Vasseur (Ferrari): «Wäre ein Fehler, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen»
Ferrari-Spitze und die Fahrer Hamilton und Leclerc stellten sich in den letzten Tagen betont hinter Ferrari-Teamchef Fred Vasseur. Der Franzose erklärte: «Es war unumgänglich, etwas zu unternehmen.»
Die Diskussionen um Spannungen bei Ferrari reißen auch in Sepang vor dem Bahrain-GP in Malaysia nicht ab. Zwischen den Rennen in Baku und Sepang hatte die Ferrari-Konzernspitze Teamchef Fred Vasseur öffentlich mit einem Statement unterstützt – in Reaktion auf Gerüchte, Vasseur solle angeblich rausgeworfen werden. Das Gemurmel war auch durch ein Interview mit Ex-Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner angeheizt worden, der sich für den Posten ins Gespräch brachte.
Vasseur: Statement war unumgänglich, Unruhe zu groß!
Warum war dieses Statement von der Ferrari-Spitze nötig? Vasseur: «Wenn man sich den Trubel und all die Gerüchte in der Presse die ganze Woche über ansieht, denke ich, dass wir als Team in Ruhe arbeiten müssen, und das war absolut nicht der Fall. Es war unumgänglich, etwas zu unternehmen, sonst wäre es an diesem Wochenende genauso gelaufen. Aber ehrlich gesagt ist das Problem die Stabilität, die Ruhe im Team und die Konzentration, die wir brauchen, damit wir nicht den ganzen Tag mit solchen Fragen konfrontiert sind.» Thema war es in Sepang aber trotzdem, allerdings mit anderem Grundton.
Auch an der Rennstrecke war die Unterstützung für Vasseur groß. Beide Ferrari-Fahrer, Lewis Hamilton und Charles Leclerc, stellten sich betont hinter ihren Teamchef. Besonders Hamilton wurde deutlich, deutete an, dass die Probleme vielleicht eine Ebene höher liegen könnten, also in der Chefetage des Konzerns, nicht bei Teamchef Vasseur. Hamilton sprach von einer «Struktur», die schon länger dort sei.
Vasseur: Nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen
Vasseur zu Hamiltons Äußerungen: «Es wäre ein Fehler, mit dem Finger auf jemanden oder etwas zu zeigen. In den guten Momenten gewinnen wir als Team. In den schlechten Momenten leiden wir als Team. Ich möchte nicht über eine einzelne Person oder Ähnliches sprechen. Ehrlich gesagt halte ich es für einen großen Fehler, wenn wir nicht mehr an einem Strang ziehen.»
Der französische Ingenieur: «Wir hatten einen guten Saisonstart. Das reicht natürlich nicht aus. Wir wollen mehr erreichen, mehr Siege einfahren. Wir wollen die WM gewinnen. Aber letztendlich hatten wir einen positiven Start. In den letzten paar Rennen hatten wir zu kämpfen, aber wir hoffen, bald mit Weiterentwicklungen zurückzukommen und wieder das Tempo zu finden.»
Manche Angriffe seien persönlich
Was denkt Vasseur über die Heftigkeit der Kritik an seiner Person? Vasseur: «Wenn man diese Rolle übernimmt, kennt man die positiven und die negativen Seiten des Jobs. Ich habe so etwas erwartet. Was manchmal ein bisschen unfair ist, ist, wenn man jemanden zum Sündenbock macht. Und ich bin auch da, um mein Team, meine Jungs, zu verteidigen. Wenn wir gewinnen, gewinnen wir als Team. Aber wenn wir Schwierigkeiten haben, bin ich da, um sie zu verteidigen, sie alle. Und ich denke, das ist die richtige Einstellung von allen: von ihnen, den Teamchef zu verteidigen, und von mir, sie zu verteidigen, wenn wir Schwierigkeiten haben. Ich wusste, was auf mich zukommen würde, und bin überhaupt nicht überrascht. Aber manchmal sind die Angriffe ein bisschen persönlich. Das ist nicht gut.»
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