Hyundai vor Richtungsentscheidung: Werksteam oder Rückzug aus Rallye-WM?
Die Uhr tickt: Nur noch vier Monate bleiben bis zum Start der neuen WRC-Ära – doch Hyundai hat für 2027 noch immer keinen klaren Plan.
Während Toyota sein Engagement unter dem neuen WRC27-Reglement vorbereitet, muss die Konzernführung in Seoul eine Grundsatzentscheidung treffen: Bleibt Hyundai der Rallye-WM treu – und wenn ja, in welcher Form?Konzernführung in Seoul eine Grundsatzentscheidung treffen: Bleibt Hyundai der Rallye-WM treu – und wenn ja, in welcher Form?
Ein eigenes WRC27-Auto wird Hyundai zum Saisonstart 2027 jedenfalls nicht einsetzen. Sportdirektor Andrew Wheatley bestätigte bereits im Juni, dass der Hersteller keinen neuen Rallyeprototypen nach dem künftigen Reglement entwickeln wird. Stattdessen konzentriert sich Hyundai auf die nächste Evolutionsstufe seines i20 N Rally2.
Genau hier liegt das Problem. FIA und WM-Promoter haben für Hersteller ab 2027 klare Vorgaben geschaffen: Wer sich als Hersteller einschreibt und um Punkte in der Konstrukteurs-WM kämpfen will, muss ein Rally2-Fahrzeug mit einem speziellen Kit einsetzen. Vorgesehen sind unter anderem Änderungen an Frontschürze und Heckflügel sowie Eingriffe am Motor. Zudem sind über die gesamte Saison zwei Fahrzeuge vorgeschrieben.
Für Hyundai ist dieses Konzept offenbar weder sportlich noch wirtschaftlich attraktiv. Auch Skoda steht dem Modell kritisch gegenüber. Der klassische Weg zurück in die WRC als Werksteam ist damit vorerst versperrt.
Im Kern bleiben zwei Optionen: Hyundai kann sich mit dem i20 Rally2 auf die WRC2 konzentrieren oder die offiziellen Herstelleraktivitäten in der WM einstellen und die Einsätze bei den Rallyes einem privaten Team überlassen.
Offen ist auch die Zukunft der bisherigen Werksfahrer Thierry Neuville und Adrien Fourmaux. Beide Verträge laufen aus, ihre Perspektive über das Saisonende hinaus ist ungeklärt. Gleichzeitig arbeitet Hyundai mit Hochdruck am neuen i20 Rally2. Chefingenieur Jan-Gerad Dejong, der bereits maßgeblich für den erfolgreichen VW Polo R5 verantwortlich war, entwickelt die als Step 3 bezeichnete Evolutionsstufe.
Das Ziel: Der bislang vor allem auf Asphalt starke i20 Rally2 soll auch auf Schotter zum Siegerauto werden. Die ersten Testfahrten sollen bereits jetzt beginnen. Möglichst schnell sollen auch Neuville und Fourmaux in die Erprobung einsteigen.
Damit gewinnt die Fahrerfrage zusätzliche Brisanz. Kaum jemand zweifelt daran, dass beide beim Saisonauftakt in Monte Carlo antreten wollen. Ob sie dort allerdings noch als offizielle Hyundai-Werksfahrer starten, ist offen. Ein vorübergehendes Engagement in der WRC2 sollen beide grundsätzlich nicht ausschließen – vorausgesetzt, daraus ergibt sich eine Perspektive für die Rückkehr in die Königsklasse.
Denn Hyundai muss längst über 2027 hinaus denken. Sportchef Cyril Abiteboul hat sich dazu mit der Konzernführung beraten. Will Hyundai dauerhaft in der WRC bleiben, dürfte mittelfristig kaum ein Weg an einem eigenen WRC27-Prototypen vorbeiführen. Bis 2029 könnte laut Wheatley ein entsprechendes Auto realistisch sein. Auch eine Rückkehr zur Hybridtechnologie wäre denkbar – ein Konzept, das Hyundai weiterhin verfolgt.
Gleichzeitig werden in Seoul offenbar Alternativen geprüft. Nach Informationen aus dem Konzernumfeld an speedweek.com gibt es Überlegungen, ab 2029 die neuen SUV-Modelle von Hyundai und Kia im Rallye-Raid-Sport oder in der US-Baja-Szene einzusetzen. Eine neue Motorsportplattform für beide Marken könnte damit entstehen.
Noch ist nichts entschieden. Klar ist nur: Hyundai steht vor einer der wichtigsten Motorsportentscheidungen seiner jüngeren Geschichte. Und die Zeit für eine Kurskorrektur wird knapp.
«Hyundai Motorsport konzentriert sich weiterhin voll und ganz darauf, die aktuelle WM-Saison so erfolgreich wie möglich abzuschließen und dabei an die positiven Ergebnisse bei der Rallye Paraguay anzuknüpfen. Die Pläne für die nächste Saison stehen noch nicht endgültig fest; entsprechende Ankündigungen werden zu gegebener Zeit erfolgen», sagte Teamchef Wheatley gegenüber Speedweek.com im Vorfeld der Rallye Chile.
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