Cremona-Debüt: Böse Ahnungen, grandiose Stimmung
Die Superbike-Premiere in Cremona brachte spannende Rennen, begeisterte Fans und mit Danilo Petrucci einen italienischen Dreifachsieger. Für nächstes Jahr müssen aber einige Hausaufgaben gemacht werden.
Auf der Fahrt von Mailand zum Cremona Circuit ergibt sich ein tristes Bild. Man kommt an verlassenen Bauernhöfen und Industrieanlagen vorbei – die ländliche Gegend präsentiert sich karg, es gibt nicht viel zu sehen. Wenn man sich der Rennstrecke nähert, erblickt man zuerst die neuen Tribünen im Innenraum. Der Rest bleibt verborgen, die Piste ist hinter einer langen Hecke entlang der Straße versteckt.
Die umliegenden Wiesen müssen als offizielle Parkplätze herhalten. Am Donnerstag vor dem Rennwochenende waren diese teilweise mit Schlamm bedeckt – die Regenfälle der vorangegangenen Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Zum Glück meinte es der Wettergott gut – es war über das ganze Wochenende spätsommerlich warm und es blieb trocken. Ansonsten hätten die lokalen Bauern mit ihren Traktoren anrücken müssen, um die liegengebliebenen Autos und Wohnwagen aus den Schlammwiesen zu ziehen. Wer schon einmal auf dem Wacken Open Air war, weiß wovon ich spreche.
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man auf die Rennstrecke kommt. Wenn man den Cremona Circuit bisher nur als Hobby-Racer von Trackdays kannte, ist man, wenn man das erste Mal nach den Umbauarbeiten dorthin zurückkehrt, erstaunt. Die Piste in der Lombardei präsentiert sich stark verändert. Man sieht, dass in den letzten Monaten sehr viel gearbeitet wurde, um sie Superbike-WM-tauglich zu machen.
Die neuen Tribünen im Innenraum wirken wuchtig und wie auf die kleine Strecke aufgesetzt. Für die Fans bieten diese einen herrlichen Rundumblick auf den engen Kurs, sie sind hautnah dabei. Am Rennwochenende war der Parkplatz vor dem Boxengebäude voll – jeder Meter Platz auf dem kleinen Gelände wurde ausgenutzt, um die Trucks und Hospitalitys der Teams unterzubekommen. Dafür musste nicht einmal die Kart-Strecke nebenan geentert werden.
Nach den ersten Trainings am Freitag äußerten sich einige Fahrer zur Strecke – der Tenor: "Cool, macht Spaß aber überholen wird schwierig." Oder um es mit den Worten von Andrea Iannone zu beschreiben: "Man fühlt sich mit dem großen Bike wie ein Superheld auf dieser kleinen Strecke."
Alle drei Rennen konnte Haudegen Danilo Petrucci für sich entscheiden. Auch die anderen Ducati-Stars wie Nicolo Bulega oder Alvaro Bautista lieferten – damit war die Party perfekt. Die italienischen Fans feierten ihre Helden, die Stimmung während der Rennen und bei den Siegerehrungen war grandios, so etwas erlebt man nicht jeden Tag in der seriennahen Meisterschaft – Leidenschaft pur, auch die Fans lieferten ab.
Die Atmosphäre während des Wochenendes erinnerte an ein großes Familientreffen. Die großartige Stimmung lässt aber nicht vergessen machen, dass hinter den Kulissen vieles nicht rund lief. Probleme mit der Technik führten zum Abbruch von Rennen 1 in der 17. Runde. Im Media-Center streikte das WLAN regelmäßig – auch die Journalisten hatten ihren Nervenkitzel. Die Polizisten auf den Zufahrtsstraßen waren mit dem Verkehrsaufkommen überfordert.
Das Fazit: Was in den letzten Monaten in Cremona geschaffen wurde, verdient Respekt, jedoch war die Superbike-WM vielleicht ein Jahr zu früh dort. Die Liste der Verbesserungen wird lang sein, man muss viel dazulernen. Am Ende wurde den 42.000 Fans, die über das gesamte Wochenende gekommen waren, ein tolles Spektakel geboten – sie waren begeistert und feierten den Motorrad-Rennsport und ihre Helden. Auch die Zuseher vor den TV-Geräten bekamen spannende und enge Rennen gezeigt.
Ohne die Fans könnte die seriennahe Meisterschaft nicht existieren – Cremona muss allein deshalb als eine Bereicherung für die Superbike-WM gesehen werden. Wenn die Verantwortlichen – die Organisatoren vor Ort und die Dorna – die Lehren aus dem ersten Event ziehen, kann im kleinen Cremona etwas Großes entstehen.
Und dann werden auch bald mehr als die dieses Jahr erlaubten maximal 20.000 Fans pro Tag möglich sein.
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