Schwarzes Gold für den deutschen Asphalt

Von Toni Hoffmann
WRC
Die Reifen spielen beim zehnten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in Südwestdeutschland wegen der verschiedenen Streckenbeschaffenheiten eine wichtige Rolle.

Nach fünf Rallyes über Sand und Schotter bekommen die WM-Cracks an diesem Wochenende wieder festen Boden unter die Reifen ihrer Turbo-Allradler: Die Rallye Deutschland genießt im 13 Stationen umfassenden WM-Kalender den Ruf als vielseitigster und anspruchsvollster Asphaltlauf. 21 Wertungsprüfungen (WP) über eine Distanz von 309,17 Kilometer stehen von Donnerstagabend bis Sonntagmittag auf dem Programm, gefahren wird dabei wieder über die verwinkelten Wirtschaftswege in den Weinbergen entlang der Mosel, auf den rauen Betonpisten des Truppenübungsgebiets Baumholder sowie auf den schnellen Landstraßen des nördlichen Saarlands. Neu in diesem Jahr ist der Zuschauerkurs in der City von Saarbrücken, der am Donnerstag um 19:10 Uhr das diesjährige Rallye-Geschehen eröffnet.

Dabei dürfen sich die zahlreichen Rallye-Fans rund um den Servicepark am Bostalsee auf ein ganz besonderes Spektakel freuen. Neben den WM-Rückkehrern Toyota und Citroën schicken auch M-Sport Ford und Hyundai seit Beginn der Saison komplett neu entwickelte World Rally Cars ins Rennen. Deren größter gemeinsamer Nenner: Die Topfahrzeuge der Werksteams rollen fast ausnahmslos auf Reifen von Michelin – zugleich freut sich die französische Premiummarke aber auch über Konkurrenz.

Geballte Kraft auf die Reifen

Imposantes Flügelwerk, wuchtige Kotflügelverbreiterungen, mächtige Diffusorelemente im Heckbereich und deutlich mehr Schub bei 25 Kilogramm weniger Gewicht: Die World Rally Cars der Generation 2017 treten nicht nur optisch in die Fußstapfen der legendären Gruppe B-Boliden. Auch technisch gehen die spektakulären Turbo-Allradler an neue Grenzen. Dank Luftmengenbegrenzer, deren Querschnitt von 33 auf 36 Millimeter vergrößert wurde, können sie fortan um 20 Prozent freier atmen. Die Leistung der unverändert 1,6 Liter großen Turbomotoren legt dadurch von zirka 330 auf rund 380 PS zu und wird fortan von einem elektronisch geregelten Mitteldifferenzial auf Vorder- und Hinterachse aufgeteilt – wo bei den meisten Spitzenautos der Werksteams auch weiterhin Rallye-Pneus von Michelin in unveränderter Größe für den Kraftschluss mit dem mehr oder weniger griffigen Untergrund sorgen.

Obwohl die neuen World Rally Cars in der Maximalbreite um 55 Millimeter zulegen durften: Die Dimensionen der Wettbewerbsreifen von Michelin blieben unverändert. So besitzen die asymmetrisch profilierten und laufrichtungsgebundenen Asphaltspezialisten des Typs Michelin Pilot Sport 5 die vergleichsweise schmale Größe 225/40 R18 (20/65-18).

«Alle Tests haben bereits vor Beginn der Saison gezeigt, dass unsere Pneus mit den höheren Anforderungen problemlos klarkommen – obwohl die leistungsstärkeren Fahrzeuge mit ihrer ausgefeilten Aerodynamik mehr Anpressdruck erzeugen und die Kurvengeschwindigkeiten entsprechend gestiegen sind», betont Jacques Morelli, Leiter des Rallye-WM-Engagements des französischen Reifenherstellers. 

Asphaltreifen müssen bis zu 80 Kilometer im Wettbewerbstempo aushalten

Die Anzahl der Reifen, die ein Rallye-Fahrzeug pro WM-Lauf verwenden darf, ist weiterhin limitiert – für die World Rally Cars stehen auch in Deutschland neun Sätze zur Verfügung, ein weiterer kommt für den sogenannten «Shake-down» vor der eigentlichen Veranstaltung hinzu. Vorteil dieser strengen Kontingentierung, für die sich insbesondere Michelin stark gemacht hat: Sie rückt die Ausdauereigenschaften der Pneus, die bis zu 80 Wertungsprüfungskilometern unter verschiedensten Bedingungen standhalten müssen, stärker in den Vordergrund. Zugleich sinkt der Aufwand für Produktion und Transport der Reifen. Dies entlastet auch die Umwelt.

Die Auswahl der Reifentypen bleibt auch in der Saison 2017 bestehen. Pro Rallye bietet Michelin seinen Kunden nur ein Profildesign an, das allerdings in zwei verschiedenen Laufflächenmischungen zur Wahl steht. Für die deutsche Asphaltveranstaltung besteht das Kontingent aus dem weicheren Michelin Pilot Sport S5 – der als Spezialist für gemischte Wetterlagen sowie kühlere Temperaturen gilt – und dem härteren Pilot Sport H5, der bei sommerlichen Bedingungen zum Einsatz kommt. «Die gemeinsamen Testfahrten mit unseren Partnern vor der Rallye liefen gut», betont Morelli. «Sie unterstrichen die Vielseitigkeit der S5-Mischung, während der Michelin Pilot Sport H5 besonders auf den langen Weinbergprüfungen und den Betonpisten der ,Panzerplatte‘ seine Ausdauer unter Beweis stellte.»

Wetter ist ein wichtuger Faktor

Eine entscheidende Rolle könnte bei der Rallye Deutschland auch das Wetter spielen – es wartet speziell in der Hunsrück-Region gerne mit Überraschungen auf. Sollte es zu heftigen Niederschlägen kommen, könnte die aktuelle Ausbaustufe des symmetrisch profilierten Michelin Pilot Sport FW3-Pneus (Full Wet) aus Clermont-Ferrand ihr Wettbewerbsdebüt feiern. «Der FW3 kann deutlich mehr Wasser von der Straße verdrängen», erläutert Jacques Morelli. «Seine Laufflächenbreite der Dimension 215/45 R 18 (18/65-18) ist etwas schmaler als die des Pilot Sport S5 und H5, während wir sein Profilrillen von sechs auf sieben Millimeter vertieft haben. Zugleich besitzt er einen deutlich höheren Anteil an Negativprofil als jene 27,5 Prozent, die das Reglement für Asphaltpneus vorschreibt.»

Insgesamt hält Michelin für jede WRC-Partnerbesatzung bei der Rallye Deutschland 68 Reifen bereit: 36 Pilot Sport H5, 24 Pilot Sport S5 und acht Pilot Sport FW3.

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