Senna Agius: «Ich spiele seit fünf Jahren Aufholjagd»
Während viele seiner Moto2-Gegner schon als Kinder täglich auf Rennstrecken trainierten, musste Senna Agius einen steinigeren Weg gehen. Der Australier spricht über die größten Hürden seiner Karriere.
Senna Agius zählt inzwischen zu den Spitzenfahrern der Moto2-Weltmeisterschaft. Der Australier kämpft regelmäßig um Podestplätze und Siege und steht nach aktuellem Stand vor dem Aufstieg in die MotoGP. 2027 soll Agius für das Tech3-KTM-Team in der Königsklasse an den Start gehen.
Dass er heute vor diesem Karriereschritt steht, ist alles andere als selbstverständlich. Sein Weg unterschied sich grundlegend von dem vieler europäischer Konkurrenten. Im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com schilderte Agius, wie groß der strukturelle Nachteil für Nachwuchsfahrer aus Australien noch vor wenigen Jahren war.
Warum es für Nicht-Europäer deutlich schwieriger ist
«Ich glaube schon, dass viele Menschen unterschätzen, wie schwierig dieser Weg war», erklärte der Australier im Rahmen des Deutschland-Grand-Prix auf dem Sachsenring. «Die Möglichkeiten in jungen Jahren sind entscheidend. Genau dann legt man die Grundlagen. Heute gibt es in Australien und Asien zwar deutlich mehr Möglichkeiten als früher, aber als ich angefangen habe, war das noch ganz anders.»
Während europäische Talente schon früh nahezu täglich auf permanenten Rennstrecken trainieren konnten, fehlten Agius diese Voraussetzungen. «Als ich mit zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahren nach Europa kam, habe ich erst verstanden, wie es hier läuft. Die Kinder gehen nach der Schule ganz selbstverständlich auf die Rennstrecke. Mit fünf, sechs oder sieben Jahren fahren sie dort fast jeden Tag. So etwas gab es für mich nicht.»
Statt auf Asphalt entwickelte Agius seine Fähigkeiten zunächst im Offroad-Sport. Erst später gelang ihm der Wechsel auf Rundstreckenmotorräder. «In der Zeit, in der ich eigentlich Straßenmotorrad hätte fahren sollen, war ich fast ausschließlich im Offroad-Bereich unterwegs. Deshalb musste ich meine Fähigkeiten erst auf den Straßenrennsport übertragen.»
Ehrliche Selbsteinschätzung des 21-Jährigen
Nach Ansicht des Moto2-Piloten kostete ihn diese fehlende Entwicklungsphase wertvolle Jahre. «Mir hat ein entscheidender Abschnitt meiner Ausbildung gefehlt. Deshalb spiele ich seit fünf Jahren praktisch Aufholjagd.»
Erst in jüngster Zeit habe er das Gefühl, den Rückstand vollständig aufgeholt zu haben. «Seit etwa anderthalb bis zwei Jahren habe ich zum ersten Mal das Gefühl, wirklich auf demselben Niveau zu sein wie die anderen. Das ist die ehrliche Wahrheit.»
Rückblickend sei der Weg nach Europa die mit Abstand größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere gewesen. «Es war unglaublich schwierig. Ich glaube, viele Menschen haben unterschätzt, wie groß diese Herausforderung tatsächlich war.»
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