM von Harry Schell schickte ihn Enzo Ferrari wieder in sein Sportwagen-Team – eine hohe Gnade des sonst so rigorosen Teameigners.

Trotzdem blieb der schnelle Graf den rasenden Einbäumen treu, verdingte sich in einem Formel-2-Porsche, hatte aber auch hier wenig Glück: Schon beim ersten Saisonrennen in Monaco crashte er in der Saint-Devote-Kurve. 1960 schließlich durfte er zurück ins Ferrari-Team, holte auf dem Typ Dino 246 immerhin zehn WM-Punkte und schloss als Siebter im Gesamtranking ab. 1961, als nach einer Reglementsänderung Ferrari mit dem neuen Typ 156 ein überlegenes Auto hatte, erreichte er damit auch seine beiden einzigen Grand-Prix-Siege in Zandvoort und Aintree (Großbritannien).

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Der Ferrari 156 war das erste Ferrari-Formel-1-Auto mit Mittelmotor, brachte aus sechs Zylindern eine Leistung von etwa 190 PS und war dank nur 420 Kilogramm Gewicht souverän im Vergleich zum Wettbewerb. Kenner schätzen dieses Modell auch heute noch wegen seiner Haifisch-Schnauze, von Trips bezeichnete dieses Auto einmal als Hecht im Vergleich zu einem Wal, dem etwas schwerfälliger zu fahrenden, früheren Frontmotor-Typ Dino 246.

Graf Berghe von Trips war aber nicht nur interessiert an Formel-1-Autos, er hatte auch eine Idee, wie Nachwuchsfahrer zu einem Junior-Rennwagen kommen könnten. Dazu hatte er gemeinsam mit dem italienischen Karosseriebauer Medardo Fantuzzi und Konstrukteur Valerio Colotti ein kleines Auto für den Formel-Sport entwickelt, angetrieben von einem Dreizylinder-Zweitakt-Mittelmotor des deutschen Rennfahrers Gerhard Mitter, der immerhin 85 PS lieferte.

Leider war das Auto zu Beginn im Vergleich zu britischen Rennautos (noch) nicht konkurrenzfähig. Seine Weiterentwicklung hätte von Trips trotz eines tödlichen Unfalls bei Testfahrten gerne weiter fortgeführt. Doch sein eigener Todessturz beendete nicht nur dieses interessante Projekt, das Werk eines Mannes, der einmal über sich gesagt hatte: «Es ist nicht der Rausch der Geschwindigkeit, der mich glücklich macht. Ich fahre, weil es mir Spaß macht.»

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