Yamaha gegen BMW: Canepa verrät exklusiv, wo YART 2027 nachlegen muss
Der WM-Erfolg von BMW hat die Kräfteverhältnisse verändert. Yamaha-Sportchef Niccolo Canepa erklärt exklusiv, wo YART nachlegen muss und warum er die R1 nicht grundlegend im Nachteil sieht.
Mit dem Gewinn der Langstrecken-Weltmeisterschaft 2026 hat BMW die bisherige Dominanz der japanischen Hersteller durchbrochen. Das BMW-Werksteam sicherte sich beim Bol d’Or Mitte September nicht nur den Rennsieg, sondern auch
Für Yamaha stellt sich damit eine entscheidende Frage: Kann die R1 auch 2027 mit der technisch moderneren BMW M1000RR mithalten? Zumal
Im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com erklärte Yamaha-Rennsportmanager Niccolo Canepa, weshalb er trotz des verlorenen WM-Titels keinen grundsätzlichen technischen Nachteil sieht.
«Über das neue Modell von BMW kann ich nichts sagen, weil ich dessen Leistungsfähigkeit nicht kenne», stellte der Italiener klar. «Aber ich bin wirklich überzeugt, dass wir mit BMW, Suzuki und Honda um Siege kämpfen können.»
Als Beleg verweist Canepa auf die jüngsten Erfolge von YART. Die Mannschaft gewann die 24 Stunden von Le Mans zweimal in Folge und sicherte sich 2025 den WM-Titel. «Wir haben die nötigen Mittel, um zu gewinnen und konkurrenzfähig zu sein – gerade im Langstrecken-Rennsport», betonte Canepa.
Entwicklung der Yamaha R1: Wieviel Potenzial gibt es noch?
Dass die R1 nicht mehr auf der neuesten Superbike-Generation basiert, bestreitet der ehemalige Rennfahrer nicht. Allerdings werde das Motorrad kontinuierlich verbessert. «Es stimmt, dass es nicht das neueste Motorrad ist. Aber das Motorrad entwickelt sich jedes Jahr weiter», versicherte Canepa.
Dabei profitiert YART von der Zusammenarbeit verschiedener Yamaha-Abteilungen. Neben der Langstrecken-Mannschaft sind auch das Superbike-Testteam und die japanische Entwicklungsabteilung eingebunden. «Es gibt sehr viel Kommunikation zwischen der Superbike-WM, unserem Testteam, der Langstrecke und auch mit dem Werk in Japan im Hinblick auf die 8 Stunden von Suzuka», schilderte Canepa. «Wir arbeiten als großes Team zusammen, um das Motorrad immer weiter zu verbessern.» Deshalb ist der Yamaha-Verantwortliche zuversichtlich, dass YART auch in den kommenden Jahren zu den Titelkandidaten gehören wird.
Kraftstoffverbrauch: Hier muss Yamaha nachbessern
Ein entscheidender Vorteil von BMW beim Bol d’Or war die Kombination aus hoher Motorleistung und effizientem Kraftstoffverbrauch. Die M1000RR konnte längere Stints absolvieren als ihre Konkurrenten und dadurch über die Renndistanz einen Boxenstopp einsparen.
Canepa räumt ein, dass Yamaha auf diesem Gebiet noch Verbesserungspotenzial besitzt. «Natürlich gibt es in jedem Bereich Möglichkeiten, sich zu verbessern. Darauf konzentrieren wir uns für die nächste Saison», erklärte er. «Bei einigen Rennen waren wir beim Kraftstoffverbrauch sehr konkurrenzfähig, beim Bol d’Or etwas weniger. Wir müssen verstehen, warum das so war.»
Allerdings sei der tatsächliche Unterschied bei der Reichweite geringer gewesen, als es die Strategie vermuten ließ. «Um etwas Technisches zu verraten: Wir waren sehr, sehr nah daran, eine zusätzliche Runde fahren zu können», berichtete Canepa. «Aus verschiedenen Gründen haben wir uns aber entschieden, auf Nummer sicher zu gehen und nicht zu viel zu riskieren. Deshalb sind wir immer eine Runde früher an die Box gekommen.»
