Alain Prost über Weltmeister Kimi Antonelli: «Das ist fast unerklärlich»
Der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost (71) spricht über den neuen Formel-1-Weltmeister Kimi Antonelli (20). Der Franzose ist baff, wie der Italiener zu einem solchen GP-Piloten gereift ist.
Kimi Antonelli hat mit nur 20 Jahren geschafft, was nur 35 Menschen vor ihm gelungen ist, während rund 750 daran gescheitert sind – Formel-1-Weltmeister zu werden.
Die Art und Weise, wie der sympathische Italiener das getan hat, das verblüfft auch die französische Rennlegende Alain Prost, wie er in seiner Kolumne für die französische Sport-Tageszeitung L’Équipe schreibt.
Der 51-fache GP-Sieger und vierfache F1-Weltmeister Prost lobt: «Dieser Erfolg ist fast unerklärlich. Er ist mit 20 Weltmeister, ich kam erst mit 25 in die Formel 1, wir sprechen hier von völlig unterschiedlichen Generationen. Der Sport hat sich dermassen geändert, dass Piloten aus verschiedenen Epochen kaum mehr miteinander zu vergleichen sind.»
«Eine weitere Sache, die mich beeindruckt, ist die Tatsache, dass ein Italiener Weltmeister geworden ist. Natürlich gab es eine Zeit, in der Ferrari keine italienischen Fahrer in ihren Rennwagen sehen wollte, weil geglaubt wurde, der Druck auf einen Italiener im roten Renner sei einfach zu gross. Das hat der Erfolgbilanz der italienischen Fahrer gewiss nicht geholfen.»
«Der Erfolg von Antonelli lässt sich zum Teil mit den neuen Regelungen erklären. Mit seinen 20 Jahren könnte Kimi sogar einen gewissen Vorteil haben, insbesondere in Bezug auf das Energie-Management. Anderer Fahrer mussten sich da total umstellen, ein junger Pilot muss das weniger.»
«Aber da gibt es auch etwas, das sich fast nicht in Worte fassen lässt. Normalerweise, in der Vergangenheit und bis heute, brauchte man als junger Fahrer etwas Zeit, um sich ans System anzupassen. Er brauchte das nicht. Das ist es, was mich am meisten überrascht. Man hat den Eindruck, dass hier ein GP-Veteran am Werk ist.»
«Schaut euch Monaco an. Ich habe am ganzen Wochenende keinen einzigen Fehler von ihm gesehen, und ich habe jede Runde verfolgt. Die freien Trainings, die Qualifikation, das Rennen. Und das ist eine Strecke, auf welcher, wenn man attackiert, wenn man die Pole-Position oder den Sieg sucht, die Fehler ratz-fatz kommen. Aber bei ihm? Nichts!»
Prost erklärt sich das scheinbar Unerklärliche so: «Ich denke, dass es hier eine angeborene Komponente gibt, etwas, das in den Genen eines Piloten liegt. Ich kenne die Menschen um ihn herum nicht, aber ich glaube, dass die Umgebung eine sehr wichtige Rolle spielt, wenn man so jung ist, um dir zu helfen, ruhig zu bleiben, um dich führen zu lassen.»
«Die Mannschaft um Toto Wolff erkannte früh, dass Antonelli ein aussergewöhnlicher Fahrer ist. Diese frühe Bekenntnis, diese bedingungslose Unterstützung hat mich ziemlich überrascht, doch vielleicht ist dies genau das, was Kimi dieses Vertrauen gegeben hat.»
«Kimi ist ein sehr netter Junge, aber auf der Strecke, wenn er das Visier herunterklappt, hat er auch mit seinen 20 Jahren wirklich das Messer zwischen den Zähnen, er hat diesen unbeugsamen Willen zu gewinnen.»
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