Nach Rausschmiss durch Max Verstappen: David Coulthard zeigt Verständnis
Max Verstappen hat im Rahmen des Japan-GP einen Journalisten aus dem Gästebereich von Red Bull Racing schmeissen lassen. Ex-GP-Pilot David Coulthard bringt Verständnis auf und erzählt von früher.
Das war einer der Aufreger im Rahmen des Traditions-GP von Japan: Max Verstappen begann seine Pressekonferenz erst dann, als er den englischen Guardian-Berichterstatter Giles Richards hinausgebeten hatte.
Am 26. März, Medientag am Suzuka Circuit, stellte Max Verstappen im Gästebereich von Red Bull Racing klar: «Ich rede so lange nicht, bis er gegangen ist.»
Mit er war Giles Richards gemeint, britischer Journalist vom Guardian. Der traute seinen Ohren nicht, hakte nach, aber ja wirklich, Verstappen wollte, dass der Berichterstatter geht. Was er dann auch tat.
Klar hat das einen Riesenwirbel erzeugt, wobei die Fans da durchaus geteilter Meinung sind. Viele von ihnen fanden das wenig souverän von einem Spitzensportler, andere waren der Ansicht, man müsse sich auch als Weltmeister nicht alles bieten lassen.
Hintergrund: Nach dem WM-Finale von Abu Dhabi hatte Richards Verstappen gefragt, ob er seine Aktion gegen George Russell in Spanien nun umso mehr bereue. Dort hatte Max nach einer Kollision eine Strafe erhalten und wurde lediglich Zehnter (statt Fünfter), am Ende des Jahres verlor er den Titel gegen Lando Norris um nur zwei Punkte.
Wie Max Verstappen den Rausschmiss erklärt
Der 28-jährige Niederländer sagt: «Diese Frage wurde mir letztes Jahr ziemlich oft gestellt, und ich glaube, ich habe sie mehr als zwanzig Mal beantwortet. Wenn also jemand nach dem letzten Rennen in der Pressekonferenz genau diese Frage stellt und dir dabei auch noch ins Gesicht lacht, dann hat das für mich mit einem totalen Mangel an Respekt zu tun. Und wenn du mir keinen Respekt entgegenbringst, warum sollte ich dir dann welchen geben?“
«Ihr seht bei einer Pressekonferenz ja nur die Kamera, die auf mich gerichtet ist, nicht auf die Person, die gerade angefangen hat zu lachen. Und man konnte deutlich erkennen, dass in diesem Moment eine böswillige Absicht dahintersteckte. Das reicht mir.»
"Ich bin lange genug in der Formel 1, um zu wissen, wer gute Absichten hat und wer nicht. Wenn du mich in dieser Art und Weise auslachst, hast du eindeutig keine guten Absichten."
David Coulthard: «Auch ich hatte Probleme mit Journalisten»
Der langjährige Formel-1-Fahrer David Coulthard (55) sagt im Podcast Up to Speed dazu: «Ich bin da ein wenig hin- und hergerissen. Denn obschon Max absolut im Recht ist, man muss nicht jede Frage beantworten, es ist ungewöhnlich, jemanden zum Gehen aufzufordern.»
«Ich bin dabei wirklich etwas überrascht, dass seitens FIA dazu keine Stellung bezogen wurde. Denn hat Max nicht mal eine Strafe kassiert, einfach weil das Wort Scheisse benutzt hatte?»
Der 13-fache GP-Sieger aus Schottland weiter: «Ich kann den Frust von Verstappen nachvollziehen. Wenn ich das mit meiner Situation früher vergleiche – ich habe natürlich nie die Weltmeisterschaften gewonnen, die Max gewonnen hat, aber ich war definitiv offen für Kritik von verschiedenen Journalisten, und es ist sehr schwierig, das dann nicht persönlich zu nehmen."
Der WM-Zweite von 2001 vertieft: „Ich habe durchaus Kritik erhalten, und es gab immer eine Art Unterton – wenn zum Beispiel meine Fähigkeiten als Qualifyer infrage gestellt wurde, so war das zum Teil eine durchaus berechtigte Frage. Aber natürlich war es nicht einfach, immer wieder mit derselben Frage konfrontiert zu werden, und einige Journalisten waren deutlich abweisend.»
«Es ist ihr gutes Recht als Journalist, das zu sagen, was sie sehen, aber es fällt schwer, das nicht persönlich zu nehmen, und kein Fahrer ist davon ausgenommen.»
"Ich erinnere mich daran, dass ein Journalist einmal schrieb: ‚David hat die erstaunliche Fähigkeit, über den Vorfall zu sprechen, als wäre er damals nicht selbst am Steuer gesessen‘, und das hat mich wirklich schockiert. Denn offensichtlich dachte er, ich würde ständig nur Ausflüchte suchen, aber so habe ich selber das nicht gesehen. Vielleicht war ich auch einfach übermässig defensiv."
"Ich habe damals mit dem betreffenden Journalisten gesprochen, wir haben Frieden geschlossen und sind beide weitergezogen. Aber es ist wirklich nicht immer leicht, solche öffentliche Kritik zu verkraften."
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