Marini kritisiert Rennkalender: «Null Zeit, um sich körperlich zu steigern»
Nach gut drei Wochen Pausen ging in England der Silverstone-GP über die Bühne – gefolgt von zwei weiteren rennfreien Wochenenden. Für MotoGP-Werkspilot Luca Marini keine befriedigende Situation.
Laut offiziellem MotoGP-Vertragswerk ist der Rennkalender der Motorrad-Straßenweltmeisterschaft auf 22 Events festgeschrieben. In der Realität läuft vieles auf eine 2026er-Kampagne mit 21 Stationen. Hintergrund: Der andauernde Nahost-Konflikt setzt weiter viele Fragezeichen hinter die Austragung des Wüsten-GP von Katar, der ja bereits von April auf November verschoben wurde.
Auch mit 21 Events droht keine Langeweile. Am letzten Februartag gingen die Piloten erstmals zu einem Rennevent der laufenden Saison auf die Piste. Abgeschlossen wird 2026 am 29. November in Valencia – wo nur zwei Tage später die Saison 2027 mit dem Valencia-Test eingeläutet wird. Dann wird es in die Winterpause gehen, die ihren Namen aber zum Teil verdient. Denn in der letzten Januar-Woche macht sich der Tross bereits wieder auf den Weg nach Malaysia, um bei tropischen Verhältnissen eine Woche mit der 2027er-Hardware zu testen. Drei Tage Shake down mit Testern und Rookies, drei Tage Zeitenfeilen mit allen Stammpiloten – so das eingespielte Ritual.
Die Winterpause endet Ende Januar
Weiter geht es mit rund 10 Tagen Versatz in Thailand zu einem weiteren und bereits letzten Test vor dem Saisonstart ebenfalls in Buriram. Davor gilt es noch ohne Lederkombi zum offiziellen «Kick-off» der Weltmeisterschaft zu jetten –
Geht es nach Honda-Werksfahrer Luca Marini ist die schiere Anzahl der Veranstaltungen nicht das größte Problem, vielmehr geht es um die Taktung des Kalenders. Im Vieraugengesprächen mit SPEEDWEEK.com schilderte Marini seine Sicht: «Für mich ist der Ablauf über das Jahr nicht ideal. Ich denke, wir sollten die Rennen enger zusammen legen und dafür versuchen ein größeres Fenster im Winter zu schaffen.»
Der Italiener holte weiter aus: «Zum einen: Ich genieße die Zeit im Fahrerlager, während der Rennsaison ist es perfekt immer dort zu sein, ich würde gerne mehr Zeit hier verbringen, wenn wir dafür im Winter eine echte Pause hätten. Fakt ist – heute haben wir null Zeit. Und zwar weder um uns wirklich zu erholen und wichtiger noch, gar keine Zeit um uns so spezifisch auf die nächste Saison vorzubereiten, es gibt keine Zeit, um uns weiter zu steigern.»
Marini, derzeit in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Tech3 und KTM für ein Engagement als MotoGP-Pilot ab 2027, weiter: «Mit dem jetzigen Kalender gibt es gar keine Pause. Ich trainiere das komplette Jahr durch. Es ist nicht möglich mit der jetzigen Planung einmal nichts zu tun. Ich brauche die gesamte Energie um bereit zu sein – ich würde aber gerne mehr Zeit haben um etwa alte Verletzungen noch konkreter austrainieren. Ich würde mich gerne auch körperlich von Saison zu Saison steigern, dazu braucht es aber Zeit für spezifische Physio-Programme.»
Theorie und Praxis: Der Rennkalener ist am Limit
Aus Sicht der Athleten nachvollziehbar. Aus organisatorischer Sicht erscheint eine deutliche Komprimierung des Rennkalenders kaum möglich. Zwar gelingt es auch Rennen «back-to-back» stattfinden zu lassen, doch ein Eventkalender im Wochentakt wird sich im Falle der MotoGP nicht umsetzen lassen. Bereits 2026 finden acht Veranstaltungen direkt aufeinander folgend statt. Dazu kommt der Aspekt der verletzten Piloten. Würde man in der Theorie alle Events im einwöchigen Rhythmus bewältigen, müsste das System der Ersatzfahrer neu überdacht werden. Bereits heute ist es kaum möglich ganz gleich in welcher Klasse, verfügbare und geeignete Top-Piloten zu rekrutieren.
Immerhin: Die MotoGP hat selbst erkannt, dass man mit geplanten 22 MotoGP-Events am Anschlag ist, denn auch der Qualitätsanspruch der wachsenden Rennsportbühne soll nicht unter die Räder kommen.
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