Ralf Schumacher zu Training Madring: «Was Hamilton macht, ist unsportlich»
Das erste F1-Training auf dem neuen Madring ist vorbei, Chaos ist ausgeblieben. Ralf Schumacher hat sich die Action auf der madrilenischen Rennstrecke angeschaut und sagt, worauf es hier ankommt.
Der sechsfache GP-Sieger Sergio Pérez bezeichnete die neue Rennstrecke Madring gleich mal als gefährlich, da hatten die 22 Formel-1-Fahrer noch keine Trainingssekunde absolviert. Nico Hülkenberg relativierte: «Es ist ein Strassenkurs, schnell, anspruchsvoll, mit vielen blinden Passagen, da muss man sich in den freien Trainings Schritt um Schritt Vertrauen aufbauen.»
Im ersten Training auf der 100 Millionen Euro teuren Bahn dann dies: Von Chaos keine Spur, ein paar Verbremser, ein paar harmlose Pistenbegrenzungs-Küsse, aber kein Unfall, keine Kollision, keine über die Bahn schimpfenden Fahrer.
Was lässt sich als erste Zwischenbilanz ziehen? Ralf Schumacher (51) hat sich das Geschehen auf dem tückischen Kurs angeschaut, als GP-Experte unserer Kollegen der deutschen Sky. Der 180-fache GP-Teilnehmer stellt fest: «Die Strecke hat es echt in sich, das deutete sich ja schon in der Formel 2 an, wo es gleich mal gekracht hat. Das ist ein Kurs wie Monaco, insofern, dass sich die Fahrer vorsichtig ans Limit herantasten müssen, um dann in der Quali alles rauszuholen. Auch in Monte Carlo ist die Bahn wie hier anfangs dreckig, man darf nicht zu viel riskieren.»
«Die Bahn ist rutschig, wir haben viele Passagen, die man nicht einsehen kann, im Rennjargon sind die blind. Dazu ist es recht eng. Du kannst kaum überholen, da werden sich die Piloten die Frage stellen müssen, wie viel Risiko beim Angriff eingehen wollen.»
«Die Piloten haben kaum zudem auf dieser Bahn Pausen, das ist mental anspruchsvoll, die Fahrer müssen die ganze Zeit über voll konzentriert bleiben.»
Der sechsfache GP-Sieger fährt fort: «Wir haben von Anfang an im ersten Training viel Betrieb erlebt, weil auf einer neuen Bahn jeder Kurve zum Lernen zählt. Wir früher hatten die ganzen hochgestochenen Simulationen von heute nicht, das hilft den modernen Fahrern natürlich. Was du aber nicht so gut simulieren kannst, das sind die ganzen Bodenunebenheiten, die du herausspüren willst, ein ganz wichtiges Thema für Abstimmung in Sachen Bodenfreiheit. Zudem merkst du erst beim richtigen Fahren das Haftungs-Niveau der Bahn, das lässt sich nicht simulieren.»
«Die reine Pistenführung an sich ist für einen Formel-1-Fahrer keine Sache. Erstens hat er wie erwähnt die Simulation, und die meisten GP-Fahrer sind ohnehin Schnell-Lerner. Nach zehn Runden hat das jeder im Griff.»
«Wir haben an einigen Fahrzeugen körnende Reifen auf der linken Autoseite gesehen, das ist für einen neuen Kurs mit wenig Grip nichts Ungewöhnliches, weil die Rennwagen noch stark herumrutschen. Diese Tendenz sollten nachlassen, wenn mehr und mehr Gummi auf die Bahn kommt.»
Zwischenbilanz des WM-Vierten von 2001 und 2002: «Mercedes ist stark, Ferrari ist da vorne dabei, aber wir haben erst Freitag. Die Formel-1-Fahrer hatten mit der Bahn offenbar keine Probleme, das ist nicht selbstverständlich, wenn wir an den turbulenten Formel-3-Test denken, mit 19 roten Flaggen.»
«Auffällig im ersten Training für mich der Mann in Rot, der scheinbar allen Gegnern im Weg herumstand, weil er oft in der Mitte der Bahn fährt – Lewis Hamilton. Ich weiss nicht, wieso er das oft macht. Das ist schon 2025 aufgefallen. Wenn man langsam fährt, so ist das eigentlich den anderen Piloten gegenüber unsportlich.»
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