Formel-1-Rennkalender 2026: Türkei-GP noch in dieser Saison?
Derzeit werden Möglichkeiten geprüft, die abgesagten Nahost-Rennen nachzuholen. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem bringt außerdem ein Formel-1-Rennen noch in diesem Jahr in Istanbul ins Spiel.
Zwei Rennabsagen – wie geht es weiter?
Wie ist aktuell der Stand der Dinge? Kurz zusammengefasst: Die zwei Grands Prix im April in Bahrain und Saudi-Arabien wurden wegen des Kriegs im Iran und der Angriffe durch den Iran auf die beiden Länder abgesagt. Damit wäre die Formel-1-Saison 2026 Stand jetzt bei 22 Rennen statt der geplanten 24. Die TV-Verträge würden auch mit 22 GPs bedient. Die Frühlingspause von fünf Wochen ohne GP nutzten die Rennställe für Weiterentwicklungen, und FIA, F1 und Teams für eine Überarbeitung des Reglements, die insgesamt positiv bewertet wird. Keine schlechte Situation also aus F1-Perspektive – allerdings fallen durch die zwei GP-Absagen Antrittsgelder weg. Diese sind speziell bei den beiden abgesagten Rennen sehr hoch, werden auf 100 Millionen Euro für beide zusammen geschätzt. Entsprechend groß ist die Motivation, die Rennen doch noch irgendwie zu ermöglichen. Die Frage ist nur: Wann und wie?
Finale verschieben? Zwei Rennen einschieben?
Ben Sulayem sagte: «Rund um Katar könnte man alles eine Woche nach hinten verschieben. Wir sind in Beratungen mit den Veranstaltern, was die beste Lösung wäre. Es geht darum, wo wir fahren wollen, und wir werden versuchen, das zu ermöglichen, aber ohne Druck auszuüben.»
Denn der Rennkalender ist eng. Ein Hinzufügen der Nahost-Rennen wäre in zwei Szenarien möglich:
Triple-Header Baku-Nahost-Singapur
Am 26. September (ausnahmsweise am Samstag – böte einen Tag mehr Spielraum für die Logistik) findet der Aserbaidschan-GP statt. Davor ist eine Woche Pause nach dem Premierenrennen in Madrid. Zwischen Baku und Singapur (11. Oktober) ist Stand jetzt eine einwöchige Pause eingeplant. In diese Lücke könnte eines der abgesagten Rennen stoßen – so es die politische Lage bis dahin zulässt. Nach Singapur wäre dann eine Woche Pause vor dem Amerika-Triple-Header. Hartes Programm, logistisch schwierig, aber wohl möglich.
Quadruple-Header zum Saisonfinale
Hier muss sogar ein neues Wort gebildet werden, abgeleitet aus Double-Header und Triple-Header für zwei bzw. drei aufeinanderfolgende Rennen. Der aktuelle Fahrplan für die letzten drei Saisonrennen sieht wie folgt aus: 22. November Las Vegas, 29. November Katar, 6. Dezember Abu Dhabi. Würde man das Finale in Abu Dhabi eine Woche nach hinten schieben (also 13. Dezember) wäre Platz für ein weiteres Rennen. Damit hätte man Vegas gefolgt von drei Nahost-GPs. Es wäre eine bislang ungekannte Belastung für die Crews der Formel 1. Das bereits geplante Finalrennen zu verschieben, würde außerdem dazu führen, dass Teams und Fans umbuchen müssen, vielleicht Tickets zurückgenommen werden müssten.
Fakt ist auch: Für die Planung eines Rennens brauchen Teams und Veranstalter Vorlaufzeit. Die Logistik der Formel 1 ist komplex, die Teams operieren beispielsweise mit mehreren Garagen-Sets, die um die Welt geschifft werden und teilweise erst bei einem anderen GP Monate später wieder zum Einsatz kommen. Eine Entscheidung bräuchte mehrere Wochen, idealerweise Monate Vorlaufzeit, um sicherzugehen, dass das notwendige Gerät die Strecke rechtzeitig erreichen kann. Die politische Lage jedoch scheint volatil. Um ein Großevent wie ein F1-Rennen abzuhalten, bräuchte es außerdem stabilen und verlässlichen Frieden in der Region.
Wie entwickelt sich die Lage im Nahen Osten?
Dazu kommt: Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht entspannen, wären zwei weitere GPs in Gefahr – ausgerechnet die beiden Finalrennen in Katar und Abu Dhabi. Gerade in Hinblick auf die Krönung eines Champions sollte also möglichst früh klar sein, wie viele Rennen noch gefahren werden und wie viele Punkte noch offen sind. Aber auch hier: Die Weltlage liegt außerhalb der Kontrolle der F1.
Ben Sulayem, der selbst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommt, also einer der vom Krieg betroffenen Regionen, betont: «Es gibt Größeres als nur Motorsport. Es geht um die Art, wie wir leben, die Veränderungen und die Belastung in der Region. Wenn wir auf Leadership blicken und darauf, wie das geregelt wurde, dann war es sehr weise. Es braucht Stärke, das nicht zu tun. Der Sport kann warten. Was ist wichtiger: Menschen oder der Motorsport? Es sind immer die Menschen. Hoffentlich ist das bald vorbei und wir können zurück in den normalen Modus gehen. Aber Gott bewahre, dass es bis Oktober oder November dauert – dann würden wir nicht dort fahren, denn Sicherheit geht vor.»
Türkei als Alternative?
Die Türkei scheint in dieser Situation eine sichere Alternative, um auch in Richtung Winter noch eine Ausweichstrecke außerhalb der Golfregion zu haben. Einen Haken gibt es jedoch neben den raren Slots im Kalender: Noch ist die Strecke nicht homologiert, also auf dem aktuellen Stand offiziell freigegeben für F1-Rennen. Ben Sulayem: «Wir könnten dieses Jahr in der Türkei fahren, wenn sie ihre Homologation und die anderen noch notwendigen Dinge abschließen.» Bereits in den Corona-Jahren 2020 und 2021 sprang die Türkei kurzfristig ein und hielt zwei GPs ab.
Eine Entscheidung über Veränderungen im Kalender, die den Zeitraum September bis Dezember betreffen, müssen aus Gründen der Logistik und Planbarkeit zeitnah getroffen werden, also in den nächsten Wochen. Wie sich die Lage entwickelt, ist derzeit schwer abzusehen.
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