São Paulo-GP-Sieger Lando Norris: «Das war heute mein Rezept für Platz 1»
Lando Norris hat den Grossen Preis von São Paulo gewonnen, vor Max Verstappen und Isack Hadjr. Für Norris ist dies der 14. GP-Sieg. Der McLaren-Pilot strahlt: «Endlich kann ich mein Team belohnen.»
Der Grosse Preis von São Paulo wird eine Beute von Lando Norris, der 26-jährige Engländer gewinnt das unterhaltsame Traditionsrennen von Brasilien, überlegen, vor den beiden Red Bull Racing-Fahrern Max Verstappen und Isack Hadjar.
Für Norris ist dies der 14. Volltreffer in der Königsklasse (gleich viele wie Emerson Fittipaldi, Jack Brabham und Graham Hill), sein dritter Saisonsieg (nach Ungarn und den Niederlanden), sein zweiter in Brasilien nach 2025 und gleichzeitig sein 50. Podestplatz in der Formel 1 (gleich viele wie Jenson Button). Norris’ Rennstall McLaren hat zum 206. Mal gewonnen und zum 14. Mal in Brasilien.
Norris sagt nach seiner hervorragenden Leistung: «Das war ein hartes Stück Arbeit. Mein Start war nicht eben berauschend. Die Verhältnisse waren tückisch, wir fuhren teilweise mit Slicks auf nasser Bahn. Das Rezept für Platz 1 war es heute, kühlen Kopf zu behalten und so wenige Fehler als möglich zu machen.»
«Ich konnte immer zulegen, wenn ich es brauchte. Es tut gut, endlich wieder mal ein Rennen zu gewinnen, und dass ich das nach einem so kniffligen Grand Prix schaffte, macht es doppelt süss.»
«Das Team hat in den vergangenen Monaten sehr hart gearbeitet, und ich finde es immer ärgerlich, wenn du ihre Bemühungen nicht mit einem Sieg belohnen kannst. Heute hat es endlich wieder einmal geklappt.»
So lief der São Paulo-GP
Ein Regen-GP, wie erwartet, das ganze Feld auf den grün markierten Intermediate-Reifen: Pole-Mann Lando Norris kam beim Start okay weg, aber Antonelli klar besser, auch Lawson schlüpfte an Norris vorbei.
Lewis Hamilton tauchte nach Runde 1 auf P9 auf, Verstappen auf P13. Und das von den Positionen 20 und 21!
Top-Ten nach 1 von 71 Runden: Antonelli, Lawson, Norris, Hadjar, Russell, Hülkenberg, Albon, Piastri, Hamilton und Bearman.
Verstappen krallte sich zu Beginn der 3. Runde Bearman und rückte hinter Hamilton auf P10 hoch.
Eine Runde später rutschte Hamilton von der Ideallinie, Max sagte Dankeschön und rückte vor auf Platz 9.
Verstappen machte sich auf die Socken Richtung Piastri auf P8. Auffallend, wie Verstappen in den verschiedenen Kurven deutlich andere Linien fuhr als die Gegner und als im Trockenen.
Heisses Duell dann zwischen Piastri und Verstappen, nachdem Max in Runde 5 die Bastion Piastri gestürmt hatte, griff er sich auch gleich Albon, Max damit auf P7, nur 12 Sekunden hinter Leader Antonelli.
An der Spitze setzte sich Weltmeister Antonelli ab, vier Sekunden dahinter machte Lando Norris Druck auf den starken Liam Lawson.
Gegen Hamilton wurde ermittelt, wegen Abkürzens (Duell mit Bearman in der ersten Runde). Ferrari funkte Hamilton ins Auto, er sollte den Haas-Fahrer vorbei lassen.
Norris presste sich in Runde 6 vorbei an Lawson, der musste kurz darauf auch Hadjar ziehen lassen.
Stand in Runde 7 (von 71): Antonelli, Norris, Hadjar, Lawson, Russell, Hülkenberg, Verstappen, Piastri, Albon und Hamilton.
In Runde 8 ging auch Russell an Lawson vorbei (Russell nun Vierter), Max Verstapen weiter hinten schnappte sich Hülkenberg – P6.
