Motoren steckten in Dubai fest! – Was ist die Deadline für einen F1-GP?
Vorm Saisonstart in Australien steckten Formel-1-Motoren im Nahen Osten fest. Wie das Problem gelöst wurde – und wann die Frachtpakete für einen Grand Prix spätestens losgeschickt werden müssen.
Die Geschehnisse in der Welt wirken sich auch auf die Formel 1 aus. 2020 musste die Formel 1 in der Corona-Pandemie spontan den Saisonstart absagen, den kompletten Kalender umbauen und auch in den Folgemonaten immer wieder flexibel umplanen. Der Krieg im Nahen Osten fordert in der laufenden Saison ebenfalls viel Flexibilität. Die beiden Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien im April wurden abgesagt bzw. verschoben. Der Bahrain-GP findet in gut zwei Wochen in Malaysia statt. Und auch der Australien-GP zum Auftakt war zwischenzeitlich gefährdet, weil wichtige Teile, darunter Motoren, im Nahen Osten feststeckten.
James Boughton, Stellvertretender Leiter für Transport, Logistik und Fracht bei der Formel 1, sagte am Rande des Madrid-Rennens gegenüber ausgewählten Medien, darunter SPEEDWEEK.com: «Als im Frühjahr der Konflikt im Nahen Osten begann, haben wir gerade viel Luftfracht nach Australien befördert, teilweise von Bahrain aus und teilweise von Europa aus.» Mitte Februar hatten ja noch die Wintertests in Bahrain stattgefunden. Der Australien-GP war für den 8. März angesetzt, entsprechend mit den ersten Autos auf der Strecke am 6. März am Freitag. Am 28. Februar begannen die Angriffe im Nahen Osten.
Motoren für Melbourne hingen fest
Boughton: «Als der Luftraum im Nahen Osten gerade geschlossen wurde, hatten wir einiges an Fracht, die über den Nahen Osten nach Melbourne kommen sollte. Die Flugzeuge kamen von dort aus aber nicht weiter. Und es waren rennkritische Teile. Unsere Formel-1-Logistik-Abteilung hat dann sehr eng mit DHL zusammengearbeitet, weil wir diese Komponenten, darunter Motoren und andere dringend notwendige Komponenten, definitiv aus der Region herausbekommen mussten, weil wir damit ja Autos in Australien antreiben mussten. Wir haben dann sehr schnell zusammen mit DHL einen Aktionsplan aufgesetzt, wie wir diese Fracht aus einem Lager in Dubai herausbekommen und sie mit einer Chartermaschine nach Australien bekommen, sodass der Grand Prix stattfinden konnte.» Knappe Kiste, aber bekanntlich hat alles funktioniert. Der Saisonstart lief problemlos.
Was wird aus den Nahost-GPs 2026?
Derzeit sind hinter den letzten beiden Saisonrennen 2026 noch riesige Fragezeichen. Auf dem Kalender stehen Katar Ende November und Abu Dhabi am 6. Dezember. Offiziell hält man noch an den Plänen fest, im Hintergrund laufen aber die Vorbereitungen für einen Plan B in Imola. Das Fahrerlager stellt sich derzeit eher auf eine Italienreise zum Nikolaustag ein. Entschieden ist aber noch nichts – obwohl es nur knapp über zwei Monate sind.
Wie ist aus Logistik-Perspektive die Deadline für einen Formel-1-Grand-Prix? Boughton: «Die Frage ist, wie nachhaltig man sein möchte. Man kann es sehr lange aufschieben, aber dann muss man alles fliegen.» Die Formel 1 kombiniert in der Regel Transport per Lkw, Schiff (am nachhaltigsten) und Flugzeug (am wenigsten nachhaltig). Im Frühjahr wurde zwischen Miami und Montreal auch viel per Schiene transportiert.
Luftfracht auch kurzfristig möglich
Boughton: «Luftfracht erlaubt eine große Flexibilität. Da wir aber nachhaltiger sein möchten, würden wir normalerweise Sets per Seefracht schicken. Dafür nimmt man den Tag des Rennens, rechnet zurück und sagt, okay, an diesem Datum muss die Seefracht auf den Weg gebracht werden.» Das hänge natürlich davon ab, welche Routen zur Verfügung stünden und von wo aus man die Fracht losschicke. Wenn man spontan sein muss, ginge es aber auch kurzfristiger: «Man könnte alles fliegen, wenn man wollte. Es wären natürlich viele Flugzeuge. Aber theoretisch wäre es möglich.»
«Es gibt keine Deadline»
Neben Boughton saß bei dem Panel am «Madring» ein Vertreter von DHL (Logistikpartner der F1), Jake Rowe. Der Brite ergänzte knapp und mit einem Lachen: «Es gibt keine Deadline.» Es bleibt also noch spannend, wohin die letzte Formel-1-Fracht des Jahres im Spätherbst geht.
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