Unser neues Rätsel Racing-Raritäten: Das passte einfach nicht zusammen
Bei unserem neuen Rätsel sehen wir eine Kombination aus Fahrer und Rennstall, die nicht harmonierten. Wer ist das? Wo und wann ist diese Aufnahme entstanden? Machen auch Sie mit!
Meist aus dem Archiv unserer Foto-Partner XPB und Grand Prix Photo stellen wir jede Woche ab Dienstag ein kleines Stück Motorsport-Historie vor. Sagen Sie uns, wer zu erkennen ist (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und rätseln Sie um die Ehre mit – zu gewinnen gibt es nichts. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist Sonntag der laufenden Woche, um 24.00 Uhr.
Die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen sind ausgeschlossen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die im Rahmen des Rätsels übermittelten Daten werden ausschliesslich zur Durchführung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Beim neuen Rätsel gilt: Fahrer und Fahrzeug, zwei grosse Namen der Formel 1, aber zusammengepasst hat das nie, ebenso wenig wie das Land dieser Rennstrecke mit dem Namen des WM-Laufs.
Unser Hinweis für die letzte Aufgabe lautete: Der Fahrer ist wohl kein Problem (steht schliesslich auf dem Auto) und auch der Rennwagenhersteller dürfte unsere Ratefüchse vor keine Schwierigkeiten stellen. Wir wollen dieses Mal wissen: Wo und wann entstand dieses Bild, und wieso wurde in dieser Ausführung gefahren?
Antwort: Arturo Merzario verlor im Grossen Preis der USA 1973 in Watkins Glen den Heckflügel seines Ferrari 312 B3. Natürlich war die Balance völlig aus dem Ruder, das Auto übersteuerte fürchterlich, worauf der Italiener seinen Wagen an die Box brachte und die Mechaniker bat, den Frontflügel wegzunehmen. Natürlich war der Wagen ohne Flügel nicht besonders schnell, der tapfere Arturo brachte den Wagen auf Platz 16 ins Ziel, mit vier Runden Rückstand auf Sieger Ronnie Peterson im Lotus.
Das Rennen wurde überschattet vom tödlichen Unfall des Tyrrell-Piloten François Cevert im Qualifying. Nach dieser Tragödie trat Tyrrell-Star Jackie Stewart nicht zum Grand Prix an, verfehlte daher seinen 100. WM-Lauf, ein trauriger Rahmen für den Rücktritt des dreifachen Formel-1-Champions.
Zurück zu Merzario: Die Formel-1-Statistik tut Arturo Unrecht. Dem am 11. März 1943 in Civenna bei Como geborenen Norditaliener werden 57 Formel-1-Starts zugeschrieben, aber das Timing für den drahtigen Mann mit dem grossen Cowboy-Hut hat nie gestimmt – selbst dann nicht, als Merzario Ferrari-Werkspilot war.
Für den berühmtesten Rennstall der Welt reichte es 1973 in Brasilien und Argentinien zu zwei vierten Plätzen, im bewährten Modell 312 B2. Ab Monaco wurde der B3 eingesetzt, mit dem sich Arturo so schwertat wie Team-Leader Jacky Ickx. Die erste Version dieses Autos war – Entschuldigung, liebe Tifosi – eine Gurke.
Die grösste Tat des kleinen Italieners: Arturo Merzario rettete 1976 auf dem Nürburgring mit einigen Rennfahrerkollegen und Streckenposten Niki Lauda aus dem Feuer und wurde so weltberühmt.
Merzario tingelte bis 1979 durch die Formel 1, jahrelang mit klobigen Eigenbauten, bei welchen sich die Fans oft fragten – wie kann der Kerl eigentlich übers Lenkrad sehen?
Der Kettenraucher eroberte seine grössten Siege im Sportwagen: Er triumphierte auf einigen der schwierigsten Kurse der Welt, wie in Spa-Francorchamps (die alte Version) oder bei der Targa Florio (zwei Mal, 1972 mit Ferrari, 1975 mit Alfa Romeo).
Der heute 83-jährige Merzario fährt noch immer bei Veranstaltungen mit historischen Rennwagen wie in Goodwood und bleibt mit seinem strahlend weissen Hut und dem sympathischen Knautschgesicht unübersehbar.
Als Ferrari im September 2019 vor dem Mailänder Dom den roten Teppich ausrollte, um 90 Jahre Rennsport zu feiern, wurde Merzario von den Fans wie ein Pop-Star empfangen. Arturo war sichtlich berührt.
Im Grunde ist es ein Wunder, dass er überhaupt 70 Jahre alt geworden ist. Viele seiner Weggefährten hat er verloren, was beim Zustand der damaligen Rennstrecken wenig verwunderlich war, wie er im Rahmen der Ennstal-Classic erklärte. «Die Dinge neben den Strassen, wie Bäume und Ähnliches, waren das Gefährlichste. Aber die Rennfahrer haben sich relativ gut darauf einstellen können. Der Motorsport begann nun mal auf Strassen.»
«Dann sind Strecken wie der Nürburgring und Monza gekommen. An sich auch gefährlich, aber die Fahrer konnten mit dem Risiko leben. Doch womit sie nicht leben konnten, war das Risiko der Technik. Das Schlimmste war die Technik, denn wenn dir eine Radaufhängung gebrochen ist, hattest du kaum eine Chance. Das grösste Problem waren mechanische Defekte, weil dadurch die meisten Racer tödlich verunglückt sind.»
«Vor dem Tod hatte ich nie Angst, wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Viel eher machte mir Angst, dass ich invalide werden könnte.»
Der heutige Sport macht Merzario wenig Eindruck: «Ich denke nicht, dass die heutigen Techniker und Ingenieure unglaubliche Genies sind. Die haben ein Millionen-Budget und fast unbeschränkte Mittel und Ressourcen zur Verfügung. Damals haben die Techniker und Ingenieure aus einfach Materialien und Rohren Rennautos gebaut. Daraus resultierte die Gefahr, weil das immer wieder kaputtgegangen ist. Das ist ganz wichtig im Vergleich zu heute. Heute gehst du in ein Labor und testest die Teile tausend Mal. Wir hatten das nicht. Wir haben statt dem Windkanal Wollfäden an das Auto gehängt und testeten dies auf einem Flugplatz.»
Ein moderner GP-Renner reizt Arturo nicht. «Alte Formel-1-Wagen fahre ich schon noch, wie in Goodwood. Aber in ein neues Auto würde ich mich nicht setzen. Der Adrenalinschub und der Wille, eine Rennstrecke und dieses Biest zu beherrschen, das ist der wesentliche Unterschied zur heutigen Formel 1."»
Über seinen 80. Geburtstag und das begonnene Lebensjahrzehnt sagte Merzario: «Also die 100 will ich schon noch erreichen.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach





