Rennlegende Dan Gurney in Belgien 1966: Stoppen, parken, pinkeln
Früher war alles besser? Das ist natürlich Quatsch. Früher war aber definitiv alles anders. Das hat eine Begebenheit rund um den Allrounder Dan Gurney im Belgien-GP vor 60 Jahren gezeigt.
13. April 2026: An diesem Tag vor 95 Jahren wurde Dan Gurney geboren, einer der besten Allround-Rennfahrer der Welt, dem 1967 etwas gelang, das keiner je wiederholen wird – Sieg beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans als Werksfahrer von Ford, an der Seite von A.J. Foyt, dies am 10./11. Juni; und dann eine Woche später, am 18. Juni, gewann Gurney den Grossen Preis von Belgien im eigenen Rennwagen, dem zeitlos eleganten Eagle T1G.
Ein Jahr zuvor schrieb Gurney – ebenfalls in den Ardennen – eine Fussnote der Formel-1-WM, die in dieser Form auch nicht wiederholt werden kann.
Die 60er Jahre auf dem alten Ardennenkurs von Spa-Francorchamps habe ich leider verpasst. Da steckte ich noch im Laufgitter. Seit ich anfangs der 80er Jahre erstmals diese herrliche Naturrennstrecke erkundet habe, haben sich das Leben und die Formel 1 grundlegend geändert.
Wir sind von der Schreibmaschine zu den ersten tragbaren Computern (Stichwort Tandy 200) zum heutigen Apple-Laptop und Smartphone geschritten. Telex-Lochstreifen und Faxgeräte stehen nicht mehr im Mediensaal, sondern im Museum, wo sie auch hingehören. Die Welt hat sich enorm beschleunigt, nicht in jeder Hinsicht zum Vorteil.
Was ich am meisten bedauere: Früher konnten die Formel-1-Fahrer eher Typen sein, Begriffe wie politische Korrektheit oder Verhaltenskodexe waren unbekannte Begriffe. Die Piloten liessen nicht nur die Sau raus, sondern auch mal die Hose runter. Die Journalisten gingen mit heiklen Situationen verantwortungsvoll um, es herrschte ein gesundes Vertrauensverhältnis.
Was heute in Sekundenschnelle via Instagram oder X zum weltweiten Aufreger würde, erzeugte damals höchstens ein nachsichtiges Achselzucken.
Dan Gurney: «Und dann begann sich die Blase zu melden»
Die amerikanische Rennlegende Dan Gurney hat vor Jahren zum Belgien-GP 1966 das hier erzählt: "Ich hatte mich vor dem Start zum Grand Prix auf dem Berg- und Talkurs ziemlich durstig gefühlt. Und da ich mich davor fürchtete, im Rennen zu dehydrieren, schüttete ich eine ordentliche Menge Wasser die Gurgel hinunter. Das Problem war dann: Nach einiger Zeit begann sich die Blase zu melden …"
Im Grunde hätte der Amerikaner nun tun sollen, was auch heute noch im Rennwagen getan wird – dem Ruf von Mutter Natur folgen und laufen lassen.
Gurney: "Das wollte ich ja, aber es ging einfach nicht. Doch der Körper lässt sich nicht austricksen. Ich musste etwas unternehmen. Also hielt ich an einer recht einsamen Stelle an, um mich zu erleichtern. Recht einsam bedeutet: Ausser ein paar Menschen bei einem Bauernhof war weit und breit keiner zu sehen, irgendwo muhte eine Kuh."
Gurney legte ein Stein unters Hinterrad seines Eagle, liess den Motor im Leerlauf vor sich hin brummen – und spürte grosse Erleichterung.
Zur Erinnerung: Wir reden hier von der Epoche vor Einführung der Siebenpunkt-Gurte, die Fahrer konnten also nach Belieben aus ihren Wagen springen.
Gurney stieg nach der Pinkelpause wieder ein und wurde Siebter.
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