Luca Marini (10.) alarmiert: «Der Rückstand auf Aprilia ist gewaltig!»
Luca Marini war bei der MotoGP in Silverstone als Neunter bester Honda-Pilot. Mit seinem eigenen Rennen war der Italiener zufrieden – der Rückstand zur Spitze bereitete ihm dagegen Sorgen.
Luca Marini sorgte beim MotoGP-Rennen in Silverstone für das beste Honda-Ergebnis. Der Italiener überquerte die Ziellinie auf Platz 9 und hatte dabei 23,8 Sekunden Rückstand auf Sieger Raul Fernandez auf der Trackhouse-Aprilia.
Damit betrieb Marini auch Schadensbegrenzung für Honda, nachdem sein Teamkollege Joan Mir bereits in der ersten Runde gestürzt war. Mir hatte am Samstag noch mit Platz 7 im Sprint überrascht, während Marini nicht über Rang 12 hinausgekommen war.
Marini erlebte in England ein «fantastisches Rennen»
Am Sonntag zeigte sich ein anderes Bild. Von Startplatz 15 aus verlor Marini in den ersten Kurven zunächst weitere Positionen, kämpfte sich anschließend aber mit mehreren Überholmanövern nach vorne. Probleme mit starkem Reifenverschleiß, wie sie nach dem Sprint befürchtet worden waren, hatte er dabei nicht.
«Nein, überhaupt nicht. Es war wie in den vergangenen Jahren. Man musste den Reifen ein wenig managen, aber es war kein Drama», erklärte Marini. Mit seiner eigenen Leistung war der Honda-Werksfahrer sehr zufrieden: «Von meiner Seite war es ein fantastisches Rennen. Es ist schade, dass man mich nicht sehen konnte, weil ich im Fernsehen nie gezeigt werde. Aber ich bin ein sehr gutes Rennen gefahren und habe sehr gute Überholmanöver gezeigt.»
Sein Start sei dagegen alles andere als optimal gewesen. «Mein Start war wirklich schlecht. In den ersten beiden Kurven habe ich viele Positionen verloren, danach konnte ich aber wieder viel aufholen. Ich bin wirklich zufrieden damit, wie ich den Kraftstoff und die Reifen gemanagt habe und welche Überholmanöver mir gelungen sind.»
Gerade in diesem Bereich erkennt Marini Fortschritte. «Ich verbessere mich dabei, und genau das brauche ich für die Zukunft. Darauf kann ich mich auch in dieser Saison konzentrieren. An mir selbst zu arbeiten, ist jetzt der Schlüssel, um mich weiter zu steigern und mit dem Motorrad, das wir momentan haben, solche Ergebnisse zu erzielen.»
Gleichzeitig machte der Italiener deutlich, dass Honda derzeit Grenzen gesetzt sind. «Mehr als das ist schwierig, das ist die Realität. Zumindest auf dieser Strecke. Mehr als eine Sekunde pro Runde auf Aprilia zu verlieren, ist unglaublich. Der Rückstand ist wirklich gewaltig.»
Fokus auf 2027: Stillstand beim 1000er-Projekt
Nachdem Honda in der ersten Saisonhälfte zahlreiche unterschiedliche Abstimmungen ausprobiert hatte, will Marini nun weniger experimentieren. Weitere Entwicklungen wird es an der 1000er ohnehin nicht mehr geben. Der Fokus liegt auf der 850er für die kommende Saison. «Wir haben alles ausprobiert. Wir haben alles verändert, aber am Ende sind das Gefühl, das Verhalten und die DNA des Motorrads immer gleich», stellte er fest.
Deshalb setzt Marini inzwischen auf eine konstante Basis und will stattdessen verstärkt an seiner eigenen Leistung arbeiten. Den größten Handlungsbedarf erkennt er im Qualifying. In Silverstone musste er von Startplatz 15 losfahren.
«Das fehlt uns in diesem Jahr vor allem. Am Sonntag ist meine Leistung immer die beste des Wochenendes und ich bin dann normalerweise der beste Fahrer auf einem japanischen Motorrad. Das Potenzial für Sonntag ist vorhanden. Aber wenn ich jedes Mal von Platz 15 oder 16 starte, wird alles sehr kompliziert. Ich hätte gerne ein paar einfachere Rennen. Von Platz 8 oder 9 zu starten, wäre fantastisch.»
Ein entscheidendes Problem bleibt der fehlende Grip am Hinterrad. Versuche, diesen zu verbessern, bringen jedoch andere Nachteile mit sich. «Wir suchen natürlich nach mehr Grip. Aber jedes Mal, wenn wir versuchen, mehr Grip zu finden, wird das Motorrad sehr nervös. Beim Herausbeschleunigen beginnt es stark zu schütteln und die Traktionskontrolle greift stark ein. Dadurch verliere ich viel Zeit.»
Marini sieht Honda deshalb bei der Abstimmung in einem schwierigen Zielkonflikt. «Wir müssen immer eine Balance finden. Der Grip in maximaler Schräglage reicht für eine schnelle Runde nicht aus. Wenn wir aber versuchen, mehr Grip zu erzeugen, beginnt das Motorrad beim Aufrichten stark zu schütteln.»
Dass Teamkollege Mir zuletzt im Qualifying stärker auftrat, blieb Marini nicht verborgen. «Joan macht einen fantastischen Job. In den vergangenen Rennen bremst er wirklich hart und spät und kann damit im Qualifying im Vergleich zu mir den Unterschied machen. In diesem Bereich kann ich mich definitiv verbessern.»
In der Weltmeisterschaft behauptet Marini nach Silverstone den zehnten Platz und damit weiterhin der bestplatzierte Honda-Pilot.
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