Fehlende Kawasaki-Vergleiche: Garrett Gerloff besser denn je?
Garrett Gerloff überraschte zuletzt mit starken Top-5-Ergebnissen gegen die Ducati-Armada. Befindet sich der Kawasaki-Pilot aktuell auf dem Höhepunkt seiner Karriere?
Garrett Gerloff zählt in der Superbike-WM 2026 aktuell zu den großen Überraschungen. Während Ducati die Szene mit Nicolo Bulega und einer erdrückenden Übermacht dominiert, mischte Gerloff bei den zurückliegenden Rennwochenenden im Balaton Park und in Most plötzlich im Kampf um die Top-5 mit und lieferte sich starke Duelle mit den privaten Ducati-Piloten. Als einzige Kawasaki im Feld ist Gerloff jedoch schwer einzuschätzen, denn direkte Vergleiche fehlen komplett.
Die Frage liegt deshalb nahe: Ist das aktuell die beste Version von Garrett Gerloff, die man in der Superbike-WM bislang gesehen hat? Der Texaner traf sich exklusiv mit SPEEDWEEK.com, tat sich mit einer klaren Antwort aber schwer.
Gerloffs Saison gleicht einer Achterbahnfahrt
«Es ist auch für mich schwierig, das zu beurteilen», erklärte Gerloff im exklusiven Interview. Vor allem die extremen Schwankungen innerhalb der Saison machen ihm zu schaffen. «Assen war eines der schlechtesten Rennwochenenden, das ich jemals hatte. Ich dachte mir dort: Ich verstehe es einfach nicht. Ich habe das Gefühl, gut zu fahren, aber wir waren überhaupt nicht schnell.»
Nur ein Wochenende später zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild. «Dann kamen wir zum Balaton Park und plötzlich war es einer der besten Sonntage, die ich bislang mit der Kawasaki hatte», schilderte der ehemalige Yamaha- und BMW-Pilot.
Gerloff sieht die Gründe dafür nicht ausschließlich bei sich selbst, sondern vielmehr in der für ihn noch jungen Entwicklungsarbeit mit der in Details überarbeiteten Kawasaki ZX-10RR. Besonders wichtig sei dabei die erneute Zusammenarbeit mit Crew-Chief Les Pearson, der bereits aus früheren Jahren genau weiß, was Gerloff von einem Motorrad benötigt.
«Les kennt meine Vorlieben und weiß, was in der Vergangenheit auf anderen Motorrädern funktioniert hat», erklärte der 30-Jährige. Doch nicht alles lasse sich einfach auf die Kawasaki übertragen. «Manchmal funktioniert etwas gut und manchmal eben nicht. Wir versuchen aktuell an jedem Rennwochenende besser zu verstehen, warum wir gute oder schlechte Rennen haben.»
Ein großes Problem sieht Gerloff dabei in der ungewöhnlich schwierigen Wintervorbereitung. Kawasaki verlor durch die Wetterbedingungen wertvolle Testzeit. «Wir hatten praktisch keine Trockentests», verriet Gerloff. «Von sieben Testtagen im Winter waren sechs komplett nass und einer halb nass, halb trocken. Deshalb sind wir mit fast keinen Informationen in die Saison gestartet.»
Durch die begrenzte Trainingszeit an den Rennwochenenden sei es schwierig gewesen, große Veränderungen auszuprobieren. Erst nach mehreren Events habe man langsam die richtige Richtung gefunden. «Ich habe weiterhin das Gefühl, dass ich als Fahrer sehr gut unterwegs bin. Manchmal arbeitet das Motorrad aber mit mir und manchmal kämpfe ich mehr dagegen», beschrieb Gerloff die aktuelle Situation.
Dennoch erkennt der Kawasaki-Pilot klare Fortschritte. «Ich denke, wir kommen langsam an einen Punkt, an dem wir komplett verstehen, warum wir schlechte Rennen haben und warum wir gute Rennen haben.»
Großes Ziel: Gerloff träumt von einem Rennsieg
Trotz der jüngsten Erfolgserlebnisse denkt Gerloff noch lange nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Der Amerikaner verfolgt weiterhin große Ziele in der Superbike-WM – auch wenn Ducati die Messlatte derzeit extrem hoch legt.
«Ich will gewinnen», stellte Gerloff klar. «Ich weiß, dass es mit den Ducatis und Nicolo im Moment fast unmöglich erscheint. Aber ich glaube, dass ich unter den richtigen Umständen gewinnen kann.»
Wie fast jeder Fahrer träumt auch Gerloff weiterhin vom WM-Titel. «Alle Fahrer haben den Traum, eines Tages Weltmeister zu werden», erklärte der Kawasaki-Pilot. «Das sind die zwei großen Dinge, die ich in meiner Karriere noch erreichen möchte.»
Gleichzeitig blickt Gerloff aber auch mit Zufriedenheit auf seinen bisherigen Karriereweg zurück. «Wenn ich jetzt aufhören müsste, könnte ich auf meine Karriere zurückschauen und trotzdem glücklich sein», sagte er. Doch direkt danach schob er entschlossen hinterher: «Aber ich will jetzt noch nicht aufhören.»
Aktuell ist noch nicht klar, wie es 2027 bei Gerloff weitergeht. Mit seinen Leistungen empfiehlt sich der US-Amerikaner für eine weitere Saison im von Manuel Puccetti geführten Kawasaki-Team. Es kursieren Gerüchte, dass Kawasaki an einem Zweifahrer-Team arbeitet. Supersport-Pilot Jeremy Alcoba ist ein potenzieller Kandidat für den zweiten Platz im Team.
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