Der Speed von Ferrari? Mässig: Hamilton gab den Platz an Bearman zurück, war aber auch kurz neben der Bahn. In Runde 9 Hamilton nur auf P12, Leclerc auf P13.
Die zwei Ferrari Rad an Rad, am Kommandostand ein nervöser Teamchef Fred Vasseur, aber die Fahrer gaben sich genug Raum. Hamilton hatte sichtlich Mühe mit den Hinterreifen und musste auch Fernando Alonso im Aston Martin-Honda ziehen lassen.
Runde 11: Russell vor auf P3, auf Kosten von Isack Hadjar.
Hamilton forderte am Funk einen Wechsel auf die profillosen Slick-Reifen, Renningenieur Carlo Santi lehnte ab – das Timing stimmte nicht.
Verstappen fast zeitgleich am Funk: «Es ist zu früh für Slicks.»
Runde 13 von 71: Antonelli schon 8 Sekunden vor Norris, der nur noch 1,2 vor Russell, dann Hadjar, Verstappen neu auf P5, Lawson, Piastri, Hülkenberg, Albon und Bearman. Die Ferrari auf P12 (Leclerc) und P14 (Hamilton).
Hamilton forderte erneut Slicks, aber die Bahn war auf dem langen Weg zurück zu Start und Ziel noch zu nass.
In Runde 15 kam Hamilton herein: neue weiche Reifen! Der englische Superstar fiel auf P20 zurück. Natürlich beobachteten alle, was seine Rundenzeiten machen.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Norris rein, Russell rein, Hadjar rein, Antonelli blieb draussen, Verstappen blieb auch draussen und war nun Zweiter.
Aufregung: Dreher von Russell bei der Ausfahrt der Boxengasse! Da ging sehr viel Zeit verloren.
Eine Runde später auch Antonelli an der Box, ebenso Verstappen, denn Hamilton fuhr inzwischen die mit Abstand schnellsten Runden. Slicks also die richige Wahl.
In Runde 18 neue Reihenfolge: Antonelli, Norris, Hadjar, Verstappen, Lawson, Piastri, Russell, Hülkenberg, Albon, Lindblad, Hamilton.
Kimi am Funk: «Es stimmt etwas mit dem Auto nicht.» Der Italiener hatte nun Norris im Nacken. Waren die Reifen nicht auf Temperatur? Nochmals Antonelli am Funk: «Nein, es ist die Aufhängung.»
Dann Schock in Runde 20: Dreher von Kimi in der ersten Kurve, Lando Norris sagte Dankeschön und ging vorbei.
Wo war Hamilton, der den richtigen Riecher hatte mit den Slicks? Auf P11.
Hadjar presste sich in Runde 21 vorbei an Antonelli, Kimi weiter in Schwierigkeiten, mit einem aufrückenden Verstappen.
Nochmals Kimi am Funk: «Bono, der Wagen zieht zur Seite beim Beschleunigen, das ist ganz komisch.»
Runde 23 von 71: Wieder Funk-Probleme bei Red Bull Racing mit Verstappen, der weiterhin Vierter war hinter Norris, Hadjar und Antonelli.
In Runde 24 Kimi in Kurve 1 erneut neben der Bahn, Verstappen schlüpfte vorbei. Max damit auf einem Podestplatz!
Ferrari stagnierte: Hamilton auf P11, Leclerc auf P14. Der Monegasse brachte keine Temperatur in die Hinterreifen.
Antonelli erhielt die Anweisung, kühlen Kopf zu bewahren. Kimi am Funk verzweifelt: «Ja, aber es gibt ein Problem mit dem Wagen, ich kann keine Linkskurven, als würde der Wagen selber lenken.»
Mercedes konnte keinen Schaden am Wagen erkennen, der Verdacht bestand darin, dass die Reifen nicht gleichmässig aufgewärmt waren. Antonelli auf P4.
Rundenlanges Duell zwischen Hülkenberg und Russell um P7, weiter hinten fand Hamilton wieder Speed, P9 vor Lindblad.
Runde 30 von 71: McLaren warnte Leader Norris, Regen komme in zehn Minuten. Und Russell endlich vorbei an Hülkenberg.
Verstappen auf P3 kam Hadjar nicht näher: Zu wenig Abtrieb an der Hinterachse, gemessen an der Vorderachse, das Auto aus der Balance. Das Team war unsicher, ob Max ein Fahrzeugteil verloren hatte.
