Großes Wettertohuwabohu bei Rallye Finnland meistert Ogier als Bester
Der amtierende Weltmeister Sebastien Ogier zeigte im Toyota unter extrem wechselhaften Bedingungen am zweiten Tag der Rallye Finnland eine nahezu fehlerfreie Leistung und liegt klar vorne.
Der im WM-Zwischenklassement führende Elfyn Evans nimmt mit 16,3 Sekunden Rückstand Platz zwei ein. Mit Sami Pajari (+26,7 Sekunden) und Oliver Solberg (+41,3 Sekunden) auf den Plätzen drei und vier liegt somit ein Toyota-Quartett bei der legendären Hochgeschwindigkeitsrallye über Schotter vorne.
Ogier und sein für einmal als Navigator eingesprungene Julien Ingrassia gewannen gleich drei der vier Waldwertungsprüfungen am Vormittag. Einen sehr herausfordernden Nachmittag rund um Jyväskylä mit sintflutartigem Regen, stehendem Wasser und rapide sich verschlechternde Sichtverhältnisse meisterte das französische Duo am besten.
Die Schwierigkeiten der Konkurrenz konnte Evans nutzen und kletterte vom fünften auf den zweiten Platz nach zehn von insgesamt 20 WPs vor.
Am Donnerstagabend hatte nach WP1 noch Adrien Fourmaux (Hyundai) die Führung inne gehabt.
Der neunmalige Weltmeister Ogier übernahm mit einer souveränen Fahrt durch Laukaa allerdings mit Bestzeit heute gleich das Kommando. Er fügte weitere Siege auf Sydänmaa und Hoho hinzu und erreichte den Mittags-Service mit einem Vorsprung von 5,3 Sekunden auf Fourmaux, während Pajari nur 2,7 Sekunden weiter zurücklag.
Zunächst sah es so aus, als würde sich am Nachmittag ein enger Dreikampf entwickeln. Pajari gewann die zweite Durchfahrt durch Laukaa und verkürzte Ogiers Vorsprung auf 5,4 Sekunden. Dann änderte sich die Situation der Rallye allerdings dramatisch, als auf Saarikas starker Regen einsetzte.
Evans, der als WM-Führender als Erster auf die Strecke musste, hatte Glück. Als er startete zeigte sich der Regen noch nicht so stark ausgeprägt und so konnte er bevorteilt die schnellste Zeit herausfahern. Für die hinter ihm Fahrenden verschlechterten sich die allerdings Bedingungen schnell dramatisch: Fourmaux verlor fast 90 Sekunden. Solberg fiel 55,6 Sekunden zurück und beklagte eindringendes Wasser in seinen Toyota.
Seinen Rückstand auf Evans konnte Ogier indes auf gerade 6,5 Sekunden begrenzen und verlor - was entscheidend war - gegenüber seinem nächsten Verfolger Pajari lediglich 2,1 Sekunden.
«So ist das nun mal mit dem Wetter», kommentierte Ogier das Malheur der engsten Konkurrenten.
Die folgende Sydänmaa-Prüfung sorgte für weitere große Aufregung. Ogier überstand eine heftigen Abflug in einen Graben, konnte jedoch weiterfahren war aber dennoch 30,2 Sekunden schneller als Pajari.
Der junge Finne hatte das Handicap einer beschlagenen Windschutzscheibe, nach dem das Gebläse ausgefallen war.
Einen komfortablen Vorsprung nahm so Ogier in die letzte Wald-WP und Superspezialprüfung am Freitagabend mit. Er beendete damit einen Tag, an dem er absolute Geschwindigkeit mit kalkuliertem Risiko optimal kombiniert hatte.
«Es war ein sehr guter Tag», resümierte Ogier. «Heute Nachmittag war es sehr knifflig und wahrscheinlich für niemanden besonders angenehm. Es ist gut, dass wir den schwierigen Tag überstanden haben».
Der zweite Platz von Evans’ zweite ein starkes Comeback mit seiner schwierigen Startposition auf. Der Waliser war den ganzen Tag über als Erster auf die WPs gegangen und beim ersten Durchgang von Hoho kurz im Gebüsch gelandet. Er konnte die schwierigen Bedingungen jedoch zu seinem Vorteil nutzten, um an Pajari vorbeizuziehen.
«Der Vormittag verlief für uns nicht schlecht, aber der Nachmittag war ein bisschen wie ein Glücksspiel. Ich bin froh, dass wir es überstanden haben», erläuterte Evans.
Im Kampf um das Podium verbleibt Pajari, räumte jedoch ein, dass seine Hoffnungen auf den Sieg einen Rückschlag erlitten hätten.
«Auf der Sydänmaa-WP haben wir den Kampf um den Sieg verloren, als das Gebläse nicht mehr funktionierte und die Windschutzscheibe komplett beschlagen war», brummte der Toyota-Youngster.
Oliver Solberg belegte den vierten Platz, 41,3 Sekunden hinter der Spitze, nachdem er am Nachmittag sein Selbstvertrauen zurückgewinnen konnte. Der Schwede liegt 14,6 Sekunden hinter Pajari und 23,6 Sekunden vor Martiņ Sesks, der als bestplatzierter M-Sport Ford-Fahrer auf Platz fünf aus dem heutigen Chaos hervorging.
Fourmaux (Hyundai) fiel vom zweiten auf den sechsten Platz zurück, nachdem er vom stärksten Regen überrascht worden war. Josh McErlean konnte trotz einer stark beschlagenen Windschutzscheibe im M-Sport Ford als Siebter die Etappe beenden.
Takamoto Katsuta (Toyota) erlebte einen, wie er es selbst bezeichnete, «Katastrophentag» und liegt auf dem achten Platz, knapp vor Thierry Neuville. Der belgische Hyundai-Pilot verlor fast drei Minuten, nachdem er auf der morgendlichen Etappe von Hoho gegen einen versteckten Felsen geprallt war und dabei die vordere linke Aufhängung seines Hyundai beschädigt hatte.
Esapekka Lappi und Jon Armstrong waren die größten Pechvögel des Tages. Lappi wird im Verlauf der weiteren Rallye nicht mehr an den Start gehen können, nachdem sein Hyundai bei einem Unfall auf der Sydänmaa-Etappe größere Schäden am Überrollkäfig davongetragen hat. Der Ire Jon Armstrongs war mit seinem Ford Puma auf der Saarikas-Etappe in einem Graben stecken geblieben.
Bester WRC2-Pilot ist Robert Virves (Skoda) vor den beiden Toyota-Piloten Roope Karhonen und Jari-Matti Latvala.
Am Samstag stehen jeweils zwei Durchläufe auf den Etappen Parkola, Päijälä, Västilä und Leustu auf dem Programm, wobei weitere 123,3 Wertungskilometer zu bewältigen sind.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach

