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Yamaha R1: Was in Europa entsteht – und was das MotoGP-Projekt beiträgt

Anders als Ducati entwickelt Yamaha seine Rennmotorräder an verschiedenen Standorten. Projektleiter Riccardo Tisci beschreibt die R1-Entwicklung und erklärt, wie die MotoGP-Abteilung hilft.

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Ducati gilt derzeit als Referenz, wenn es darum geht, Synergien zwischen MotoGP und Superbike-WM zu nutzen. In Borgo Panigale laufen die Fäden zusammen, der Austausch zwischen den verschiedenen Rennsportprojekten ist entsprechend eng. Bei Yamaha sind die Strukturen geografisch deutlich stärker verteilt.

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Das spiegelt sich momentan auch in der sportlichen Situation wider. Während Ducati in beiden Weltmeisterschaften zur Spitze gehört, befindet sich Yamaha in der MotoGP in einer Phase des Umbruchs. Gleichzeitig hat die einst erfolgreiche R1 in der Superbike-WM in den vergangenen Jahren zunehmend den Anschluss an die Spitze verloren.

Entwicklung der Yamaha R1: Die WM-Version entsteht in Italien

Doch wer entwickelt die Rennversion der Yamaha R1 für die Superbike-WM überhaupt? Riccardo Tisci, Projektleiter des japanischen Herstellers in der Superbike-WM, räumte im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com mit der Annahme auf, dass die technische Entwicklung hauptsächlich in Japan stattfindet.

«Yamaha Europa, in Italien», antwortete Tisci auf die Frage nach dem Entwicklungsstandort. «Natürlich gibt es eine gewisse Zusammenarbeit mit der Yamaha Motor Company, aber die Entwicklung wird zu 100 Prozent in Italien durchgeführt.» Am europäischen Yamaha-Standort sind dabei die entscheidenden technischen Bereiche gebündelt. «In unserem Hauptquartier haben wir die Entwicklung von Fahrwerk, Elektronik und Motor», erklärte Tisci.

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Ganz ohne Japan funktioniert die Arbeit dennoch nicht. Die Kommunikation mit dem Mutterkonzern ist intensiv. «Es gibt immer eine Zusammenarbeit. Wir kommunizieren jeden Tag mit Japan, tauschen Informationen aus und sie unterstützen uns bei bestimmten Aktivitäten», beschrieb der Italiener das Zusammenspiel.

Die Aussage, die Entwicklung erfolge zu 100 Prozent in Italien, bedeutet deshalb nicht, dass Yamaha Europa vollkommen unabhängig agiert. «Es ist nicht so, dass in Italien alles zu 100 Prozent allein entschieden wird. Natürlich gibt es eine Zusammenarbeit mit Japan», stellte Tisci klar.

Intensiviertes Zusammenspiel zwischen Europa und Japan

Interessant ist die Aufgabenteilung innerhalb des Yamaha-Rennsports. Während die R1 für die Superbike-WM in Europa entwickelt wird, entsteht die Maschine für den prestigeträchtigen Einsatz bei den 8 Stunden von Suzuka in Japan. Damit verfolgt Yamaha eine deutlich dezentralere Struktur als beispielsweise Ducati.

Umso wichtiger wird der Austausch von Wissen. Das gilt inzwischen auch zwischen Yamahas Superbike- und MotoGP-Projekt. Laut Tisci ist die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren erheblich intensiviert worden. «Vor allem in den vergangenen Jahren ist die Zusammenarbeit immer stärker geworden», berichtete der Yamaha-Projektleiter. «Mittlerweile ist die Verbindung sehr eng.»

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Dabei geht es nicht zwingend darum, einzelne technische Lösungen von einem Motorrad auf das andere zu übertragen. Die Voraussetzungen unterscheiden sich erheblich: In der MotoGP kommen Prototypen zum Einsatz, während die R1 in der Superbike-WM auf einem Serienmotorrad basiert. Auch die Reifen und damit einige zentrale Entwicklungsparameter sind unterschiedlich.

Dennoch kann die Superbike-Abteilung vom MotoGP-Projekt profitieren. Entscheidend sind laut Tisci vor allem die Arbeitsmethoden. «Im Grunde geht es um die Arbeitsweise, die Abläufe und bestimmtes Know-how. Auch mit unterschiedlichen Reifen und Motorrädern und damit völlig anderen Variablen können wir von ihnen lernen, wie sie bestimmte Dinge verstehen.»

Warum die Theorie so wichtig ist bei der Entwicklung

Gerade dieses Verständnis ist für Tisci die Basis jeder erfolgreichen Motorradentwicklung. «Man kann lernen, wie man testet und anschließend versteht, was passiert. Dieses Verständnis kann man dann automatisch in Entwicklung umsetzen», erklärte er.

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Seine Philosophie bringt der Italiener auf eine einfache Formel: «Das wichtigste Ziel bei der Entwicklung ist zunächst das Verständnis. Wenn du etwas nicht verstehst, kannst du es nicht entwickeln. Natürlich kannst du trotzdem etwas entwickeln – aber dann ist es falsch.»

Entsprechend hat Yamaha auch bei der Entwicklung der Superbike-R1 die Arbeit mit Berechnungen und Simulationen ausgebaut. «Wir haben inzwischen einen starken Bereich für Berechnungen und eine entsprechende Gruppe mit zuverlässigen Modellen», berichtete Tisci.

Damit hat sich auch der Entwicklungsprozess verändert. Neue Komponenten sollen nicht mehr direkt auf der Rennstrecke ausprobiert werden, ohne zuvor virtuell untersucht worden zu sein. «Jedes Mal, wenn wir etwas entwickeln, müssen wir zuerst Berechnungen und Simulationen durchführen und gehen anschließend auf die Strecke», erklärte Tisci. «Wir dürfen die Simulationsphase heute nicht mehr überspringen.»

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Yamaha versucht damit, trotz der räumlich getrennten Rennsportprogramme mehr Synergien zu schaffen. Während Ducati von kurzen Wegen und gebündeltem Know-how in Borgo Panigale profitiert, muss Yamaha den Wissenstransfer zwischen Europa, Japan und der MotoGP-Abteilung anders organisieren.

Dass die Verbindung zur MotoGP laut Tisci inzwischen enger denn je ist, könnte für die Superbike-Abteilung besonders wichtig werden. Denn während Yamaha in der Königsklasse einen technischen Neustart vollzieht, steht auch das R1-Projekt vor der Aufgabe, den zuletzt größer gewordenen Rückstand auf die Superbike-Spitze wieder zu verkürzen.

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