EWC Bol d’Or (Q1): BMW-Teams stark, YART sucht nach dem Anschluss
Das BMW-Werksteam, AutoRace Ube und ERC Endurance gaben im Q1 das Tempo vor: Naomichi Uramoto fuhr die schnellste Zeit im Q1, knapp vor Markus Reiterberger. YART erlebte einen weiteren Rückschlag.
Die entscheidende Rennwoche der Langstrecken-WM findet bisher bei sommerlichen Bedingungen statt. Beim Bol d’Or, dem vierten und letzten Lauf der EWC-Saison 2026, fällt die Entscheidung im Titelkampf: YART reist als WM-Leader nach Le Castellet, BMW lauert 19 Punkte dahinter und könnte erstmals Langstrecken-Weltmeister werden. Auch Titelverteidiger SERT hat bei 28 Punkten Rückstand noch Chancen auf den Titel.
Beim Saisonfinale sind maximal 65 Punkte zu holen. Die erste Gelegenheit, das WM-Konto aufzustocken, bietet sich bereits im Qualifying: Für die Pole-Position werden 5 Punkte vergeben.
Die Charakteristik des Circuit Paul Ricard kommt BMW entgegen. Vor allem auf der 1,8 Kilometer langen Mistral-Geraden spielt die leistungsstarke M1000RR ihre Stärken aus. Im Vergleich zur Yamaha R1, Suzuki GSX-R1000, Kawasaki ZX-10RR und Honda CBR1000RR-R Fireblade ist sie zudem das modernste Superbike im Spitzenfeld.
Wie gut die BMW auf dem schnellen Kurs funktioniert, zeigte sich bereits im Freien Training am Donnerstagvormittag. Das BMW-Werksteam mit Markus Reiterberger, Steven Odendaal und Michael van der Mark setzte sich in 1:50,704 min klar an die Spitze. Diese Zeit sollte im Q1 nicht erreicht werden, was auch auf die vielen Zwischenfälle zurückzuführen ist.
Hinter der Werks-BMW folgten im Freien Training mit ERC Endurance (Marcel Schrötter, Loris Baz, Jan-Ole Jähnig) und AutoRace Ube (Naomichi Uramoto, Sylvain Guintoli, Kenny Foray) zwei weitere BMW-Teams. YART mit Karel Hanika, Marvin Fritz und Leandro Mercado war auf Platz 4 erster Verfolger des BMW-Trios.
Blaue Gruppe: BMW-Quartett vorn – YART ohne Zeit!
In der ersten 20-minütigen Qualifying-Session trafen unter anderem Markus Reiterberger, Karel Hanika, Loris Baz und Naomichi Uramoto aufeinander. Doch an einen normalen Ablauf war kaum zu denken. Bereits nach fünf Minuten wurde die Session erstmals unterbrochen. Alex Toledo war mit der Bolliger-Kawasaki in Kurve 10 gestürzt, zudem kam Mathis Labarthe auf der Grillini-Kawasaki zu Fall. Erst nach 25 Minuten wurde das Qualifying fortgesetzt.
Nach dem Neustart übernahm ERC-Endurance-Pilot Loris Baz die Spitze. Der ehemalige MotoGP-Pilot umrundete den Circuit Paul Ricard mit der Dunlop-bereiften BMW in 1:51,756 min. Überraschend folgte Hikari Okubo vom Team Etoile auf Platz 2. Der Japaner lag mit seiner BMW aus der Stockwertung lediglich 0,622 sec zurück.
Doch auch danach kehrte keine Ruhe ein. YART-Pilot Karel Hanika stürzte mit seiner R1 in Kurve 1, während Loic Arbel vom Team 3Art Best of Bike Hamaguchi in Kurve 13 die Kontrolle über seine Yamaha verlor. Wenig später kam es in Kurve 7 zu einem Massensturz mit vier beteiligten Motorrädern. Roman Ramos (Kawasaki Webike Trickstar), Thomas Ward (TRT27 AZ Moto), Miquel Pons (Honda No Limits) und Frederic Albas (Focus Endurance) gingen zu Boden. Die Rennleitung unterbrach die Session erneut.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ausgerechnet Topfavorit Markus Reiterberger auf der Werks-BMW noch keine Rundenzeit gesetzt. Auch Naomichi Uramoto und der zuvor gestürzte Hanika standen weiterhin ohne Zeit da.
