Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

  1. Start
  2. /

  3. Sportwagen
  4. /

  5. Sportwagen
  6. /

  7. Kolumne

Werbung

SportwagenKolumne

Porsche 935: Warum das Baby direkt ins Museum rollte

In der Geschichte des Motorsports gab es einige Rennautos, die Kometen-gleich kurz aufblitzten und dann auf Nimmerwiedersehen im Museum verschwanden. Das Porsche 935 Baby des Jahres 1977 war so eines.

Werbung

Werbung

Porsche 935 Baby, Techniker Norbert Singer, Le Mans-Sieger Timo Bernhard
Porsche 935 Baby, Techniker Norbert Singer, Le Mans-Sieger Timo Bernhard
Foto: Porsche
Porsche 935 Baby, Techniker Norbert Singer, Le Mans-Sieger Timo Bernhard
© Porsche

Die Deutsche Rennsportmeisterschaft, in den 70er- und Anfang der 80er-Jahre die populärste Rennserie in Deutschland, hatte zwei Hubraum-Kategorien, eine bis zwei Liter Hubraum und eine für größere Motoren.

Werbung

Werbung

Während die privaten Porsche 935 in der einen mehr oder weniger ohne Gegner waren (der 935 war unter den Rennwagen auf Produktionswagenbasis in seiner Kategorie praktisch unschlagbar), balgten sich BMW und Ford um die Punkte in der kleinen Klasse. Wenn sich also die eine Marke genüsslich einen Divisionssieg nach dem anderen zuführen konnte, mussten sich die beiden anderen in seltener Einigkeit die Divisionssiege aufteilen.

Das führte immer wieder und immer häufiger zu unfreundlichen Kommentaren, die Porsche-Piloten räumten ohne Gegenwehr anderer Fabrikate die Meisterschaftspunkte ja nur so ab.

Porsche reagierte erst gar nicht, dann verschnupft und dann flammte der sportliche und mehr noch der technische Ehrgeiz bei den Zuffenhausenern auf.

Werbung

Werbung

Der damalige Porsche-Rennleiter Manfred Jantke erinnert sich: «Hier gebaren wir mal einen verwegenen Plan. Wir könnten einen im Hubraum verkleinerten 935 für die kleine Kategorie bauen und dort mal ein Zeichen setzen. Gesagt, getan. Das 935 Baby, wie es intern genannt wurde, hatte gemäß dem Turbofaktor 1,4 Liter Hubraum und leistete 380 PS. Die eigentliche Herausforderung aber war, den schweren 935 auf das Gewicht der Zweiliterklasse abzumagern.»

So verzichtete das Auto sogar auf die gewohnte Gebläsekühlung am Motor zugunsten einer raffiniert gesteuerten Fahrtwindkühlung. Die Karosserie wurde jeglicher verzichtbaren Teile, wie Stütz- oder Luftbleiche, beraubt. Es war eine gerade noch funktionsfähige Rohkarosserie mit gerade noch gewährleisteter Belastbarkeit. Selbst auf die Luftbleche hinter den Ölkühlern im Wagenbug wurde aus Gewichtsgründen verzichtet, sodass die heiße Abluft von den Kühlern direkt durch das Wageninnere strömte.

Am Norisring 1977 meldete Porsche diesen 935 in der Zweiliterklasse. Weder Rennveranstalter noch Konkurrenz wussten von diesem Coup, man hielt die Nennung für einen formalen Fehler – bis das Baby wie selbstverständlich in der kleinen Kategorie an den Start rollte. Am Steuer der Hochkaräter Jacky Ickx (Jantke: «Wir hatten ja nichts zu verschenken»).

Am Renntag war es, wie so oft in Nürnberg, brutheiß. Ickx übernahm sich in dem dünnwandigen Auto, er saß schließlich in der heißen Abluft der Frontkühler. Er rettete sich an die Box, wo er kollabierte und zum Abkühlen ins nächste Krankenhaus gebracht wurde.

Werbung

Werbung

Entgegen der eigentlichen Planung sah man sich in der Pflicht, das Baby ein zweites Mal an den Start bringen.

Wenige Wochen später beim übernächsten DRM-Rennen in Hockenheim wussten die Konkurrenten nun, dass es das Auto gab. Bei dem kühlen Wetter ging das Baby fabelhaft. Ickx deklassierte das Feld der Zweiliterautos und gewann das Rennen mit 40 Sekunden Vorsprung.

Jantke: «Damit sah man bei Porsche die Mission erfüllt und der kleine 935 rollte direkt ins Porsche-Museum. Das Baby wurde nie mehr in einem Rennen eingesetzt. Wir hatte es wirklich nur gebaut für einen kurzen Sprint – und um der Konkurrenz eine Lektion zu erteilen.»

Schon gesehen?

Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach

    Speedweek.com - Der beste Motorsport im Netz

    Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.

    Berichte & Analysen

    Redaktion

    Serien