Volkswagen beeindruckt in Finnland

Von Toni Hoffmann
WRC
Das Sieger-Team mit «Boss»

Das Sieger-Team mit «Boss»

Starke kämpferische Leistung: Jari-Matti Latvala holt nach seinem Pech noch Punkte für die Hersteller-Wertung.

Große persönliche Enttäuschung einerseits, noch größerer Teamgeist andererseits: Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN) sicherten Volkswagen bei Ihrer Heimrallye wertvolle Punkte im Kampf um den WM-Titel in der Hersteller-Wertung. Das finnische Duo, vor seiner Heimrallye mit vier Podiumsresultaten in Folge zuletzt das konstanteste in der Rallye-WM, traf bereits auf der zweiten Sonderprüfung einen Stein am Streckenrand unglücklich und musste in der Folge mit einem Aufhängungsschaden vorzeitig aufgeben. Bei ihrer Rückkehr unter Rally-2-Reglement erkämpften Latvala/Anttila neun Top-3-Zeiten für Volkswagen und sechs WM-Punkte. Damit baute Volkswagen Motorsport den Vorsprung in der Markenwertung um neun auf 55 Punkte gegenüber Citroën aus.

Reife Sache: Mikkelsen beeindruckt mit konstanten Resultaten

Auf dem Kurs zum Top-5-Resultat verhinderte ein technisches Problem ein weiteres beeindruckendes Ergebnis von Andreas Mikkelsen/Mikko Markkula (N/FIN). Das Duo setzte bei der Rallye Finnland stets Top-10-Zeiten, ehe es von einem unverschuldeten Aufhängungsschaden eingebremst wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Rally-2-Reglement am Finaltag behaupteten sie sich im Feld der etablierten Rallye-WM-Piloten mit starken Leistungen – unter anderem auf der legendären „Ouninpohja“-Wertungsprüfung. Am Ende wurde der Einsatz belohnt: Mikkelsen arbeitete sich auf Rang zehn und damit in die Punkteränge vor.

Beim Heimspiel von Volkswagen bei der Rallye Deutschland (22.–25. August) haben Sébastien Ogier und Julien Ingrassia rein mathematisch den ersten Match-Ball zum Gewinn der Fahrer- und Beifahrer-WM: Setzen sie sich um weitere 22 auf 112 Punkte von ihren Verfolgern ab, ist ihnen der Titel nicht mehr zu nehmen.

Stimmen, 3. Tag Rallye Finnland

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #7
«Insgesamt bin ich nicht zufrieden, denn ich hatte mir viel vorgenommen. Die Rallye begann für mich mit einem Ausrutscher, der mir die Chancen auf einen Platz auf dem Podium nahm. Bis zur Powerstage am Ende der Rallye konnte ich mein Tempo aber steigern und immerhin haben mein Beifahrer Miikka Anttila und ich noch sechs Punkte für die Hersteller-Wertung eingefahren. Darüber hinaus haben wir die Rallye genutzt, verschiedene Abstimmungen auszuprobieren, um uns auf die kommenden Rallyes vorzubereiten. Jetzt liegt mit der Rallye Deutschland das Heimspiel für Volkswagen vor uns und ich hoffe sehr, dort wieder auf dem Podium zu stehen.»

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #8
«Ich fühle mich einfach unbeschreiblich! Mit diesem Sieg hier Finnland hat sich für mich ein Traum erfüllt. Und dazu noch der Sieg in Schweden in dieser Saison – ein tolles Gefühl, in einem Jahr diese zwei Rallyes vor den nordischen Jungs wie Mads Østberg, Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala zu gewinnen. Mit mehr als 30 Sekunden Vorsprung aus den ersten Tagen wollte ich heute nicht zu viel riskieren. Nur auf der WP ‚Ouninpohja‘ habe ich alles gegeben, denn die Prüfung ist einfach fantastisch. Für mich war es das erste Mal in einem World Rally Car und der Speed mit dem Polo R WRC war einfach ohne Worte. Der Herzschlag wird deutlich schneller, man ist voller Adrenalin und genießt jeden Sprung und jeden Meter. Mein Vorsprung in der Rallye-Weltmeisterschaft ist jetzt nochmal größer, doch darauf achte ich heute nicht – jetzt will ich nur den Sieg mit meinem Team genießen. Ohne unsere eingeschworene Mannschaft wäre ich jetzt nicht hier oben.»

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
«Wir haben hier bei der Rallye Finnland eine Menge gelernt. Auch heute haben wir an Erfahrung gewonnen. Die Sonderprüfung ‚Ouninpohja‘ war einfach unglaublich. Ich erinnere mich noch daran, wie es war, sie vergangenes Jahr mit dem S2000-Škoda zu fahren. Mit dem Polo R WRC hat man aber so viel mehr Grip, dass man viele Passagen im sechsten Gang und am Drehzahlbegrenzer nehmen konnte. Auf den beiden Durchgängen so viel wie möglich zu lernen, um kommendes Jahr attackieren zu können, war das Ziel. Wir haben uns hier und bei den weiteren Prüfungen des Tages voll darauf konzentriert, die richtige Linie zu treffen und kein Risiko einzugehen. Trotz unseres Aufhängungsschadens gestern, bei dem wir leider die Chance eingebüßt haben, die Top Fünf zu erreichen, sind wir zufrieden mit dem, was wir erreicht haben.»

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor «Die Rallye Finnland ist eine wahre Legende, sie zu gewinnen ist etwas ganz Besonderes. Wir haben eine tolle Mannschaft, die das möglich gemacht hat. Egal ob Motoren- oder Getriebeabteilung, ob Teammanagement, Mechaniker oder Konstrukteure – ich bin stolz auf die gesamte Truppe. Man muss diesmal aber auch die fahrerische Leistung von Sébastien Ogier herausstellen. Man hat bei der Rallye Finnland gesehen, dass Ford, Citroën und Volkswagen auf Augenhöhe agieren. Sébastien hat diesmal den Unterschied gemacht. Mit diesem Sieg hat er verdient einen großen Schritt in Richtung WM-Titel getan. Jari-Matti Latvala hatte sicher kein glückliches Wochenende. Aus seinem Ausscheiden am ersten Tag müssen wir auch als Team lernen. Unsere Ingenieure werden den Vorfall genau analysieren und den Polo R WRC weiter verbessern. Andreas Mikkelsen hat bei der gesamten Rallye eine gute Leistung gezeigt und war auf Augenhöhe mit den Top-Fahrern der WM. Das ist stark.»

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