Flavio Briatore über Ferrari, Hamilton, Leclerc: «Fahrer, die sich zanken»
Immer wieder war der clevere Flavio Briatore (76) als Teamchef von Ferrari im Gespräch, passiert ist das nie. Der Erfolgs-Manager zur Scuderia: «Hamilton und Leclerc zu managen – nicht einfach.»
Der inzwischen 76-jährige Flavio Briatore ist seit Jahren einer der härtesten Kritiker von Ferrari. Einige glauben, vielleicht aus verletztem Stolz – weil der Ruf aus Maranello nie kam. Andere sind der Ansicht, der Weltmeister-Macher von Michael Schumacher (Benetton) und Fernando Alonso (Renault) traue sich einfach nur zu sagen, was Andere in Italien lediglich tuscheln.
Heute ist der mit allen Wassern gewaschene Briatore der kühle Denker hinter dem Formel-1-Rennstall von Alpine. Seine scharfe Zunge in Sachen Ferrari hat der Italiener aber behalten.
Kein Team steht so unter Druck und ist so unter der Lupe wie Ferrari. Briatore hat dazu mal festgehalten: «Im Winter ist Ferrari immer ein Titelkandidat oder schon Weltmeister. Da hat bei der Präsentation ein Vorstandsmitglied doch tatsächlich mal gesagt, er habe noch nie einen so schnellen Ferrari gesehen. Aber mit solchen Aussagen werden doch nur die Fans aufgewühlt.»
«Dann steht ein Versprechen im Raum, das schwerlich gehalten werden kann, und ich sehe dann, wie sich die Tifosi in den sozialen Netzwerken aufregen. Du kannst im Winter doch nicht solche Aussagen machen! Fahr erstmal ein paar Rennen, dann sieht man weiter. So werden doch nur falsche Erwartungen geschürt. Und Fakt dann in der Regel, wenn die anderen Rennwagen auf die Bahn kommen – einige Gegner haben einen besseren Job gemacht.»
Heute sagt Briatore zum internen Fahrerduell Lewis Hamilton gegen Charles Leclerc, das immer wieder zu reden gibt, gegenüber dem Corriere della Sera: «So wie ich das miterlebe, sind das zwei Fahrer, die sich zanken. Zwei solche Alpha-Tiere zu managen, das ist wirklich nicht einfach.»
Wie würde Briatore das tun? «Du musst allen klar machen, dass das Team vorgeht. Ich würde jedenfalls niemals wollen, dass einer meiner Fahrer den anderen von der Strecke drängt.»
Der eine oder andere unter den Tifosi stellt sich vielleicht die Frage: Wie würde Briatore das in Maranello anstellen? Flavio diplomatisch: «Lösungen kommen erst dann, wenn man den Patienten kennt. Du musst die Probleme verstehen, bevor du versuchst, sie zu lösen. In der Zwischenzeit muss Fred Vasseurs Arbeit bei Ferrari respektiert werden; Fehler passieren in jedem Team.»
«Aber ein siegreiches Ferrari ist ein Gewinn für die gesamte Formel 1; wir alle feuern daher dieses Rennpferd an, bis zu einem gewissen Grad.»
Wo doch monatelang über mögliche Nachfolger von Vasseur gesprochen wurden: Hand aufs Herz – wäre das nichts gewesen für Flavio Briatore: «Heute ist es dafür zu spät. Auch wenn Ferrari natürlich die Liebschaft ist, die jeder gerne hätte. Aber ich war nie wirklich in der Nähe von Maranello, ich war quasi immer auf der anderen Seite des Zauns.»
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