Richard Lietz vor dem 100. WEC-Rennen: «Es macht noch immer Spaß»
Porsche-Werksfahrer Richard Lietz feiert am Wochenende mit seinem einhundertsten Einsatz in der Sportwagen-WM (FIA WEC) ein ganz besonderes Jubiläum. Lietz pilotiert einen Porsche 911 GT3 R LMGT3.
Das World Endurance Championship (WEC) wurde 2012 erfunden. Und neben Sébastien Buemi, der in Barcelona sein 100. Rennen bestritt, ist nun auch Richard Lietz ein «100er». Der 42-jährige Porsche-Werkfahrer (seit 2007!!) geht entspannt in sein Jubiläum in Monza im Bend-Manthey-911er – in dem er im Finale noch eine Chance auf den GT3-Titel hat. Es wäre sein dritter.
«Dass wir vor dem Finale noch Titelchancen haben, ist ein gutes Zeichen. Drei Mal Dritter, einmal Erster ist okay – drei Mal null nicht. Normalerweise wirst du im WEC Meister, wenn du keinen Nuller hast. Vom Speed und der Performance her war die Saison in Ordnung. Vielleicht fehlte auch manchmal ein wenig Glück, und wir machten auch einige Fehler. Le Mans schmerzt besonders, weil wir dort eigentlich sehr stark waren. Aber in Stunde zwei brach die Spurstange, wir verloren drei Runden, das war’s. Wir fuhren fertig in der Hoffnung, dass einige Konkurrenten ausfallen. Das alles macht den Punkteabstand zur führenden Corvette von Johnny Edgar aus.» 18 Punkte liegen Lietz und seine Teamkollegen Riccardo Pera und Yasser Shahin zurück.
Und der Niederösterreicher erklärt: «In Monza mit 30 Kilo Zusatzgewicht für den jüngsten Sieg in Barcelona auf der Strecke, in der Gewicht am schwersten wiegt, erfolgreich zu sein, ist ganz schwierig. Durch die niedrigen Temperaturen und wenig Reifenabrieb werden Autos, die sonst Reifenprobleme bekommen, besser dastehen. Dazu kommt, dass die abgesagten Rennen in Katar und Bahrain eineinhalbfache Punkte gebracht hätten, die Ersatzrennen jetzt mit sechs Stunden aber nur die regulären bringen. Es ist wie es ist, seien wir froh, dass wir hier auf einer Traditionsstrecke fahren können, aber im Sommer wär’s halt schöner gewesen.»
Monza-Erfahrung hat Lietz ausreichend: «Im August testeten wir zwei Tage, das letzte Rennen war vor zwei Jahren in der GT World Challenge, früher in der ELMS, im GT Open und im Supercup.» Lietz wird auch als 43-Jähriger (am 17. Dezember) noch für Porsche ins Lenkrad greifen: Zumindest im Winter in der Asian Le Mans-Serie, natürlich für Manthey. Und dann, sein Porsche-vertrag endet ja eigentlich heuer? «Wir haben lose gesprochen. Wenn ein Team, wenn Porsche und ich wollen, wird es weiter gehen. Die Chance ist da. Asian LM kam überraschend und ist eine gute Sache, um nicht einzurosten im Winter.» Es gab auch ein Telefonat, ob Lietz für Daytona offen wäre, aber noch ist nichts fix. Manthey jedenfalls ist in den USA «ausgebucht».
Die Motivation sei für ihn kein Problem: «Ich habe noch immer Spaß im Auto. Mir ist bewusst, dass gut ausgebildete Junge nachkommen, die auch einen Job brauchen. Das ist ganz normal. Aber wenn ich gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung. Vielleicht haben Porsche und Manthey auch einen anderen Job für mich. Und wenn nicht, muss ich wirklich mal zum Arbeiten anfangen!», meinte er lachend. «Im Prinzip ist meine Situation wie Urlaub: Du fährst mit Freunden rund um die Welt, jemand bezahlt das Ganze, und du darfst versuchen, ein Rennen zu gewinnen. Das ist schon eine seltene Situation. Bei Manthey ist es immer eine Freude, die Menschen zu treffen», fügt Lietz an.
Nach Siegen in Le Mans, Daytona und WM-Titeln bliebe noch ein Ziel: «Ich hätte gern einmal in Sebring gesiegt. Wir gewannen das WEC-Rennen dort, aber nicht die traditionellen zwölf Stunden. Es macht mir aber mittlerweile auch viel Freude, Gentleman-Fahrer oder Junge zu begleiten und gemeinsam Erfolge zu feiern. Es ist schön, wenn du merkst, dass deine Arbeit geschätzt wird.»
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