Moto3

Moto3-WM: Wo bleibt der deutsche Nachwuchs? (Teil 3)

Von - 26.12.2014 06:12

2015 wird Philipp Öttl der einzige deutsche Fahrer in der Moto3-Klasse sein. Wir sprachen mit Heidolf, Kiefer und Freudenberg über die Nachwuchsflaute. Teil 3 mit Michael Freudenberg.

In der nächsten Saison wird kein deutscher Nachwuchspilot in die kleinste Klasse der Weltmeisterschaft aufrücken. Im Jahr 2011 erlebte der deutsche Motorradsport die letzte Flaute dieser Art. 2009 und 2010 kamen mit Jonas Folger und Marcel Schrötter zwei große deutsche Talente in die Weltmeisterschaft. 2012, 2013 und 2014 folgten Toni Finsterbusch, Luca Amato, Philipp Öttl, Florian Alt und Luca Grünwald. Alle außer Öttl verschwanden wieder aus der WM.

Florian Alt kehrt 2015, nach einer erfolgreichen Saison in der Spanischen Moto2-Meisterschaft, jedoch zurück. Er wird für Ioda mit einer Suter in der Moto2-Klasse antreten.

In der Moto2-WM ist Deutschland mit Jonas Folger, Sandro Cortese, Marcel Schrötter und nun Florian Alt schlagkräftig. Wer sollen aber ihre Nachfolger sein? Philipp Öttl erlebte 2014 ein Seuchenjahr und muss nun an seine Leistungen aus 2013 anknüpfen, um seine Karriere voranzubringen. Mehr Nachwuchs ist derzeit nicht in Sicht.

Seit 1996 ist Michael Freudenberg als IDM-Teambesitzer tätig und hat viele Talente gefördert. Schon Dominique Aegerter kam nach einer IDM-Saison mit Freudenberg in die Weltmeisterschaft, zuvor Dirk Heidolf, danach Toni Finsterbusch und Florian Alt. Auch der ehemalige Freudenberg-Schützling Luca Grünwald schaffte 2014 den Sprung in die Moto3-WM. Mit SPEEDWEEK.com sprach Freudenberg über die Nachwuchsförderung in Deutschland.

Michael, wo ist der deutsche Nachwuchs?

Das ist eine gute Frage. Wir sind eines der größeren Nachwuchsteams in Deutschland. Wir wissen alle, dass das nicht an den fahrerischen Fähigkeiten unserer Piloten, sondern an den Finanzen liegt. Luca Grünwald wurde bei uns zweimal Deutscher Meister. Ich will nicht sagen, dass sein Material 2014 nicht konkurrenzfähig war, aber er hatte es schwer. In der Vergangenheit hätte ein Fahrer wie er aber zwei oder sogar drei Jahre bekommen, um in der Weltmeisterschaft Fuß zu fassen. Es ist sehr schade, dass 2015 keine Mittel für Luca da sind. Er steht meiner Meinung nach auf der Liste der derzeitigen Nachwuchsfahrer ganz oben.

Doch auch wir haben bei der Nachwuchsförderung zu kämpfen. Jonas Geitner bescherte uns aber gute Momente. Er fuhr 2014 seine zweite Moto3-Saison. Als er beim Rennen der Spanischen Meisterschaft in Valencia, bei dem mehrere GP-Piloten antraten, den zwölften Platz gemacht hat, war das sehr, sehr stark. Jonas ist das nächste große Talent, das ich sehe. Doch eine Saison in der Spanischen Meisterschaft kostet wahnsinnig viel Geld. Ohne unsere eigenen finanziellen Mittel wäre das nicht zu bewältigen. Es ist schwer.

Max Kappler hat 2014 sicher mehr erwartet. Er lag hinter seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit zurück. Bei Max Enderlein war es ähnlich. Sie sind beide wie Jonas in der Spanischen Meisterschaft gefahren, die ja wie eine Junioren-WM ist. Die Zeiten sind dort wirklich stark. Für das erste Jahr lief es also bei so viel Konkurrenz schon ganz okay.

Wodurch wird diese Flaute aus deutscher Sicht verursacht? Fehlen Förderung, Sponsoren oder echte Talente?

Wir haben eine unglaublich gute Nachwuchsschule, was die Minibikes bis zum ADAC Junior Cup betrifft. Dabei können wir uns fast mit Spanien messen. Doch die Förderung der Talente sollte dort nicht aufhören. Für die besten Fahrer sollte es Gelder geben, damit sie in die Moto3-Klasse der IDM kommen. Institutionen wie der ADAC sollten mehr Geld in die Hand nehmen und den jungen Fahrern unter die Arme greifen. Ein weiteres Problem brachte auch die neue Technik mit sich. Man sagte immer, dass die Moto3 billiger wird als die 125 ccm, doch das Gegenteil ist der Fall. Eine 125-ccm-Honda bekam man beispielsweise schon für 10.000 Euro, die entsprechende Moto3-Maschine kostet fast das Doppelte. Zudem gibt es sehr wenige gebrauchte Rennmaschinen.

Eine starke Moto3-Klasse in der IDM ist sehr wichtig, denn im ersten  Jahr mit den Fahrern in Spanien anzutreten, macht keinen Sinn. Damit demotiviert man die Fahrer nur, wenn sie auf dem 25. Platz rumfahren. Auch kleine Preisgelder wären in Deutschland wichtig. Einfach als Feedback für die Fahrer. Es ist klar, dass man als Nachwuchsfahrer in der IDM kein Geld verdient.

Wir haben unglaublich viele Anfragen für die neue IDM Moto3-Klasse. Der Ansturm ist groß. Das ist auch gut so. Erst sollte man in der IDM schnell sein, bevor man nach Spanien geht. Man muss Fahrern etwa drei Jahre geben, um sich zu entwickeln.

Die Spanier haben natürlich auch viel mehr Trainingsmöglichkeiten über den Winter als wir hier in Deutschland. Deswegen planen wir, einen unserer LKWs in Spanien zu deponieren und die Fahrer im Abstand von ein paar Wochen dort trainieren zu lassen. Das kostet ein Team aber wiederum viel Geld. Bei solchen Projekten könnte der ADAC helfen.

Die Schwachstelle der Förderung in Deutschland liegt also zwischen den ADAC Junior Cup und dem Einstieg in die Weltmeisterschaft?

Genau. Es sollten die besten Fahrer, es kristallisieren sich immer zwei oder drei heraus, bis in die Weltmeisterschaft und auch dort in den ersten Jahren durch Verbandsgelder gefördert werden. Talente wie Marcel Schrötter und Luca Grünwald wären ohne große Hilfe von Teams, Förderern und privaten Sponsoren nicht in die Weltmeisterschaft gekommen. Bei den Nachwuchsteams in Deutschland müssen wenigstens die Umkosten gedeckt werden, um Förderung überhaupt möglich zu machen.

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IDM-Teambesitzer Michael Freudenberg förderte viele Talente © Wiessmann IDM-Teambesitzer Michael Freudenberg förderte viele Talente Jonas Geitner trat 2014 für Freudenberg in der Spanischen Meisterschaft an © Freudenberg Jonas Geitner trat 2014 für Freudenberg in der Spanischen Meisterschaft an
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