Julius Rörig hat nichts verbrochen, und landet dennoch vor dem DMSB-Richter
Strafzettel werden meist nach dem Verursacher-Prinzip verteilt, aber für den Patzer am Sachsenring muss der Euro Moto-Pilot den Kopf hinhalten, obwohl er ohnmächtig im Krankenwagen lag.
Nach jedem Rennen werden die von den Stewards und der Rennleitung verteilten Strafzettel auf SPEEDWEEK.com aufgelistet. So auch nach dem Euro Moto-Auftakt auf dem Sachsenring. In der Regel handelt es sich um kleinere Vergehen wie eine verpasste Fahrerbesprechung oder ein Überfahren von weißen Linien am Boxengassen-Ausgang. Auch die Strafen sind meist moderat.
Heftiger hatte es Honda-Pilot Julius Caesar Rörig erwischt. Laut Decision No. 2 mit der Vorgangsnummer S-15472/26 heißt es: «Verursachung einer gefährlichen Situation, wegen unerlaubten Überquerens der Strecke während einer roten Flagge und unsportlichen Verhaltens gegenüber dem Personal.» Zum Greifen kommt laut diesen Schreibens Artikel 140 und 49, Paragraf 3 des deutschen Motorsportsgesetzes.
«In dem neusten Artikel über die Euro Moto wird fälschlicherweise über mich, Julius Caesar Rörig, und mein Verhalten am Sachsenring geurteilt», beschwerte sich der Fahrer bei der SPEEDWEEK.com-Redaktion. Und das zu Recht. «Zum Zeitpunkt der roten Flagge war ich überhaupt nicht mehr bei Bewusstsein und musste mit dem Krankenwagen ins Medical Center und darauf ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Daher war es mir überhaupt nicht möglich, die Strecke zu queren oder mich fälschlicherweise gegenüber den Sportwarten zu verhalten.»
Aufklärung, Hintergründe, Fortsetzung
«Ein Teammitglied überquerte die Strecke nach Aufforderung des verantwortlichen Streckenwartes, was schließlich zu einem Verfahren mit den Sportkommissaren führte», erklärte Rörig. «Wie bereits erwähnt, wünsche ich mir eine Korrektur.» Ist erledigt. Zeit für Nachfragen bei den Verantwortlichen. Immerhin hat Rörig selbst am Sachsenring nichts verbrochen, prankt aber dennoch als Übeltäter auf dem Strafzettel.
Renndirektor Stefan Beck fasste sich auf Nachfrage kurz: «Ich kann hierzu keine Aussage treffen, da es sich um ein anhängiges Sportgerichts-Verfahren des DMSB und damit um eine laufende Ermittlung handelt.»
Nächste Anlaufstelle DMSB. Da gab es ein paar mehr Infos. «Der Sachverhalt ist recht einfach aufzuklären», heißt es vom Verband. «Wenn ein Fahrer nicht unter der Bewerbung eines Teams fährt, ist er selbst sportrechtlich verantwortlich für die Handlungen aller Personen, die seinem Team zuzurechnen sind. Unstrittig ist, dass Julius Caesar Rörig selbst verletzt war und natürlich nicht die Person sein konnte, der vorgeworfen wurde, über die Strecke gelaufen zu sein. Gleichzeitig gibt es aber Vorwürfe gegen ein Teammitglied, denen die Sportkommissare vor Ort nachgegangen sind und die – in Ermangelung eines Bewerbers – zunächst gegen den Fahrer erhoben wurden.»
Die Sportkommissare vor Ort haben den Fall ans Sportgericht weitergeleitet. Dieses prüft derzeit, ob bzw. in welcher Form es tätig wird. Dies kann noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn es blöd läuft, muss Julius Caesar Rörig den Kopf für etwas hinhalten, was er gar nicht verbrochen hat.
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