Nach dem zweiten Neustart dauerte es nicht lange, bis Reiterberger die Kräfteverhältnisse zurechtrückte. Der Bayer stürmte zunächst mit 1:51,475 min an die Spitze und steigerte sich anschließend auf 1:51,143 min. Doch für die Bestzeit reichte das nicht. Uramoto brachte sich zunächst auf Platz 3 in Stellung und legte bei seiner zweiten gezeiteten Runde noch einmal nach. Mit 1:51,050 min übernahm der Japaner auf der AutoRace-Ube-BMW die Spitze.
Einen herben Rückschlag musste dagegen WM-Leader YART hinnehmen. Hanika konnte nach seinem Sturz nicht mehr auf die Strecke zurückkehren und beendete die erste Qualifying-Session ohne Rundenzeit.
Gelbe Gruppe: Marcel Schrötter fährt Bestzeit
Auch die gelbe Gruppe kam nicht ganz ohne Zwischenfälle durch ihre Session. Guillaume Raymond stürzte mit der Honda von National Motos in Kurve 3. Im Gegensatz zur blauen Gruppe musste das Qualifying allerdings nicht unterbrochen werden.
Marcel Schrötter präsentierte sich in Topform. Der ERC-Endurance-Pilot setzte sich mit einer Rundenzeit von 1:51,616 min an die Spitze und bestätigte damit die starken Eindrücke aus den Testfahrten. Gleichzeitig unterstrich der ehemalige Grand-Prix-Pilot, wie gut die Dunlop-Reifen auf dem Circuit Paul Ricard funktionieren.
Hinter Schrötter sorgte Sylvain Guintoli auf der AutoRace-Ube-BMW für die zweitschnellste Zeit. Steven Odendaal komplettierte auf der Werks-BMW die Top-3. WM-Leader YART musste sich dagegen mit Platz 7 für Marvin Fritz begnügen.
Rote Gruppe: Van der Mark vorn, Jähnig starker Zweiter
In der dritten Gruppe trafen unter anderem Michael van der Mark, Jan-Ole Jähnig, Kenny Foray und Leandro Mercado aufeinander. Die Rundenzeiten fielen etwas langsamer aus als in den beiden Sessions zuvor, an der Spitze stand aber erneut eine BMW.
Michael van der Mark umrundete den Circuit Paul Ricard in 1:51,621 min und sicherte dem BMW-Werksteam die Bestzeit. Der Niederländer war gut sechs Zehntelsekunden schneller als Jan-Ole Jähnig auf der ERC-BMW.
Erneut stark präsentierte sich das Team Etoile mit seiner BMW aus der Stockwertung. Kaito Toba fuhr auf Platz 3 und ließ damit Leandro Mercado hinter sich. Der YART-Pilot beendete die Session mit seiner R1 auf der vierten Position.
Grüne Gruppe: Lucas Mahias holt die Bestzeit
In der abschließenden Qualifying-Gruppe waren die Ersatzfahrer an der Reihe. Das BMW-Werksteam setzt beim Bol d’Or auf den erfahrenen Langstrecken-Spezialisten Jeremy Guarnoni, während bei ERC Endurance Sasha de Vits als vierter Fahrer gemeldet ist. Supersport-WM-Pilot Lucas Mahias unterstützt Marc VDS.
Nicht alle Spitzenteams haben für das 24-Stunden-Rennen einen Ersatzpiloten nominiert. YART, SERT und F.C.C. TSR Honda verzichten beim Saisonfinale auf einen vierten Fahrer. Die Bestzeit in der abschließenden Session sicherte sich Lucas Mahias auf der Yamaha R1 von Marc VDS in 1:53,058 min.
Nach den vier Gruppen zeichnete sich ab, dass die BMW-Teams ihrer Favoritenrolle im ersten Qualifying-Durchgang gerecht wurden. Die schnellste Rundenzeit gelang dem Team AutoRace Ube, kombiniert liegt aktuell das BMW-Werksteam vorn. Das Q2 am Freitagvormittag entscheidet dann über die finale Startaufstellung für das Bol d’Or und die Punkte für die Top-5. Die Zeiten der zwei besten Fahrer jedes Teams werden addiert.
Die schnellsten Rundenzeiten im Q1:
Naomichi Uramoto (AutoRace Ube) – 1:51,050 min
Markus Reiterberger (BMW) – 1:51,143
Marcel Schrötter (ERC Endurance) – 1:51,616
Michael van der Mark (BMW) – 1:51,621
Loris Baz (ERC Endurance) – 1:51,756
Sylvain Guintoli (AutoRace Ube) – 1:52,058
Steven Odendaal (BMW) – 1:52,128
Christian Gamarino (Webike Kawasaki) – 1:52,207
Hikari Okubo (Team Etoile) – 1:52,378 (STK)
Gregg Black (SERT) – 1:52,414
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