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FIA WEC

Stefan Mücke: «Hatten die Pace für den Klassensieg»

Von - 08.11.2017 07:12

In seiner Kolumne gibt Starpilot Stefan Mücke den Lesern von SPEEDWEEK.com einen Einblick in seine Auftritte in der FIA WEC. Das achte Rennen des Jahres fand im chinesischen Shanghai statt.

Hallo liebe Leser von SPEEDWEEK.com,

wie üblich berichte ich Euch in dieser Saison von meinen Renneinsätzen in der FIA WEC. Doch bevor es zum achten Lauf des Jahres auf in Richtung Shanghai ging, stand zunächst eine wichtige Testsession auf meiner Agenda. Im Motorland Aragón absolvierten wir mit unserem Ford GT einen geheimen Reifentest. Dabei ging es hauptsächlich darum, potentielle Reifen-Varianten für die Saison 2018 zu bestimmten. Doch nicht nur beim Test in Zentralspanien stand das sogenannte 'schwarze Gold' im Mittelpunkt, auch beim FIA-WEC-Event in Shanghai sind die Reifen seit jeher eines der Hauptthemen. Das liegt neben der Asphaltbeschaffenheit auch am Layout des dortigen 5,451 Kilometer langen Kurses. Insbesondere die sich immer weiter zuziehende erste Kurve ist ein regelrechter Gummi-Killer. Vielleicht haben einige von Euch im Fernsehen auch den vielen Reifenabrieb abseits der Ideallinie bemerkt, der fast wie ein schwarzer Teppich aussah.

Dementsprechend legten wir in allen freien Trainingssitzungen den Fokus auf das Renn-Setup. Neben einigen Longruns probierten wir beispielsweise aus, wie sich der Reifenverschleiß auswirkt, wenn der Tank unseres Ford komplett gefüllt ist. Mit zunehmendem Erkenntnisgewinn, arbeiteten wir heraus, wie wir das Fahrzeug einstellen müssen, damit der Reifenverschleiß (sowohl achsweise wie auch auf beiden Fahrzeugseiten) im Rennen einigermaßen gleich bleiben würde.

Auch die Qualifikation stand ganz im Zeichen des 6-Stunden-Rennens. So verwendeten mein Wagenpartner Olivier Pla und ich während dieser Session lediglich einen Reifensatz und fuhren mit diesem auch nur jeweils eine schnelle Runde. Zwar sprang als Resultat lediglich Startplatz fünf heraus. Dennoch gingen wir sehr zuversichtlich ins Rennen, da sich das Auto bereits über das gesamte Wochenende sehr gut anfühlte.

Olivier konnte sich in seinem ersten Stint gleich bis auf die zweite Position vorarbeiten. Als ich dann ins Auto stieg, schaffte ich es, den Vorsprung zum dritt- und viertplatzierten Mitbewerber noch weiter vergrößern. Alles lief nach Plan. Und gerade in dem Moment, als ich die Box für den nächsten Fahrerwechsel ansteuerte, fiel auch noch der zu diesem Zeitpunkt führende Porsche mit einem technischen Defekt aus. Das brachte uns sogar die Klassenführung ein.

Doch die Freude darüber dauerte leider nur sehr kurz an. Denn schon beim Herausfahren aus der Box musste Olivier feststellen, dass die Fahrertür nicht richtig verschlossen war. Somit war er gezwungen, einen zusätzlichen außerplanmäßigen Stopp einzulegen. Glücklicherweise wurde zu diesem Zeitpunkt gerade eine 'Full Course Yellow' ausgerufen, sodass wir nicht allzu viel Zeit verloren. Dennoch fielen wir bis auf Position drei zurück. Das hört sich zunächst nicht besonders schlimm an. Doch für unsere Renntaktik war dies Gift, weil wir im Mittelfeld der Klasse wieder in Zweikämpfe verwickelt wurden und dadurch nicht immer auf unsere Reifen achten konnten. Unser Plan sah es vor, zu Rennbeginn alle frischen Pneus zu verwenden und so auf die Konkurrenz einen Vorsprung herauszufahren.

Als ich im Anschluss wieder im Wagen saß, hatte ich einen sehr schönen Zweikampf mit Porsche-Pilot Frédéric Makowiecki um Platz zwei. Ich konnte ihn überholen und auch den Abstand auf unser in Führung liegendes Schwesterauto extrem verkürzen.

Das sportliche Reglement der FIA WEC erlaubt uns in Qualifikation und Rennen die Verwendung von vier kompletten Reifensätzen sowie zweier zusätzlicher Joker-Pneus. Leider stellte sich nach der Qualifikation heraus, dass einer unserer Reifen eine Beschädigung aufwies und somit nicht mehr eingesetzt werden konnte.

Doch genau dieser eine Reifen fehlte uns am Ende. Oliver bekam für seinen letzten Doppelstint auf der mehr belasteten linken Fahrzeugseite somit anstatt zwei frischer Reifen nur einen neuen Walzen aufgezogen. Zunächst ging das zwar eine Zeit lang gut, dann brach die Performance aber so kolossal ein, dass er keine Chance mehr hatte seine Position zu verteidigen. Als Folge entschieden unsere Strategen in der Box sogar den Stint etwas zu verkürzen und ihm beim letzten Tankstopp nochmals vier andere (zuvor schon gebrauchte) Reifen aufschrauben zu lassen.

Der finale vierte Platz stimmte uns im ersten Moment nicht sehr zufrieden. Wir hatten die Pace, mit um den Klassensieg zu kämpfen und schafften es am Ende nicht einmal auf das Podium. Im Nachhinein betrachtet geht das Ergebnis aber in Ordnung. Die Faktoren, die uns letztendlich einbremsten waren solche, die außerhalb unserer Macht lagen.

Diese Woche habe ich nun noch einen ganz besonderen Termin. In Italien darf ich die Straßenversion des Ford GT ausfahren. Darauf freue ich mich schon sehr. Da es nur sehr wenige Exemplare dieses Fahrzeuges gibt, sind solche Möglichkeiten eher selten gesät. Am kommenden Dienstag geht es schon auf zum Saisonfinale der FIA WEC in Bahrain, welches am darauf folgenden Samstag (18. November) stattfindet. Danach hört ihr wieder von mir.

Bis dahin alles Gute
Euer Stefan Mücke


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Der Ford GT von Stefan Mücke und Olivier Pla in Shanghai © LAT Der Ford GT von Stefan Mücke und Olivier Pla in Shanghai Stefan Mücke bei der Daten-Analyse © Horst Bernhardt Stefan Mücke bei der Daten-Analyse
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