Zukunft von Toprak Razgatlioglu: Spiel mit dem Feuer
Dass Manager Kenan Sofuoglu das erste Angebot von Yamaha für die Vertragsverlängerung von Toprak Razgatlioglu über 2023 hinaus abgelehnt hat, war das bestimmende Thema in Barcelona. Der Türke pokert hoch.
Road-Racing-Manager Andrea Dosoli von Yamaha Europa äußerte sich gegenüber SPEEDWEEK.com am Samstagvormittag sehr zuversichtlich,
Yamaha hat Razgatlioglu einen hochdotierten Vertrag offeriert, "er würde mehr verdienen als die meisten MotoGP-Fahrer", sagt ein Insider der Blauen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein anderer Hersteller ihm etwas Vergleichbares bietet."
Topraks Manager
Diese Aussagen sorgten im Fahrerlager des Circuit de Barcelona-Catalunya am vergangenen Wochenende für einige hochgezogene Augenbrauen und Aufmerksamkeit.
Natürlich sprechen sämtliche Manager der Topfahrer mit den verschiedenen Herstellern, das ist ihre Aufgabe. Doch von einem informellen Gespräch bis zu einem konkreten Angebot ist es ein langer Weg.
Sofuoglu sagt, er rede nicht mit Honda. Und Ducati hat nach der Vertragsverlängerung mit Alvaro Bautista kein Interesse mehr an Toprak.
Bleiben im SBK-Fahrerlager BMW und Kawasaki.
BMW hat vier Fahrer unter Vertrag, für Razgatlioglu käme aber ohnehin nur das Nummer-1-Team BMW Motorrad Motorsport von Shaun Muir in Frage. Dort fahren dieses Jahr Scott Redding und Michael van der Mark. Redding hat eine Option für 2024 und 2025, die auf seiner Seite liegt. Zieht er diese, ist das BMW-Team belegt. Denn van der Mark ist gesetzt und kann auch nicht ins Bonovo-Team abgeschoben werden.
Außerdem würde Razgatlioglu allein so viel kosten wie van der Mark und Redding zusammen. Und Topraks langjähriger Sponsor Red Bull verträgt sich nicht mit BMW-Hauptsponsor ROKiT. Deshalb werben van der Mark und Redding seit diesem Jahr nicht mehr für Monster; die Kompensation dafür musste BMW bezahlen.
Mit Jonathan Rea hat Kawasaki einen hochbezahlten Spitzenfahrer, der bis Ende 2024 unter Vertrag steht. Schwer vorstellbar, dass sich Kawasaki zwei Topverdiener leisten würde. Außerdem ist Rea bei Kawasaki tonangebend. Seit dem Abgang von Tom Sykes nach der Saison 2018 hat ihm Kawasaki die braven Adjutanten Leon Haslam und Alex Lowes an die Seite gestellt.
Hinzu kommt: Monster ist einer der wichtigsten Sponsoren von Kawasaki, Toprak könnte also nicht mit Red Bull weitermachen.
Wenn Sofuoglu sagt, er rede mit verschiedenen Herstellern in der MotoGP-WM, dann ist das mit Vorsicht zu genießen. Denn bei KTM, GASGAS, Aprilia und Ducati gibt es keine Möglichkeit für Razgatlioglu. Und Honda wird er sich kaum antun.
Die Chancen bei Yamaha in der MotoGP-Klasse sind auch überschaubar. "Weil wir nur zwei Plätze haben, verhält sich das schwierig", räumt Dosoli ein.
Hinzu kommt, dass Toprak in der Superbike-WM sicher mehr Geld verdient. Dort hat er für Yamaha einen viel höheren Wert, als wenn er in der MotoGP-WM einer unter vielen ist. Denn selbst Ex-Weltmeister Fabio Quartararo tut sich sehr schwer mit der M1 und ist nach vier Events und acht Rennen lediglich WM-Elfter.
Kenan Sofuoglu spielt mit dem Feuer. Dass er pokert und nicht gleich das erste Angebot von Yamaha akzeptiert, gehört zum Geschäft. Fakt ist aber auch: Razgatlioglu hat keine Alternative zu Yamaha. Nur dort bekommt er derzeit ein Spitzengehalt plus Topmotorrad.
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