Crew-Chief von Ai Ogura: «Sprache ist nur ein Teil der Herausforderung»
Giovanni Mattarollo hat bei Aprilia in der MotoGP schon mit Oliveira oder Vinales zusammengearbeitet. Heute ist er der Crew-Chief von Ai Ogura. Der Italiener im Interview von SPEEDWEEK.com.
Giovanni Mattarollo ist der Crew-Chief von Ai Ogura. Er ist einer der vielen Ingenieure, die aus italienischen Universitäten hervorgegangen sind und die MotoGP-Boxen erobert haben. In seinem Fall schloss er 2006 sein Maschinenbaustudium an der Universität Udine ab.
SPEEDWEEK.com-Autor Manuel Pecino sprach mit Giovanni Mattarollo über seine Arbeit und die Verbundenheit mit Aprilia.
Giovanni, in deinem Lebenslauf steht, dass du seit dem Tag deines Studienabschlusses bei Aprilia arbeitest.
Ja, das stimmt. Ich habe ausschließlich bei Aprilia gearbeitet. In gewisser Weise schätze ich mich sehr glücklich, denn direkt nach meinem Abschluss bei Aprilia Racing einzusteigen, war bereits ein wahr gewordener Traum.
Im Laufe meiner Karriere gab es Momente, in denen ich über einen Wechsel nachdachte, und ich hatte Angebote sowohl innerhalb als auch außerhalb des Motorsports. Doch jedes Mal, wenn ich diese Optionen abwägte, wurde mir klar, dass der Weg, den ich bei Aprilia eingeschlagen hatte, mehr Möglichkeiten bot als alles andere, was mir zur Verfügung stand.
Du bist sehr jung zu Aprilia gekommen. Was war deine erste Aufgabe?
Ich habe als Chassis-Konstrukteur angefangen. Ich habe an Rahmen, Schwingen und im Grunde allem gearbeitet, was die Struktur des Motorrads ausmacht, mit Ausnahme des Motors und der Elektronik.
Im Lauf der Zeit gab mir Aprilia die Möglichkeit, durch verschiedene Aufgaben und Erfahrungen zu wachsen. Das ermöglichte es mir, nicht nur mit mechanischen Komponenten zu arbeiten, sondern auch zu lernen, wie man mit Menschen umgeht, was ebenso wichtig ist.
Wie bist du Crew-Chief geworden?
Meine erste Erfahrung machte ich 2020, als Bradley Smiths Crew-Chief wegen COVID nicht verfügbar war. Aprilia bat mich, für ein Rennen einzuspringen.
Du hast mit Fahrern aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammengearbeitet.
Später in dieser Saison arbeitete ich während der letzten drei Rennen als Crew-Chief für Lorenzo Savadori. 2021 kehrte ich zum Testen mit Dovizioso zurück, und als Maverick Vinales zu Aprilia kam, kehrte ich als sein Crew-Chief in die Weltmeisterschaft zurück. Nach zwei Saisons mit Maverick wechselte ich zum Satellitenteam und arbeitete mit Miguel Oliveira. Heute arbeite ich mit Ai Ogura.
Wie kommunizierst du mit den Fahrern?
Das hängt vom Fahrer ab. Überraschenderweise habe ich mit vielen von ihnen Italienisch gesprochen. Miguel Oliveira zum Beispiel spricht ausgezeichnetes Italienisch, da er in der Nähe von Verona lebt. Mit Ai Ogura spreche ich Englisch. Mit Vinales sprachen wir hauptsächlich Italienisch, da das gesamte Team italienisch war.
Die Sprache ist jedoch nur ein Teil der Herausforderung. Jeder Fahrer hat seine eigene Art, zu beschreiben, was er auf dem Motorrad fühlt. Diese «Sprache» zu lernen, ist oft schwieriger als Englisch oder Italienisch zu lernen.
Wie wichtig ist das Vertrauen zwischen einem Fahrer und seinem Crew-Chief?
Es ist grundlegend. Man spürt den Moment, in dem ein Fahrer anfängt, einem zu vertrauen. Wenn man etwas erklärt und er aufhört, jedes Detail zu hinterfragen oder nach alternativen Anweisungen zu fragen, weiß man, dass Vertrauen aufgebaut wurde. Dieses Vertrauen macht einen riesigen Unterschied in der Leistung und Zusammenarbeit.
Im nächsten Teil des Interviews erklärt Giovanni Mattarollo, wie sich die Zusammenarbeit mit Ai Ogura gestaltet.
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