Die fehlende Runde war damit nicht ausschließlich auf einen großen technischen Rückstand zurückzuführen, sondern auch auf eine bewusst konservative Strategie. «Der Unterschied war auf dieser Strecke tatsächlich sehr gering. Aber es gab ihn trotzdem. Wir müssen daran arbeiten, diese Differenz zu beseitigen.»
Ab 2027 wieder der Jäger: YART muss mehr riskieren
Interessant ist Canepas Einschätzung zur unterschiedlichen Ausgangslage der beiden Titelrivalen. BMW musste beim Saisonfinale das Maximum herausholen, um die Weltmeisterschaft noch gewinnen zu können. YART ging dagegen als Titelverteidiger und WM-Leader in das letzte Rennen.
«Ich verstehe die Situation von BMW. Sie hatten zuvor noch nie die Weltmeisterschaft gewonnen und waren wahrscheinlich in einer Position, in der sie größere Risiken eingehen konnten», erklärte Canepa. YART habe dagegen etwas vorsichtiger agiert. Für 2027 kündigt der Yamaha-Verantwortliche eine veränderte Herangehensweise an. «Wir waren etwas konservativer. Jetzt haben wir die Nummer 1 nicht mehr auf dem Motorrad. Deshalb werden wir versuchen, im nächsten Jahr in ihrer Position zu sein.»
Den verlorenen Titel führt Canepa allerdings nicht allein auf technische Unterschiede zurück. Die zahlreichen Stürze während der Trainings- und Qualifying-Sessions hatten die Mannschaft bereits vor dem Rennstart erheblich belastet. «Ich glaube, dass bei YART in dieser Woche alles schiefging, was schiefgehen konnte», erinnerte sich Canepa. «Die Fahrer waren nach den Stürzen körperlich nicht bei 100 Prozent. Es wurden viele Motorräder zerstört. Wenn man so in eine Rennwoche startet, leidet natürlich auch das Selbstvertrauen.»
Trotzdem zeigte sich der Italiener beeindruckt davon, wie die Mannschaft auf die Rückschläge reagierte. «Die Einstellung des Teams hat mich wirklich beeindruckt. In den vergangenen vier Jahren haben sie zweimal die Weltmeisterschaft gewonnen und wurden zweimal Vizemeister. Man sieht, dass die Mentalität inzwischen darauf ausgerichtet ist, immer das Maximum zu geben und zu gewinnen.»
Beim Bol d’Or hätten die Fahrer und die Mannschaft abgesehen von der
Er ist zugleich überzeugt, dass YART unter besseren Voraussetzungen mehr hätte zeigen können: «Wegen der vielen Stürze und des körperlichen Zustands unserer Fahrer konnten wir beim Bol d’Or nicht 100 Prozent geben. Und 100 Prozent hätten bedeutet, dass wir mit BMW kämpfen können.»
Vier Punkte und eine verpasste Chance
Besonders schmerzlich ist aus Yamahas Sicht, dass der WM-Titel letztlich um lediglich vier Punkte verloren ging. Canepa verweist dabei auf den Qualifying-Sturz von Karel Hanika, durch den YART eine mögliche bessere Punkteausbeute entging.
«Ich denke, ohne Karels Sturz im Qualifying wäre es möglich gewesen, vier Punkte zu holen – genau die vier Punkte, die uns am Ende zum WM-Titel gefehlt haben», erklärte er. Dennoch will Canepa die Saison nicht auf diese eine Situation reduzieren. «Das gehört zum Rennsport. Ich bin weiterhin stolz auf die Arbeit der Mannschaft. Die Ergebnisse der vergangenen vier Jahre sind bemerkenswert.»
Zudem sicherte sich Yamaha 2026 die Herstellerwertung, was Canepa ausdrücklich hervorhob. «Wir haben die Hersteller-Weltmeisterschaft gewonnen. Darauf sind wir wirklich stolz, denn gerade in der Langstrecken-WM ist dieser Titel etwas Besonderes.»
Für 2027 steht inzwischen fest, dass
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