3. Training Ungarn: Norris vor Hamilton, Verstappen P7, Hülkenberg P10
Drittes Training zum Grossen Preis von Ungarn: Lando Norris fährt mit seinem McLaren die schnellste Zeit, vor Hamilton und Antonelli. Enttäuschende Darbietung von Max Verstappen, nur auf Rang 7.
Letzter Probelauf der 22 Formel-1-Fahrer vor dem Abschlusstraining zum Traditions-GP von Ungarn, letzte Gelegenheit, das Fahrverhalten in einer Quali-Simulation auszuloten, letzte Gelegenheit, dem Wagen im Renntrimm Manieren beizubringen.
Die Ausgangslage auf dem Hungaroring: 24,6 Grad, die Bahn bei 49,2 Grad, also erheblich mehr als am ersten Trainingstag, der Wind hatte erneut gedreht, gemessen am Freitag, andere Verhältnisse also und damit jede Menge Hirnschmalz gefordert von Fahrern und Ingenieuren. Der Wind nun Rückenwind in Kurve 1, am Freitag war es genau umgekehrt.
Auch die Bahn anders als am Freitag: In Kurve 1 wurde der Asphalt abgeschliffen, weil die Autos zu sehr aufsetzten, in der letzten Kurve vor Start und Ziel musste nachgebessert werden, weil die Hinterräder am Belag zerren. Hoffentlich gibt das keine Wiederholung der aufbrechenden Bahn wie Anfang Juni in Monaco.
Gute Nachrichten bei Aston Martin: Der Rennwagen von Lance Stroll (Aufhängungsbruch am Freitag, Unfall) ist repariert, ausgerüstet mit einer neuen Antriebseinheit und mit den gleichen Evo-Teilen wie der Wagen von Fernando Alonso.
Die Grünen verraten noch immer nicht, was genau kaputt gegangen ist, sie bestätigen lediglich ein mechanisches Problem, das nun behoben sein soll.
Erster Mann auf der Bahn: Franco Colapinto, der seine Alpine am Freitag neben die Bahn gesetzt hatte. Sportwagen-Weltmeister Anthony Davidson: «In dieser Situation so früh rauszufahren, das hat ausschliesslich damit zu tun, das Selbstvertrauen frisch aufzubauen.»
Einer, der vorderhand nicht auf die Bahn ging: Arvid Lindblad im Rennwagen der Racing Bulls. Die Antriebseinheit spukte, beim Warmlaufenlassen hatten die Techniker einige Daten erkannt, die ihnen nicht gefielen, entweder ein elektronisches oder elektrisches Problem.
Auch mit dem zweiten Renner der Racing Bulls, dem Wagen von Liam Lawson, gab es ein Problem, ebenfalls Antriebseinheits-bezogen, dafür mussten die Mechaniker sogar die befohlene Nachtruhe brechen.
Nach einer Viertelstunde endlich Top-Autos auf der Bahn, McLaren-Fahrer Oscar Piastri schneller als Leclerc und Hamilton in ihren Ferrari, dann Nico Hülkenberg im Audi. Hamilton berichtete, er habe ein Abreissvisier, das am Heckflügel festhänge.
Dann rückte Vorjahressieger Lando Norris an die Spitze, bevor rote Flagge gezeigt werden musste: Wieder Bremsdefekt hinten an einem Cadillac, dieses Mal beim Wagen von Sergio Pérez, der Mexikaner stellte den Wagen in Kurve 2 zur Seite.
Fast gleichzeitig hatte Aston Martin-Star Fernando Alonso alle Hände voll zu tun, nicht ins Heck seines Teamgefährten Lance Stroll zu knallen, der sich auf der Piste verhalten hatte, als sei er dort alleine unterwegs. Kurz darauf flog ein Teil weg vom Wagen von Alonso.
Gefragt sind auf dem Hungaroring (unter Anderem) verlässliche Bremsen: Wir haben hier sechs knallharte Bremsmanöver. Cadillac hatte in dieser Saison schon mehrfach Probleme mit den Bremsen (Bottas in Monaco und Österreich, Pérez ebenfalls auf dem Red Bull Ring).
Nach sechs Minuten Pause ging es 12.56 Uhr weiter, nun auch mit dem Mercedes-Duo Antonelli und Russell sowie Max Verstappen.
Verstappen wurde auf seiner schnellen Runde aufgehalten, daher nur P3 hinter Norris und Isack Hadjar. Kurz darauf Leclerc Dritter vor Verstappen.
Mercedes hatte eine Antwort: Russell hoch auf P2, WM-Leader Antonelli aber versemmelte den ersten Pistenteil, der Italiener musste einen frischen Anlauf nehmen. Eine weitere schnelle Runde wurde ihm gestrichen, weil er zu sehr neben der Bahn war.
Dann Freude für die Tifosi: Lewis Hamilton übernahm von Norris das Kommando, und auch Max Verstappen konnte nachlegen – hoch auf P4 hinter Hamilton, Norris und Piastri, dann Russell, Leclerc, Lawson und die Audi von Hülkenberg und Bortoleto.
25 Minuten vor Schluss rückte Leclerc auf Platz 1, fast vier Zehntelsekunden schneller als Hamilton.
Kimi Antonelli fand endlich Speed: P2 als Fleisch im Ferrari-Sandwich. Er nahm Russell (zu diesem Zeitpunkt auf P8) vier Zehntel ab, autsch! Russell hatte seinen Versuch mit rauchenden Reifen in der ersten Kurve verpatzt.
Kimi bat seine Mannschaft, sich das Auto genauer anzusehen. «Ich war in Kurve 4 hart neben der Bahn.» Tatsächlich fanden die Fachleute einen Aero-Verlust, da waren wohl ein paar Luftleit-Elemente zu Bruch gegangen.
Aber so schlimm kann das nicht gewesen sein, denn 15 Minuten vor Schluss des Trainings ging Kimi Antonelli an die Spitze, zum ersten Mal wirklich in Harmonie mit seinem Rennwagen, zwei Zehntel vor Piastri im McLaren.
Weltmeister Lando Norris konnte das noch besser: 48 Tausendstel vor Antonelli. Max Verstappen verbesserte sich auf P4, mit einer unsauberen Runde.
Russell konnte nicht zulegen, mehr als sechs Zehntel hinter Antonelli auf P6.
Ferrari hatte das letzte Wort: Leclerc hoch auf P3, 85 Tausendstel hinter Leader Norris, dann kam Hamilton – Bestzeit! 150 Tausendstel vor Norris. Aber Lando hatte noch ein Ass im Ärmel und holte sich die Führung zurück!
Ferrari, McLaren, Mercedes – wir dürfen uns auf einen tollen Mehrkampf in der Quali freuen.
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