Marco Bezzecchi nach Mandalika-Sieg emotional: «Meine Welt brach zusammen!»
Nach dem Sprint-Drama antwortete Marco Bezzecchi in Mandalika mit einem MotoGP-Sieg. Der Aprilia-Pilot spricht über seine Leidenszeit, den starken Raul Fernandez und seine verbliebene WM-Chance.
Der MotoGP-Sieg in Mandalika war für Marco Bezzecchi weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Erstmals seit Mugello im Mai stand der Italiener wieder ganz oben auf dem Grand-Prix-Podium. Dazwischen lagen die schweren Verletzungen nach den Stürzen in Assen und auf dem Sachsenring, ein mühsamer Weg zurück und zuletzt der unverschuldete Ausfall im Indonesien-Sprint.
Am Sonntag gelang die Antwort: Von Startplatz 2 aus reihte sich Bezzecchi hinter Raul Fernandez ein, folgte der Trackhouse-Aprilia über weite Teile des Rennens und griff in Runde 19 von 27 an. Anschließend setzte er sich sofort ab und fuhr dem Sieg entgegen.
Mit Fernandez, Jorge Martin und Ai Ogura auf den folgenden Positionen besetzte Aprilia erstmals die ersten vier Plätze eines MotoGP-Rennens. Bezzecchi sorgte zugleich für den 300. Sieg eines Italieners in der Königsklasse. In der WM liegt er 46 Punkte zurück. Martin übernahm die Führung wieder von Marc Marquez, der als bester Ducati-Pilot nur Sechster wurde.
Befreiungsschlag nach schwierigen Monaten
Im Parc Fermé galt Bezzecchis erster Gedanke den Menschen, die ihn durch die schwierigen Monate begleitet hatten. «Es ist richtig toll! Ich freue mich. Wieder zu gewinnen, war mein Ziel, nachdem ich mir auf dem Sachsenring alles gebrochen hatte. Ich freue mich sehr, wieder ganz oben auf dem Podium zu stehen. Der Kampf mit Raul war gut. Mein Team und ich haben diesen Erfolg verdient – besonders das Team. Sie haben nie aufgehört, weiterzuarbeiten, und gemeinsam mit mir schwierige Zeiten durchgemacht. Dieses Ergebnis widme ich ihnen, aber auch meiner Familie und mir selbst.»
Auch im anschließenden Interview wurde deutlich, wie sehr ihn die lange Zeit ohne GP-Sieg beschäftigt hatte. Schon unmittelbar nach seiner Verletzung dachte Bezzecchi daran, wann er wieder gewinnen könnte.
«Ich fühle mich gut und bin sehr glücklich. Nach der Verletzung war es eine schwierige und lange Zeit. Mein erster Gedanke im Krankenhaus war: Wann werde ich wieder gewinnen? Am Anfang lief alles ziemlich gut, dann hatte ich eine wirklich harte Zeit. Mein Comeback war nicht schlecht, aber es war schwierig, wieder um die Spitzenpositionen zu kämpfen.»
Lobende Worte für Raul Fernandez
In Mandalika fand er das nötige Vertrauen wieder. Statt Fernandez früh unter Druck zu setzen, teilte Bezzecchi seine Kräfte und die Reserven seines Motorrads ein. «Zum Glück war unser Tempo heute gut. Wir haben das gesamte Wochenende gut gearbeitet, und ich habe das Rennen hinter Raul gut kontrolliert. Ich wusste, dass er am Anfang extrem schnell sein würde. Aber ich wusste auch: Wenn ich etwas haushalte und nah genug dranbleibe, ohne zu dicht aufzufahren, könnte ich am Ende vielleicht etwas mehr übrig haben. Deshalb bin ich sehr, sehr glücklich, wieder auf diesem Platz auf dem Podium zu stehen.»
Fernandez machte ihm die Aufgabe trotz einer erheblichen Verletzung schwer. Beim Startcrash im Sprint hatte sich der Spanier zwei Finger gebrochen. Am Sonntag führte er dennoch 18 Runden lang und hielt bis ins Ziel den zweiten Platz.
«Sein Tempo hat mich nicht überrascht. Aber wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen er heute gefahren ist, mit den verletzten Fingern an der Hand, die er normalerweise zum Bremsen benutzt, ist das natürlich beeindruckend», würdigte Bezzecchi seinen Markenkollegen.
«Wir haben das gesamte Wochenende gesehen, dass Raul vielleicht der Schnellste war. Deshalb war ich beeindruckt, aber letztlich auch nicht überrascht. Ich hatte erwartet, dass er extrem schnell sein würde. Zum Glück habe auch ich das Wochenende gut gemeistert und war ebenfalls schnell.»
46 Punkte Rückstand: Bezzecchi hält WM-Traum am Leben
Für Bezzecchis WM-Hoffnungen war der Erfolg besonders wichtig. Nach dem Ausfall am Samstag hatte Aprilia-Rennchef Massimo Rivola den Grand Prix als ein Rennen bezeichnet, das sein Fahrer gewinnen musste, um im Titelkampf zu bleiben.
Bezzecchi war bereits mit der Erwartung nach Indonesien gereist, Boden auf seine Gegner gutmachen zu können. Entsprechend schwer traf ihn das frühe Ende des Sprints. «Natürlich kann dieser Sieg helfen. Ich kam an diesem Wochenende hierher und wusste, dass ich schnell sein konnte. Wenn wir gut arbeiten, bestand die Möglichkeit, Punkte aufzuholen. Und gestern brach meine Welt zusammen.»
Den Zwischenfall in Kurve 1, der auch Fernandez aus dem Rennen gerissen hatte, wollte er dennoch hinter sich lassen. «Wie ich gesagt habe: Ein Rennunfall kann passieren. Was kannst du dann machen? Weinen und heute nicht starten? Oder dein Bestes versuchen und so viel herausholen, wie du kannst? Genau das habe ich getan. Ich war von unserer Arbeit an diesem Wochenende überzeugt. Das hat auf jeden Fall geholfen.»
Trotz des Sieges blieb bei ihm das Gefühl, dass in Mandalika noch mehr möglich gewesen wäre. «Wie Massimo gesagt hat: Es ist eher ein Verlust als ein Sieg. Aber letztlich sind wir noch ein bisschen dabei.»
Feierei mit Pfeffermühle: Wie kam die Idee zustande?
Auf der Auslaufrunde war von dieser nüchternen WM-Betrachtung wenig zu sehen. Bezzecchi feierte ausgelassen – und bekam von Aprilia-Testfahrer Matteo Baiocco eine Pfeffermühle gereicht. Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt eine Geschichte aus seinem Freundeskreis.
«Das ist eine lange Geschichte mit meinen Freunden zu Hause. Sie kommen manchmal zu den Rennen, wahrscheinlich habt ihr sie in Mugello gesehen. Sie haben sich auch mit Matteo Baiocco angefreundet und ihm erklärt, dass wir immer versuchen, überall Pfeffer reinzubringen.»
«Mit meinen Freunden haben wir diesen Blödsinn angefangen und auch Kimi einbezogen. Wir sagten ihm: Komm schon, bring immer etwas Pfeffer in die Rennen, du bist doch dabei. Matteo hat mich damit überrascht. Ich wusste nichts davon, aber es war großartig», beschrieb der Mandalika-Szene die Feierlichkeiten in der Ehrenrunde.
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