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SportwagenLe MansKolumne

Le Mans 1966: Am Ende ging’s um 37 Meter

Fords erster Sieg vor 60 Jahren beim legendären 24-Stunden-Rennen hatte eine riesige Werbe-Wirkung. Groß war aber auch die Enttäuschung bei Fahrer Ken Miles im Ziel.

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Das Siegerauto von Le Mans 1966 mit Chris Amon und Bruce McLaren
Das Siegerauto von Le Mans 1966 mit Chris Amon und Bruce McLaren
Foto: Wikimedia/Zantafio56
Das Siegerauto von Le Mans 1966 mit Chris Amon und Bruce McLaren
© Wikimedia/Zantafio56

Wenn ein Chef einen totalen Triumph feiern möchte, geschieht das nicht immer zur Freude seiner Angestellten. So auch beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1966: Konzernboss Henry Ford II, dessen Traum es immer war, diesen legendären Marathon mit seinen US-Boliden endlich einmal zu gewinnen, hatte tatsächlich groß aufgefahren. Denn nachdem ihm der schärfste Widersacher Enzo Ferrari den Kauf seiner Firma – die in Le Mans schon viele Male erfolgreich war – verweigert hatte, sann er auf Rache. Schließlich wollte er mit einem großen Sieg auch etwas zur Stärkung seiner damals bröckelnden Marktposition gegenüber General Motors unternehmen.

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Gleich acht 7-Liter GT 40 Mk.II sowie fünf 5-Liter GT 40 waren über den Ozean nach Frankreich gebracht worden, alle mit Unterstützung des Ford-Werks, koordiniert von Ford-Motorsportchef Leo Beebe. Sie sollten auf viele Ferrari treffen: zwei 330 P3, P3, 365 P2, 275 GTB sowie Dino 206S. Schließlich kam eine Porsche-Armada aus dem Schwabenland mit sechs 906 Carrera 6 und einem 911, aus den USA vervollständigte noch ein Chaparral 2D die große Klasse.

Alle diese Autos waren mit Weltklasse-Sportwagen-Piloten besetzt, die Werke hatten zum ganz großen Angriff geblasen.

Gleich nach dem Start hatte der Amerikaner Dan Gurney mächtig Gas gegeben, drehte mit seinem 7-Liter-Shelby-Ford eine Rekordrunde nach der anderen, der beste Ferrari lag mit US-Boy Richie Ginther auf Platz 5.

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Doch so sollte es keinesfalls weiter gehen, das hohe Tempo an der Sarthe forderte bald seine Opfer. Und so präsentierte sich am Sonntag-Nachmittag des 19. Juni ein deutlich gelichtetes Starterfeld: Alle Ferrari-Prototypen waren ausgefallen, von den zwölf Ford waren auch nur noch drei Autos im Rennen um den prestigeträchtigen Sieg.

Eine Stunde vor Renn-Ende lag der Brite Ken Miles, der viel zur Entwicklung des neuen Ford GT beigetragen hatte und tausende Testkilometer abgespult hatte, zusammen mit seinem Co-Piloten Denis Hulme, knapp vier Minuten vor den Teamkollegen Bruce McLaren und Chris Amon, alle aus Neuseeland. Als Dritte folgten, bereits abgeschlagen mit zwölf Runden Rückstand, die Amerikaner Ronnie Bucknum und Dick Hutcherson auf dem dritten Ford GT.

Von nun an nahm die interne Katastrophe ihren Lauf. Denn Henry Ford II, der auch die Ehre hatte, das Rennen per Flagge zu starten, wollte ein so genanntes Foto-Finish mit gleich zwei ersten Ford, der Werbezwecke wegen. Doch das missfiel den Reglementshütern in Le Mans, sie gaben dazu dem Firmenchef ein klares Nein.

Dieser aber teilte den negativen Bescheid nicht seinen Fahrern mit, die nun glaubten, aufeinander warten zu müssen, um dann gemeinsam die Ziellinie zu kreuzen. Nach dem Rennen wurde gemunkelt, dass der Ford-Chef in der letzten Rennstunde kein Risiko mehr eingehen, kein teaminternes Sieg-Gerangel – aus Firmensicht verständlich, aber doch unsportlich.

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Also wartete Ken Miles, der mit dem Startnummer 1 klar vorne gelegen war, brav auf das Tochter-Auto mit Bruce McLaren, und so fuhren sie fast gemeinsam ins Ziel, es sollte das bisher knappste Ergebnis bei diesem Rennen werden. Denn am Ende trennten nach 24 Stunden Tempohatz nur rund 20 Meter Differenz die beiden Autos, dabei wären, ohne Wartezeit, Ken Miles/Denis Hulme klare Sieger gewesen. Immerhin waren sie aus der Startaufstellung mit fast 37 Metern Vorsprung vor den Teamkollegen ins Rennen gegangen. Doch der Veranstalter deutete diesen Vorsprung genau umgekehrt – die Startnummer 2 habe ja eine längere Strecke bis ins Ziel zurücklegen müssen…

Miles wurde damit zum wohl unglücklichsten Zweiten, den Le Mans je gesehen hatte. Dass seine Rennkarriere sowieso zu Ende sein würde, konnte er damals nicht ahnen: Nur vier Wochen später verunglückte er tödlich auf der amerikanischen Riverside-Strecke, bei Testfahrten mit einem Ford GT-Prototyp für das folgende Jahr.

Dieses Auto, ironischerweise auch mit Startnummer 1, gefahren von Dan Gurney und A.J. Foyt, beide USA, gewann die Le-Mans-Auflage 1967 tatsächlich souverän mit vier Runden Vorsprung auf den Ferrari 330P4 von Ludovico Scarfiotti (Italien) und Mike Parkes (Großbritannien).

Für Sieger Gurney kam noch ein weiterer historischer Moment hinzu: Er sollte der erste Fahrer sein, der sich auf einem Siegerpodest ausgiebig mit Champagner duschte!

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