Miami-Strafen: Leclerc rutscht runter! Verstappen bestraft, aber gerettet
Nach dem F1-Rennen in Miami sprach die FIA zwei Strafen aus. Betroffen sind Ferrari-Pilot Charles Leclerc, der zwei Positionen verlor. Max Verstappen wurde auch bestraft – aber Leclerc rettete ihn.
Das einen Leid ist des anderen Freud, sagt man. Im Falle des Miami-GP müsste man das Sprichwort ein wenig anpassen: Des einen noch größeres Leid ist des anderen Rettung in der Not. Die Regelhüter vom Weltverband FIA sprachen nach Ende des Rennens in Miami noch nachträglich zwei Zeitstrafen aus: Charles Leclerc (Ferrari) bekam 20 Sekunden aufgebrummt, Max Verstappen (Red Bull Racing) 5 Sekunden. Leclerc fiel hinter Lewis Hamilton und Franco Colapinto zurück, ist im finalen Klassement nun Achter, statt Sechster. Max Verstappen hat in gewisser Weise Glück: Seine zusätzlichen fünf Sekunden schlagen sich dank der neuen Gesamtzeit von Charles Leclerc nicht nieder, er bleibt Fünfter.
20 Sekunden Strafe für Leclerc
Charles Leclerc überfuhr in der Schlussphase des Rennens mehrfach die Streckenbegrenzung – «ohne rechtfertigenden Grund», hieß es in den Ermittlungsakten der Stewards des Weltverbands FIA. In Folge eines Drehers kurz vor Ende des Rennens hatte Leclerc Schwierigkeiten, seinen Ferrari auf der Bahn zu halten.
Um 17:21 Uhr Ortszeit, also 23:21 Uhr in Mitteleuropa, entschieden die Stewards: Der Monegasse bekam dafür nachträglich eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, die er natürlich nicht mehr im Rennen büßen konnte. Daher wurden ihm 20 Sekunden auf die Renndauer aufgeschlagen. Seine Lücke auf Sieger Kimi Antonelli wuchs somit von 44,245 auf 64,245 Sekunden. Damit rutschte er hinter seinen Teamkollegen Lewis Hamilton, der nun Sechster ist, und Franco Colapinto im Alpine. Leclerc also am Ende Achter.
In der Begründung erkannten die Stewards zwar an, dass er nach seinem Dreher und Einschlag in Kurve 3 Schäden am Auto hatte. Leclerc habe aber mitgeteilt, dass sein Auto in Ordnung sei – bis auf Probleme bei Rechtskurven. Als Entschuldigung wurde das Problem nicht angenommen (immerhin wurde nicht wegen Fahrens eines Autos mit mechanischem Problem gegen ihn vorgegangen).
Daher heißt es im Urteil: «Angesichts dieses Problems war er gezwungen, auf dem Weg zur Zielflagge die Schikanen zu schneiden. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Tatsache, dass er die Schikanen schneiden musste (d. h. die Strecke verlassen musste), bedeutete, dass er sich durch das Verlassen der Strecke auf diese Weise einen dauerhaften Vorteil verschafft hatte. Die Tatsache, dass er ein technisches Problem hatte, stellte keinen gerechtfertigten Grund dar.»
5 Sekunden Strafe für Verstappen
Schon während des Rennens war zur Irritation vieler Fans notiert worden, dass gegen den Red Bull Racing-Piloten ermittelt wurde, weil er nach seinem frühen Boxenstopp angeblich verbotenerweise die weiße Linie am Ausgang der Boxengasse überfahren haben soll. Die Entscheidung war während des GP auf nach dem Rennen vertagt worden. Ein ungewöhnliches Vorgehen für eine solche Szene.
Um 17:46 Uhr Ortszeit, also kurz vor Mitternacht bei uns, dann die Aufklärung: Ja, Verstappen hat die weiße Linie überfahren, wurde bestraft, bekam 5 Sekunden auf seine Renndauer addiert. Wegen der vorangegangenen Zeitstrafe gegen Leclerc schlug sich diese jedoch für Verstappen nicht in einer niedrigeren Platzierung nieder. Statt +43,949 Sekunden stehen bei Verstappen nun +48,949 auf dem Klassement – damit wäre er hinter Leclercs ursprünglicher Zeit (+44,245 Sekunden) gelandet. Glück also für Verstappen, dass Leclerc ebenfalls bestraft wurde.
Mit der Entscheidung wurde dann auch klar, warum eine eigentlich mutmaßlich eindeutige Videobeweis-Situation so lange gedauert hatte: Nach dem Rennen konnten die Stewards noch mehr unterschiedliche Kamerawinkel zu Rate ziehen. Während des Rennens hatte nur begrenztes Material zur Verfügung gestanden, heißt es. In der Formel 1 wird aus unzähligen Winkeln, im Auto und außerhalb, mitgeschnitten. Aber nicht jedes Material steht während des Rennens zur Verfügung. Das im GP zugängliche Material war also nicht eindeutig genug, daher die Verzögerung.
In allen weiteren der zahlreichen Ermittlungen am Abend in Miami, darunter gegen George Russell, Alex Albon, Esteban Ocon und Fernando Alonso, wurden keine Strafen ausgesprochen. Russell hatte für eine heikle Szene mit Leclerc wie Verstappen und Leclerc ebenfalls bei den Stewards vorstellig werden müssen.
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