Honda komplett verloren: Vernichtendes Urteil eines ehemaligen HRC-Fahrers
Ex-Honda-Pilot Tommy Bridewell fuhr mit Ducati nach wenigen Wochen in die Top-10. Der Vergleich zur Honda Fireblade fällt vernichtend aus – besonders die HRC-Arbeitsweise kritisiert der Brite scharf.
Tommy Bridewell fuhr bereits nach wenigen Rennwochenenden mit der Ducati Panigale V4R in die Top-10 und ließ beim Rennwochenende in Most mehrere etablierte Namen hinter sich. Nach seinem zehnten Platz im Sonntags-Rennen schwärmte der Brite von Ducatis Superbike-Projekt und lobte vor allem den offenen Datenaustausch.
SPEEDWEEK.com sprach mit Bridewell über seine Erfahrungen bei Honda und wollte herausfinden, welche Unterschiede zwischen Ducati und HRC bestehen. Denn von Honda gibt es aktuell kaum Kommunikation mit den Medien. Interviewanfragen verlaufen häufig im Sand, die neue Management-Struktur geht kritischen Fragen gezielt aus dem Weg.
Bridewell kennt auch die andere Seite des Fahrerlagers, denn bei seinen früheren Wildcard-Einsätzen für Honda kämpfte er meist nur im hinteren Feld – inklusive zahlreicher Stürze. Der direkte Vergleich zwischen Ducati und Honda fällt für HRC entsprechend ernüchternd aus. Bridewell spricht offen über die Probleme der Honda CBR1000RR-R Fireblade und kritisiert dabei nicht nur das Motorrad selbst, sondern auch die Arbeitsweise des Projekts.
Honda: Großer Rückstand und ständig in Sturzgefahr
«Ich habe viel Zeit mit Honda verbracht und mag die Leute dort. Die Freundschaften sind stark», erklärte Bridewell zunächst diplomatisch. «Aber ich habe immer die Wahrheit gesagt – auch wenn mir das manchmal geschadet hat.»
Dann wurde der Brite deutlich: «Als ich hier mit der Honda fuhr, lag ich 55 Sekunden oder sogar eine Minute zurück und stürzte ständig. Ich sprang auf die Ducati und lag in diesem Rennen nur 27 Sekunden zurück, ohne zu stürzen. Ich verstehe jetzt auch, warum.»
Besonders kritisch sieht Bridewell die abgeschottete Struktur bei Honda. Während Ducati offen mit Daten arbeitet und Werks- sowie Kundenteams eng zusammenarbeiten, herrscht bei HRC laut Bridewell eine völlig andere Philosophie. «Honda arbeitet komplett anders. Alles ist extrem geheim. So geheim, dass man nicht einmal die Daten anderer Fahrer sehen kann. Das ist schon speziell», erklärte der Brite.
Genau darin sieht Bridewell einen entscheidenden Nachteil. Ducati zieht gemeinsam mit den Kundenteams an einem Strang und entwickelt die Panigale V4R kontinuierlich weiter. Honda hingegen betrieb mit HRC und MIE jahrelang praktisch zwei getrennte Projekte, die sich teilweise sogar in unterschiedliche Richtungen entwickelten – ohne nachhaltigen Erfolg.
Bridewell: «Die Honda ist einfach nicht so gut»
Sportlich erreicht das HRC-Projekt 2026 aktuell einen Tiefpunkt. Jake Dixon fehlt seit seinem schweren Australien-Sturz, Teamkollege Somkiat Chantra fährt meist am Ende des Feldes. Selbst Edeltester Jonathan Rea konnte bei seinen Einsätzen kaum etwas ausrichten und wirkte zuletzt zunehmend ernüchtert.
Bridewell macht keinen Hehl daraus, dass die Fireblade aus seiner Sicht technisch deutlich hinter der Ducati zurückliegt. «Das Motorrad ist einfach nicht so gut. Das ist die Wahrheit», erklärte er offen. «Es produziert extrem viel Schlupf am Hinterrad und ich bin noch nie ein Motorrad gefahren, das so stark zu Wheelies neigt.»
Besonders bemerkenswert: Selbst die regelmäßigen Fuel-Flow-Limitierungen scheinen Ducati kaum einzubremsen.
Jüngere Honda-Vergangenheit: Fahrer besser als das Motorrad
In Portimao sprach Bridewell direkt mit Takeo (Yokoyama) über seine ersten Erfahrungen auf der Ducati. «Er fragte mich, wie das Motorrad ist», verriet der Brite. «Natürlich würde ich niemals alle Details verraten. Aber ich sagte ihm, dass sie noch einen sehr weiten Weg vor sich haben. Einen wirklich weiten Weg.»
Besonders großen Respekt hat Bridewell deshalb für die Leistungen der ehemaligen Honda-Piloten. Lange war unklar, ob die größtenteils eher durchschnittlichen Ergebnisse von Iker Lecuona und Xavi Vierge auf das Können der Fahrer oder das Material zurückzuführen sind. Lecuona holte zuletzt zweite Plätze in Serie und befindet sich auf Kurs, seine erste Ducati-Saison als Vizeweltmeister zu beenden. Vierge findet bei Yamaha kein konkurrenzfähiges Material vor, kann sich aber oft vor seinen Markenkollegen behaupten.
Deshalb ist klar, dass die schwachen Ergebnisse von Honda in den vergangenen Jahren in erster Linie auf die Fireblade zurückzuführen sind. «Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut Xavi und Iker auf diesem Motorrad gefahren sind. Ehrlich, das ist unglaublich», betonte Bridewell, der während seiner HRC-Zeit zusammen mit den Werkspiloten hin und wieder testete.
Auch zur Zukunft des HRC-Projekts äußerte sich Bridewell skeptisch. «Jake ist ein großartiger Fahrer, aber er muss riesige Fußstapfen füllen», erklärte er. «Ich hoffe wirklich, dass Honda die Wende schafft.»
Hinter den Kulissen wird bei HRC an einer überarbeiteten Fireblade getüftelt. «Ich habe noch einige Insider dort und soweit ich höre, scheint das 2027er-Bike nicht der große Schritt zu sein, den man sich erhofft hatte. Ich habe sogar schon ein Foto davon gesehen», ließ Bridewell durchblicken. Keine guten Aussichten für Honda und die HRC-Fahrer in der Superbike-WM.
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