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Formel 1
Kolumne

Jo Siffert: Vor 55 Jahren starb der Schweizer GP-Star in Brands Hatch

Der Schweizer Jo Siffert war schnell auf zwei und vier Rädern und hatte sich vom Lumpensammler zum Formel-1-Star hochgearbeitet. Einer der besten Fahrer seiner Epoche starb am 24. Oktober 1971.

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Der Schweizer Jo Siffert mit seinem legendären Helm-Design im Porsche
Der Schweizer Jo Siffert mit seinem legendären Helm-Design im Porsche
Foto: Porsche
Der Schweizer Jo Siffert mit seinem legendären Helm-Design im Porsche
© Porsche

Das Rothmans World Championship Victory Race in Brands Hatch: Obwohl dieses Rennen auf der hügeligen Strecke in der Grafschaft Kent südlich von London nicht zur Weltmeisterschaft zählte, hatte Jo Siffert auf seinem BRM P160 doch alles gegeben: Er stand an diesem 24. Oktober 1971 auf der Pole Position, hatte neuen Streckenrekord gefahren.

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Als aber die Startflagge fiel, kam der schnelle Schweizer nicht sehr gut los – sein britischer Teamkollege Peter Gethin, der Brasilianer Emerson Fittibaldi auf Lotus und Schotte Jackie Stewart auf Tyrrell-Ford hatten einen besseren Start erwischt, waren enteilt.

Das focht den gebürtigen Fribourger aber nicht an, sein Kämpferherz trieb ihn quer durchs Feld, in Runde 16 lag er bereits direkt hinter dem Dritten Stewart.

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Dann aber, exakt um 14.18 Uhr, passierte es: Sein BRM war in der Mike Hawthorn-Kurve von der Fahrbahn gerutscht, in Brand geraten und sofort explodiert, Siffert hatte im Feuer-Inferno keine Überlebenschance.

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Das Rennen wurde sofort unterbrochen, Zeugen wurden befragt. Angeblich, aber da gingen die Meinungen auseinander, war Siffert mit über 220 km/h auf diese Kurve zugerast, hatte wohl Probleme mit seinem Getriebe. Nun drehte sich sein Bolide, streifte dabei einen Begrenzungspfosten an der Strecke, überschlug sich. Andere wollten gesehen haben, wie Sifferts Auto einen Fahrwerksschaden erlitten habe bei einer kleinen Kollision mit Ronnie Petersons March.

Auch wenn sich posthum oftmals viele Mythen um verunglückte Rennfahrer ranken, galt Jo Siffert aufgrund seines Talents als jemand, der auf jedem Fahrzeug schnell sein konnte. Sein Mut und seine Leichtigkeit, wie es viele seiner Zeitgenossen beschrieben, hatten sein Fahren bestimmt.

Dabei galt seine Liebe nicht nur der Formel 1, wo er in zehn Jahren zwei Grand Prix gewann: 1968 in Großbritannien (Brands Hatch) und kurz vor seinem Tod 1971 auf dem Österreichring.

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Er hatte in dieser Zeit diverse Lotus-Typen bewegt, den Brabham BT11, den Cooper-Maserati, ein Jahr lang den March 701, und schließlich den BRM des Yardley-Teams, war 96 Mal in der obersten Klasse angetreten.

Doch den schlaksigen Rennfahrer mit dem typischen roten Helm und dem Schweizer Kreuz zog es auch zu den schnellen Sportwagen seiner Zeit, vor allem zur Marke Porsche.

Zusammen mit Gérard Larrousse, Brian Redman, Kurt Ahrens und Hans Herrmann bewegte er den schwierig zu fahrenden Porsche 917 im Werksteam zu immerhin drei Weltmeistertiteln. Dabei kam Siffert aus sehr einfachen Verhältnissen, hatte große Opfer gebracht, um an die Spitze seines Sports zu gelangen, denn er hatte nicht entsprechende finanzielle Mittel wie andere Rennfahrer.

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Zudem sei er immer bescheiden geblieben, wie ihn sein langjähriger Mechaniker Heini Mader einmal beschrieb: «Er war für viele, nicht nur in seiner Schweizer Heimat, ein Vorbild.»

Wen wundert´s da, dass am 29. Oktober 1971 gut 50.000 Menschen zu seiner Beisetzung kamen. Sein Tod wurde wohl in der Schweiz ähnlich empfunden wie der von Ayrton Senna in Brasilien, Siffert war ein Volks-Held.

Mit seinem Vater hatte der junge Jo Motorsport-Events in der Schweiz besucht, wollte Rennfahrer werden. In der Familie gab´s aber lediglich einen kleinen Milchladen, und so verdiente sich Siffert, der als einziger Junge zusammen mit drei Schwestern aufwuchs, schon während der Schulzeit Geld als Altmetall- und Lumpensammler.

Er begann eine Lehre als Karosseriespengler und handelte mit Gebrauchtwagen, fuhr erste Rennen auf einem Motorrad. Erst 1960 stieg er auf Autos um, kaufte sich einen gebrauchten Stanguellini-Monoposto, fuhr Slaloms und Bergrennen, wechselte später auf einen Lotus Formel Junior.

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1962 bekam er dann die Chance, für die Schweizer Ecurie Filipinetti einen Lotus Climax in der Formel 1 zu fahren, gründete später sein eigenes Team. Auch in der Formel 2 trat er an, wurde BMW-Werksfahrer.

1965 ging er ins Team von Rob Walker, 1970 wechselte er zu March, kam 1971 schließlich zu BRM. Aus seiner Sympathie zu Sportwagen saß er für Porsche auch von 1966 bis 1971 in diversen Rennautos, holte mit den deutschen Rennwagen zahlreiche Klassen- und Gesamtsiege – Le Mans, Nürburgring, Monza, Österreichring, Spa-Francorchamps, Targa Florio.

Porsche-Sportdirektor Peter Falk nannte Jo Siffert den «wohl besten Allround-Fahrer seiner Generation». Der Schweizer wurde nur 35 Jahre alt.

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