Euro Moto Supersport • Neu
Max Enderlein: Brauerei-Berater statt Vollzeit-Fahrer in der Euro Moto
Bevor es mit dem ersten Training der Euro Moto Superbike am Hockenheimring losging, bekam Jens Holzhauer noch Post vom DMSB. Außerdem bleiben die zugeteilten Nockenwellen weiter im Regal.
Teamchef Jens Holzhauer hatte kurz überlegt und dann nein gesagt. Nach dem letzten Checkpoint im Rahmen der Balance of Performance hatte die Safety/Technical/Sporting Commission (CSTS) mit Serienmanager Max von Saurma, Karsten Bartschat, Fabian Schuster (ADAC), Max Kumpf (Vorsitzender Sportkommissar), Jörg Raboldt (Vorsitzender Techn. Kommissar), Torben Jennert (DMSB Technischer Kommissar) und Stefan Beck (Vorsitzender CSTS/Renndirektor) getagt und die Concession-Punkte neu ausgerechnet.
«Nach unserer Top-Leistung von Assen und dem Nürburgring», meinte Jens Holzhauer mit der entsprechenden Portion Sarkasmus, «wurden Concessionteile für uns freigegeben.» Florian Alt hatte an beiden Rennwochenende nicht vorne mitfahren können und war daher in den Genuss der Zuteilung gekommen. Festgelegt wurde die Freigabe der Verwendung des Kit-Nockenwellensets, deren Spezifikation in der aktuellen Version der Eligible Parts List definiert ist.
Eben jene Nockenwellen, die bereits im Vorjahr von Honda geliefert worden waren, aber auf Grund der Regeländerung bei der Euro Moto 2026 seitdem im heimischen Regal ihr trostloses Dasein fristen. Daran wird sich, obwohl sie laut Holzhauer sieben bis zehn PS an Leistung bringen, auch nichts ändern. «Der Aufwand ist für die gerade mal zweiwöchige Vorlaufzeit einfach zu groß», beschreibt Alts Teamchef die Lage. «Wir haben keine Erfahrung damit, wir hätten ein neues Motor-Mapping erarbeiten und noch einen extra Test einplanen müssen. Erst dann hätten wir das Nockenwellen-Set in einen der verplombten Motoren einbauen können. Das war einfach eine Zeitfrage.»
Nach dem Massencrash von Oschersleben, den alle Fahrer bis auf ein paar Prellungen und Abschürfungen heil überstanden hatten, wurde auch im Team Holzhauer mit ordentlich Men-Power ein neuer fahrbarer Untersatz für Florian Alt aus dem Boden gestampft.
Da in der Euro Moto ein fertiges Ersatzmotorrad nicht erlaubt ist, muss man mit dem arbeiten, was man an Einzelteilen zur Verfügung hat. Jens Holzhauer holte sich nach eigener Aussage die Genehmigung der technischen Kommissare, aus seinem vor der Box stehenden Ausstellungs-Motorrad ein Rennmotorrad zusammenzubauen. Alt stand mit leicht lädierten Gräten wieder am Start und fuhr das zweite Rennen.
Im Anschluss wurde vom Team GERT56 ein Protest bezüglich des Wiederaufbaus der Honda eingelegt, gegen den sich Holzhauer mit einer sogenannten Berufung wehrte. Der Fall wurde nun vor dem DMSB Berufungsgericht verhandelt und abgeschmettert. Jens Holzhauer fiel aus allen Wolken.
«Ohne die Genehmigung eines technischen Kommissars, die ich vor Zeugen erhalten habe», erläutert er seine Ansicht, «hätte ich den Aufwand doch nicht betrieben und wäre nach Hause gefahren. Von der Genehmigung wollte plötzlich keiner mehr was wissen. Man hat uns ausgenutzt, damit bei dem eh schon kleinen Feld genügend Motorräder am Start stehen. So sehe ich das.»
«Erst lassen sie das Motorrad zu», erläutert er weiter, «wir waren ja auch nach dem Einbau des Motors in das Ausstellungsmotorrad bei der technischen Abnahme. Auch da gab es keine Probleme. Und abends um 20.44 Uhr kommt die Nachricht, dass wir disqualifiziert sind. Ich bin ehrlich, ich verstehe das bis heute nicht.» Die offizielle Urteilsbegründung steht noch aus.
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