Enna-Pergusa: Superbike-Spektakel im Schatten von Ätna und der Cosa Nostra
Die 1988 etablierte Superbike-WM gastierte auf zahlreichen Rennstrecken. Einmalig und außergewöhnlich war ein Meeting auf Sizilien. Das Autódromo di Pergusa würden heutige Piloten boykottieren.
Die Superbike-WM wurde stark durch Italien geprägt. Nicht nur viele Teams und Fahrer stammen aus dem Land an der Adria, die Serie wurde auch über viele Jahre von Infront organisiert. Mit Aprilia, Bimota und Ducati waren oder sind traditionelle Hersteller engagiert, dazu sind bekannte Ausrüster wie Pirelli oder Brembo aus dem Paddock nicht wegzudenken.
Außerdem: Auf ikonischen Rennstrecken wie Monza, Imola und Misano wurden wahre Superbike-Feste mit vielen Zuschauern gefeiert. Weitere Rennstrecken, auf denen die seriennahe Weltmeisterschaft gastierte, sind Mugello (1991 bis 1994), Vallelunga (2007/2008) und Cremona (seit 2024). Der außergewöhnlichste Schauplatz in Italien war aber Enna-Pergusa.
Enna ist eine Kleinstadt mit etwa 27.000 Einwohnern, zentral gelegen auf Sizilien auf 970 Metern Höhe; südlich davon der Lago di Pergusa, um den 1961 eine Rennstrecke errichtet wurde – der Autódromo di Pergusa. Sicher eine ausgesprochen idyllische Lage, um Motorsport zu betreiben. Die Superbike-WM zog es 1989 nach Sizilien, obwohl schon damals Pisten wie Monza und Imola existierten.
Seit den 1980er Jahren wurde von verschiedenen Regierungen der Bau einer Brücke geplant, die Sizilien mit dem italienischen Festland verbinden sollte. Über den Planungsstatus kam dieses Projekt aber nie hinaus. Wie bis heute mussten die Lkw der Superbike-Teams mit der Fähre hinübersetzen.
Die seriennahe Weltmeisterschaft war die einzige bedeutende Zweiradserie, die nach Enna-Pergusa kam. Heutige Piloten würden jeden Rennstart verweigern, denn die Piste ist zu schnell, hat zu geringe Auslaufzonen und ist generell zu unsicher. Ansonsten trauten sich Automobilserien auf die Piste, die mehr einem Oval glichen.
Auf 4950 Metern sind zehn Rechts- und sechs Linkskurven verteilt, wobei die zumeist lang gezogenen Kurven mit Vollgas gefahren werden können. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag schon vor 30 Jahren bei fast 170 km/h. Damit spielt Enna-Pergusa in der Liga der Highspeed-Piste in Imola. 2019 fuhr Lauf-1-Sieger Chaz Davies (Ducati) dort einen Durchschnitt von 167 km/h.
Die Siege teilten sich 1989 Stéphane Mertens (Honda) und Raymond Roche (Ducati). Nach ihrem Debüt kam die Superbike-WM nie wieder nach Enna-Pergusa.
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