Heinz Kinigadner (KTM): «Die Dakar hat den gleichen Stellenwert wie MotoGP»
Die Erfolge von KTM bei der Rallye Dakar und in der US-Supercross-Meisterschaft tragen laut Heinz Kinigadner zu steigendem Absatz bei und haben auch den Blickwinkel von Eigentümer Bajaj verändert.
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Im Januar gab es für KTM mit dem Sieg von Luciano Benavides bei der Rallye Dakar und Triumphen von Eli Tomac zum Auftakt der Supercross-Serie in den USA sportlich viel zu jubeln, die Entlassung von weiteren 500 Mitarbeitern nach der Unternehmenssanierung und -umstrukturierung waren die schlechten Nachrichten.
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«Normal müsste man in Mattighofen einen schönen Empfang machen mit Benavides & Co., aber ein aufgeblasener Empfang ist nicht passend», hielt KTM-Berater Heinz Kinigadner im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com fest. «Das mit den 500 Leuten habe ich an dem Tag erfahren, als es wirklich passiert ist. Eine Führungsetage muss rausgenommen werden, weil auf Grund der früheren Gegebenheiten mit Fahrrad, Auto, MV Agusta und alle Marken im Motorsport voll auf Angriff – das sind Strukturen, die man jetzt nicht mehr braucht. Es ist im Gegensatz zu den Mechanikern und den Leuten, die die Motorräder zusammenbauen, viel zu viel Führungsebene da. Da müssen sie den Hebel ansetzen und Leute rausnehmen, was total schlimm ist. Da sind viele Menschen dabei, die ich schon sehr lange kenne. Ich hoffe, dass der Motorsport mit einem blauen Auge davonkommt. Budgetmäßig haben die Inder einen Haken drunter gesetzt. Wir dürfen weitermachen, unsere Verträge werden nicht berührt und auch das Budget nicht.» Kinigadner: «Da kriegt jeder einen wässrigen Mund» Der Tiroler, selbst zweifacher Motocross-Weltmeister in der Klasse bis 250 ccm, unterstrich, wie wichtig das Thema Motorsport für den Unternehmenserfolg von KTM ist. «KTM könnte wie Bajaj Roller bauen und die in Afrika verkaufen», formulierte es Kinigadner überspitzt. «Ich weiß aber nicht, ob man die unter KTM besser verkaufen würde als unter Bajaj. Performance kann man nur im Rennen zeigen. In Amerika werden wir nach den Supercross-Siegen 100-prozentig verkaufstechnisch einen Aufschwung sehen. Dort ist klar: Gewann man, verkaufen sich die Motocross-Maschinen besser. Und bei Rallye bekommen wir Bilder zu sehen, dass jeder Motorradfahrer einen wässrigen Mund bekommt und sich sagt, dass er irgendwann eine Adventure kauft und mal nach Spanien oder Marokko oder Griechenland fährt. Es gibt direkte Anwendungen, die man aus den Bildern rauslesen kann. Und das haben sie inzwischen auch in Indien verstanden. Als die Thematik begann, stand hinter dem Motorsport ein großes Fragezeichen. Das hat sich inzwischen relativ erledigt, weil auch Bajaj gesehen hat, dass KTM etwas anderes ist als die Bajaj-Mopeds und wir das nur über diese Schiene verkaufen.»
Heinz Kinigadner: «Neumeister hat das sehr genau analysiert» Sportlicher Erfolg ist für KTM so absatzrelevant wie für kaum eine andere Marke. «Gott sei Dank kam das in Indien an, Gottfried Neumeister hat das sehr genau analysiert und verstanden, dass das der wichtigste Teil von KTM ist», hielt Kini fest. «Die Qualität muss natürlich auch passen, aber marketingmäßig ist alles andere neben dem Motorsport zu vernachlässigen. Ich bin positiv überrascht nach dem Auftakt mit zwei Siegen beim Supercross in den USA. Und dann der Dakar-Sieg. Hätten wir nicht gewonnen, wäre die Welt nicht untergegangen, denn wir haben auf Augenhöhe gekämpft. Ich würde sogar sagen, dass unser Motorrad eine Spur besser war als die Honda. Aber natürlich ist der Sieg besser.»
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Die Dakar ist ein ganz, ganz wichtiger Event für KTM.Heinz Kinigadner
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Dann erinnerte sich der 65-Jährige: «Im Vorjahr sind wir die Dakar nur gefahren, weil bereits das gesamte Material losgeschickt war, bevor der Konkurs angemeldet wurde. Wir konnten damals nicht mehr zurück, es war für alle Jungs bei der Dakar eine psychisch schwere Aufgabe, weil sie nicht wussten, ob sie noch einen Job haben, wenn sie zurückkommen. Dass wir die Dakar gefahren sind und sie auch gewonnen haben, war wichtig. Darauf folgte die erste Reaktion der Inder, sie haben verstanden, dass die Dakar ein wichtiges Rennen für uns ist. Die Dakar hat für mich den gleichen Stellenwert wie die MotoGP. Das ist halt nur das eine Rennen, aber dafür über 14 Tage und in einem Zeitraum, wo es keinen anderen Motorsport gibt. Und das vor dem Saisonauftakt, wo jeder ein bisschen darüber nachdenkt, was er sich für ein Motorrad kaufen will – das ist ein ganz, ganz wichtiger Event.»
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