MotoGP-Kandidat Agius mit starken Nerven: «Verteidung schwerer als Angriff»
Der junge Senna Agius steigerte die Freude bei Intact GP. Der Aussie lief nach einer starken Fahrt hinter Manuel Gonzalez und Filip Salac auf Platz 3 in Ungarn ein. Es winkt der MotoGP-Aufstieg.
Als die Motorrad-WM 2025 ihr Debüt auf dem neuen Kurs am Balaton über die Bühne brachte, fehlte Spitzenkraft Senna Agius. Beim Event zuvor auf dem Red Bull Ring hatte ein Sturz den Youngster so verprügelt, dass Sergio Garcia als Ersatz die Kalex der Intact-Mannschaft bewegen musste.
Zehn Monate später zeigte sich ein fitter Senna Agius auf dem Schikanen-Kurs am Plattensee ausrichten kann. Von fehlender Kenntnis war nichts zu merken – schon das wichtige Zeittraining am Freitag schloss Agius auf P9 ab und war damit direkt im Q2. Dort ging es am Balaton gleich bis Reihe 1. Die Pole verpasste er um 0,035 sec., war schneller als WM-Leader und Teamkollege Gonzalez auf P4.
Im Großen Preis ging es zunächst einen Schritt rückwärts. Ausgerechnet der WM-Zweite Izan Guevara überrumpelte den Australier in der Startphase. Doch schon in Runde 2 waren die Verhältnisse geordnet. Doch den Plan, auf Sieg zu fahren, konnte nicht umgesetzt werden, wie die Nummer 81 berichtete: «Es war von Beginn an eine Lücke zu Manuel da. Mein Tempo war dann schnell auf dem gleichen Niveau. Wirklich näher kommen ging aber nicht, also musste ich hoffen, dass den beiden ganz vorne am Ende die Luft oder das Material ausgeht.»
Statt Fahrt zum Sieg – Verteidigung
Doch das Gegenteil war der Fall. Senna Agius: «In Runde 8, noch vor Halbzeit, hat es dann aber mich erwischt. Während die Jungs an der Spitze noch unverändert Grip in der Beschleunigungsphase haben, hat er bei mir abgebaut – ich musste dann bald akzeptieren, dass mehr als Platz 3 nicht drin ist.»
Lange schien der Gang zur Siegerehrung sicher, doch im Schlussspurt näherte sich David Alonso mit großen Schritten. Der Kolumbianer, wie Agius ein heißer Kandidat für einen MotoGP-Aufstieg, hatte sich von Platz 8 vorgekämpft. In den letzten Runden fuhr der Aspar-Pilot eine halbe Sekunde schneller pro Umlauf.
Doch der Intact-Pilot hatte eine Antwort parat, die beeindruckte. «Ich habe verstanden, wenn wir so weiterfahren, dann kommt es in der letzten Runde zu einem Angriff. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Ich habe mich voll konzentriert, und meine Zeiten auch wieder etwas gedrückt, zum Schluss wieder auf niedrige 1:41er. Das war ein größere Herausforderung – Verteidigen ist so einer Situation schwieriger als angreifen», so Agius.
Die Mobilisierung der letzten Reserve zahlte sich aus. Die Attacke von Alonso blieb aus, Agius holte Platz 3 mit 0,4 sec Vorsprung. In der WM-Tabelle gab das Resultat deutlichen Rückenwind. Zwar blieb Agius als Vierter hinter Vietti und Guevara, doch der Rückstand auf Platz 2 beträgt vor dem Brünn-GP nur noch 11 Zähler.
Bemerkenswert auch: Senna Agius ließ sich in Ungarn nicht aus dem Tritt bringen von den nun mehr als nur leisen MotoGP-Gerüchten. Zunächst war der 20-Jährige gleich bei drei Teams im Gespräch – Pramac, Trackhouse und Tech3. Nach aktuellem Stand hat Agius beste Karten, 2027 die KTM von Enea Bastianini bei Tech3 zu übernehmen. Wunschszenario von Teameigner Günther Steiner ist es, mit einem fitten Routinier und einem Newcomer in die neue MotoGP-Ära zu starten. Alles, was fehlt, ist der sportliche Beweis von Maverick Vinales.
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