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Unvergessener Jim Clark: The Best of the Best

Von - 12.09.2019 14:28

​Jim Clark dominierte seine Ära mit einer Leichtigkeit, welche die Gegner verzweifeln liess. Er starb 1968, viel zu früh. Das Werk von David Tremayne würdigt die schottische Rennlegende in aller Ausführlichkeit.

Jim Clark, am 4. März 1936 im schottischen Kaff Kilmany geboren, fuhr lediglich 72 Formel 1-Grands Prix. Er wurde 1963 und 1965 Weltmeister. Mit einem standfesteren Lotus hätten es vier Titel sein müssen. Der stille Schotte gewann 25 WM-Läufe und 1965 die 500 Meilen von Indianapolis, als wäre dies das Normalste der Welt. Leicht hätten es in Indy drei Siege sein können, und wer weiss, wie viele Erfolge er noch eingefahren hätte – wäre er nicht beim Formel-2-Rennen von Hockenheim 1968 ums Leben gekommen.

Zahlreiche Bücher sind über Jim Clark geschrieben worden, darunter sehr gute. Aber eines davon sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen: «Jim Clark – The Best of the Best» vom langjährigen Grand-Prix-Journalisten David Tremayne.

Clark war geprägt von der Einsamkeit seines geliebten schottischen Hochlands, vom einfachen, gesunden, aber strapaziösen Landleben. Sein goldener rechter Fuss watete in stinknormalen Gummistiefeln umher, Clark hütete Schafe, baute Scheunen und mistete Ställe aus, dabei fühlte er sich am wohlsten. So weit zum Glamour der Formel 1.

Tremayne hat sich mit zahlreichen Weggefährten Jim Clarks unterhalten, auch mit Menschen, die sich in der Landwirtschaft auskennen, nicht mit Rennwagen. Wir entdecken im üppig bebilderten Buch sehr viele Facetten an Clark, die bislang im Verborgenen lagen. Wie zögerlich er bisweilen war, wie selbstkritisch, wie skeptisch.

Seine Rennen waren von einem gewissen Muster geprägt: Raketenstart, einige phantastisch schnelle Runden befreiten ihn vom Feld, Clark wischte es mühelos weg wie wir eine lästige Fliege. Von der Lotus-Box mit Chef Colin Chapman hervorragend geführt, kontrollierte er an der Spitze seine Gegner. Das waren keine Siegesfahrten, das waren Machtdemonstrationen.

Es gab nur ganz wenige Rennen in seiner Karriere, bei welchen Jimmy wirklich all sein Talent aufbringen musste. Nach zehn, zwanzig Runden lag er meist vorne. Die Gegner resignierten.

Zahlen lügen nicht: Von seinen 72 Formel-1-WM-Läufen gewann er 25, wurde aber nur einmal Zweiter. Bei einem Drittel seiner Rennen schied er wegen Defekts aus. Bei den restlichen Grands Prix fuhr er in der Regel unter die besten Drei. 1963 bis 1965 erreichte er bei 23 Zielankünften 16 Siege.

Sein Privatleben war tabu. Jackie Stewart, der mit ihm eine Saison lang in London eine Wohnung teilte, sagte mir einmal: «Es dauerte Monate, bis war ein richtiges Männer-Gespräch führen konnten.»

Clark kaute ständig an seinen Fingernägeln, Ausdruck von Unsicherheit und Nervosität. Im Rennwagen hingegen war er eiskalt und zu allem entschlossen. Sein Fahrstil war geschliffen, die Gene des Lotus verlangten sparsame Lenkkorrekturen, so wie Jimmy konnte ihn niemand am Limit fahren.

Stewart erinnert sich: «Kaum zu glauben, dass er privat ein höchst unentschlossener Mensch war, über so triviale Dinge wie – wo gehen wir Abendessen?»

Sein Tod erschütterte die Rennfahrerkollegen bis ins Mark. Der damalige Gegner Chris Amon brachte das auf den Punkt: «Wenn es Jimmy passieren konnte, welche Chancen haben dann wir?»

Rund zwanzig Jahre lang hat David Tremayne Material über Clark zusammengetragen. Das spürt der Leser in jedem Kapitel. Ich kann mir nur schwerlich ein kompletteres Clark-Buch vorstellen. Tremayne lässt kein Rennen aus, aber das ist kein dröge Aufzählung, sondern die Auftritte Clarks in ganz verschiedenen Serien werden aus so unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, dass die Spannung hoch bleibt.

Welches war das Erfolgsgeheimnis des Jim Clark? David Tremayne erklärt es. Wo hätte seine Karriere noch hingeführt? Das wird ebenso fundiert dargelegt wie seine Beziehung zu Lotus-Gründer Colin Chapman. Wie kam er ums Leben? Tremayne trennt die Gerüchte von den Fakten.

Wenn Jim Clark zu seiner Zeit die Messlatte war für seine Gegner, so ist das Buch von David Tremayne der Massstab für alle anderen Clark-Bücher.

Wir haben uns stundenlang in diesem grossen, schweren Buch verloren. Und auch wenn Jim Clark seit 1968 nicht mehr unter uns weilt: Das Charisma dieses Mannes wird spürbar. Mit diesem Buch bleibt die Erinnerung an einen der grössten Formel-1-Fahrer hellwach. Besser können wir einem Ausnahmesportler nicht gedenken.

David Tremayne: Jim Clark – The Best of the Best
Mit einem Vorwort von Dario Franchitti
Von Evro Publishing (England)
ISBN: 978-1-910505-16-8
Format 286 x 24 cm
520 Seiten
425 Fotos
Text in englischer Sprache
Für rund 65 Euro im Fachhandel

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