Stand in Runde 33 von 71: Norris 5 sec vor Hadjar, der 3 sec vor Verstappen, der 8 sec vor Antonelli, dann Piastri, Lawson, Russell, Hülkenberg, Hamilton und Lindblad. Charles Leclerc noch immer auf P14.
In der Folge verlor Hadjar Zeit auf Leader Norris, Verstappen rückte näher, er witterte P2 (und das von P21 kommend …).
Eine enorme Regenzelle zog im Norden der Rennstrecke vorüber, drohte aber, die Piste zu streifen.
Runde 38: Red Bull Racing bat Hadjar, Verstappen ziehen zu lassen, der junge Pariser machte sofort Platz. Max aber inzwischen schon 9 Sekunden hinter Norris.
Hamilton in Runde 39 erneut an der Box, für einen neuen Satz weicher Reifen. Lewis fiel um eine Runde zurück hinter Leader Norris.
In Runde 44 entrundete sich der Fahrer von Auto Nummer 44: Hamilton vorbei an Norris. Lando diskutierte am Funk, ob er mit dem bestehenden Reifensatz nicht einfach fertigfahren sollte.
Verstappen wurde gefragt, ob er das in Betracht ziehen würde. Max: «Nein, das können wir nicht.»
Verstappen kam in dieser Phase Norris nicht näher, und Hadjar hinter ihm erkundigte sich schüchtern, ob er seinen P2 wieder zurückerhalten könne.
In Runde 45 war das Thema von selber erledigt: Verstappen holte einen zweiten Satz frischer, weicher Reifen ab.
Stand in Runde 47: Norris, Hadjar, Antonelli, Piastri, Verstappen, Russell, Lawson, Leclerc, Hamilton und Alonso, Hülkenberg auf P12.
McLaren holte Leader Norris an die Box, dies in Runde 50. Lando fiel zurück auf P4.
Da auch Hadjar stoppte, nun wieder Antonelli vorne, 7 sec vor Norris, der 6 sec vor Verstappen.
Die Taktik von Mercedes für Antonelli: abwarten, was in Sachen Safety Car-Phasen oder Regen passiert. Aber die Reifen hielten nicht: Kimi kam ebenfalls an die Box.
Bittere Pille für Audi-Fahrer Nico Hülkenberg: 10-Sekunden-Strafe für den Deutschen, weil er neben der Bahn gewesen war und gemäss Regelhüter einen unerlaubten Vorteil erhalten hatte. Dies im Duell von Nico mit Colapinto.
Es begann in Runde 56 wieder zu nieseln. Mit mehr Regen ungefähr fünf, sechs Runden vor Schluss.
Mercedes bat Russell, den aufkommenden Antonelli bitte nicht aufzuhalten. Was George nicht tat.
Stand in Runde 58 von 71: Norris, Verstappen, Hadjar, Antonelli, Russell, Piastri, Lawson, Leclerc, Hamilton und Hülkenberg.
Es begann, mehr und mehr zu regnen. In Runde 60 lag Antonelli im Windschatten von Hadjar. Die Verhältnisse riefen nach Intermediates. Der alte Fuchs Alonso war der erste Fahrer, der sich die abholte.
Norris in Runde 63 an der Box, Verstappen tat es ihm gleich, so wie nun das halbe Feld.
Dann gelbe Flagge: Halber Dreher von Hamilton, Mauerkuss mit dem Heckflügel! Wie durch ein Wunder entging der Ferrari-Star im Bergauf-Stück der Mauer – und holte endlich ebenfalls Intermediates ab.
Mercedes drehte die Fahrer um: Russell vorbei an Antonelli, weil George in dieser Phase schneller war und die Chance winkte, Hadjar den dritten Platz abzunehmen.
Aber Russell hatte Sorgen: «Etwas stimmt mit diesem Auto einfach nicht.» – «Warte, bis die Reifen auf Temperatur sind.» – «Das hat nichts mit Reifentemperatur zu tun.»
Norris fuhr dieses Rennen nach Hause, vor Verstappen und Hadjar. Mercedes hat sich nach dem Fahrer-Titel mit Kimi Antonelli dank P4 von Russell und P5 von Kimi auch die Konstrukteurs-WM gesichert.
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