Marvin Fritz (YART) nach Titelverlust: «Wir haben nichts zu bereuen!»
YART verlor beim Bol d’Or den WM-Titel an BMW. Marvin Fritz sprach exklusiv mit SPEEDWEEK.com über eine extreme Rennwoche, die Aufholjagd und kündigt für 2027 den Gegenangriff an.
Für Marvin Fritz und YART endete das Bol d’Or mit einer Enttäuschung.
Doch Fritz wollte der verpassten Titelverteidigung nicht lange hinterhertrauern. «Es war ein hartes Rennen für uns, aber wir haben nichts zu bereuen. Wir haben unser Maximum gegeben», erklärte der Deutsche exklusiv gegenüber SPEEDWEEK.com.
Schon vor dem Rennstart hatte YART eine
«Nach den beiden heftigen Stürzen war Karels Hand angeschlagen. Er ist zweimal unverschuldet gestürzt», berichtet Fritz. «Einmal ist das Motorrad vor uns ausgegangen, die National-Motos-Honda, in die wir beide hineingekracht sind. Im Qualifying ist er beim Anbremsen auf einer Ölspur ausgerutscht – auf Start/Ziel bei über 200 km/h.»
Vier Totalschäden bringen YART ans Limit
Die zahlreichen Zwischenfälle brachten nicht nur die Fahrer, sondern auch die Mechaniker und den Teilebestand an die Grenzen. «Es war eine harte Woche für uns. Wir hatten vier komplette Totalschäden, bei denen wirklich alles Schrott war. Wir hatten für das Rennen nicht mehr viele Teile. Es war wirklich heftig», verdeutlicht Fritz das Ausmaß der Probleme.
Auch der Start in die 24 Stunden verlief für ihn nicht optimal. Nach der ersten Runde lag Fritz lediglich auf Position 16, kämpfte sich anschließend aber schnell durch das Feld. «Der Start ins Rennen war nicht perfekt, doch ich holte schnell wieder auf», blickt der 33-Jährige zurück. Auch beim reinen Tempo sah Fritz YART konkurrenzfähig: «Bis zur Hälfte des Rennens hatte ich die schnellste Rennrunde inne und lag schlussendlich nur knapp eine Zehntelsekunde hinter der Honda, die etwas schneller war.»
Vor allem während der Nacht machte die Yamaha-Mannschaft Boden gut. «Wir haben gut gearbeitet und waren in der Nacht eindeutig die Schnellsten. Wir haben knapp zwei Minuten auf F.C.C.-Honda gutgemacht», berichtet Fritz.
Der Druck auf die Honda nahm weiter zu. «Wir hatten zuvor gut Druck gemacht und lagen nur noch einige Sekunden hinter ihnen.» Später stürzte John McPhee, wodurch F.C.C. TSR mehrere Runden verlor und YART auf Position 3 vorrückte.
SERT verhindert YARTs Titelverteidigung
Damit fehlte YART nur noch ein Platz zur erfolgreichen Titelverteidigung. Die Yamaha-Mannschaft musste die zweitplatzierte Suzuki von Yoshimura SERT Motul einholen, um bei einem BMW-Sieg Weltmeister zu bleiben.
«Natürlich haben wir am Ende noch gepusht, um SERT einzuholen. Aber sie waren auch stark, das muss man anerkennen», betont Fritz. Die entscheidende Runde konnte YART nicht mehr aufholen.
Auch die Leistung des neuen Weltmeisters erkennt der Deutsche an: «BMW ist gut gefahren. Für uns war es natürlich ärgerlich. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Natürlich lernt man mehr, wenn man verliert.»
Fritz richtet den Blick deshalb bereits auf die kommende Saison: «Wir versuchen, die richtigen Lehren zu ziehen, um nächstes Jahr gegen BMW zurückzuschlagen.»
Fritz zieht positive Saisonbilanz
Trotz des verlorenen WM-Titels sieht Fritz keinen Grund, die Saison negativ zu bewerten. «Unterm Strich war es eine tolle Saison für uns mit dem zweiten Le-Mans-Sieg in Folge. Bei zwei weiteren Rennen schafften wir es aufs Podium und in Suzuka waren wir Vierte.»
Positiv bewertet Fritz auch die erste gemeinsame Saison mit Leandro Mercado. Der Argentinier war neu ins YART-Werksteam gekommen und musste sich zunächst an die Yamaha R1 sowie die Bridgestone-Reifen gewöhnen.
«Tatis erste Saison war richtig gut und wir sind überzeugt, dass er nächstes Jahr noch stärker sein wird», sagt Fritz. «Im ersten Jahr als Werkspilot hat man Druck und will keine Fehler machen. Nächstes Jahr kennt er das Bike und die Reifen auf jeder Rennstrecke. Der Kalender bleibt gleich.»
Nach dem Verlust der Weltmeisterschaft wird YART 2027 wieder mit der Startnummer 7 antreten. Auch daraus zieht Fritz Motivation: «Wir sind positiv und freuen uns auf nächstes Jahr – dann mit unserer geliebten Startnummer 7!»
Eine beeindruckende Bilanz über fünf Jahre
Dass der zweite WM-Rang keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt auch YARTs Bilanz der vergangenen Jahre. Seit 2022 beendete die Mannschaft jede Saison auf einem der ersten beiden Plätze der Weltmeisterschaft. Fritz zählt auf: «Vizeweltmeister, Weltmeister, Vizeweltmeister, Weltmeister, Vizeweltmeister – das waren fünf gute Jahre für uns.»
Und trotz der Enttäuschung in Le Castellet überwiegt deshalb auch der Stolz: «Großer Dank an Yamaha und an YART. Es ist unglaublich, was das Team in dieser Woche geleistet hat. Ich bin stolz auf unser Team und meine Teamkollegen.»
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